So. 08.02.2026 Ihr seid das Salz der Erde (Kaplan Renjith Josef)

Schwestern und Brüder in Christus

In meiner ersten Predigt konzentrieren wir uns auf ein Wort Jesu. Jesus sagt zu uns: „Ihr seid das Salz der Erde.“

Wenn Jesus dieses Bild gebraucht, meint er damit, dass wir als seine Nachfolger bestimmte Eigenschaften des Salzes in unserem Leben widerspiegeln sollen.

 

Doch was sind die besonderen Eigenschaften von Salz?

 

Erstens: Salz verleiht Geschmack.

Wir verwenden Salz täglich in unseren Speisen. Fehlt es, merken wir sofort, dass etwas Entscheidendes fehlt. Genauso sollen wir durch unsere Anwesenheit und unsere Worte dem Leben und den Zusammenkünften unserer Gemeinschaft Würze verleihen. Menschen sollten unsere Abwesenheit spüren, weil wir durch Liebe, Ermutigung und Wahrheit einen Unterschied machen.

 

Zweitens: Salz wirkt als Konservierungsmittel.

Bevor es Kühlschränke gab, wurden Lebensmittel mit Salz haltbar gemacht. Wenn Jesus sagt, dass wir das Salz der Erde sind, ruft er uns dazu auf, das Leben anderer zu bewahren und zu schützen. Wir sind berufen, Verantwortung füreinander zu übernehmen und wie der barmherzige Samariter zu handeln.

 

Drittens: Salz hilft, Hindernisse zu beseitigen.

Im Winter wird Salz auf vereiste Straßen gestreut, damit Wege wieder begehbar werden. Auch wir sind dazu aufgerufen, Hindernisse im Leben anderer aus dem Weg zu räumen – durch Verständnis, Vergebung, Unterstützung und praktische Hilfe.

 

Viertens: Salz hilft, auch unter schwierigen Bedingungen Wurzeln zu schlagen.

In meiner Heimat Indien gibt man manchmal Salz in die harte Erde, damit Bäume besser wurzeln können. Viele Menschen haben aus unterschiedlichen Gründen die Hoffnung im Leben verloren. Es liegt an uns, ihnen Mut zu machen, damit sie neue Hoffnung schöpfen, Wurzeln schlagen und wachsen können.

 

Fünftens: Salz hat eine heilende Wirkung.

Als Kind habe ich mir oft beim Spielen oder Radfahren Verletzungen zugezogen. Meine Mutter behandelte die Wunden mit warmem Salzwasser, weil Salz die Heilung fördert. Auch wir sollen eine heilende Kraft im Leben anderer sein – durch Mitgefühl, Trost, Gebet und Liebe.

 

Kurz gesagt:

Wenn Jesus sagt, dass wir das Salz der Erde sind, fordert er uns zu fünf Aktionen auf

 

Unsere Anwesenheit und Worte sollten das Leben anderer bereichern

 

Wir sind dazu berufen, Hindernisse im Leben anderen aus dem Weg zu räumen

 

Wir tragen die Verantwortung, das Leben anderer zu schützen

 

Wir dürfen Leuchtturm der Hoffnung für andere sein.

 

Wir sollen eine heilende Präsenz für andere sein.

 

Lasst uns beten, dass wir überall, wo wir sind, dieses Salz Christi spürbar werden lassen. Amen

So. 01.02.2026 Nehmt Gottes Melodie in euch auf (Pfarrer Hans Lagler)

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Sie haben ihren fixen Platz bei den heiligen Messen am Allerheiligentag, denn schon ein Gedanke reicht aus, um damit ein ganzes Leben zu füllen. Die Rede ist von den Seligpreisungen. Diese neun Verse der Bibel, die immer mit dem Wort „Selig“ beginnen sind der Auftakt zur großartigen Bergpredigt des Herrn. (Mt 5, 1 – 12)

 

Jesus stellt damit seine Botschaft vor. Es ist sein Programm, für das er lebt. Es ist sein Evangelium für das er sogar zu sterben bereit ist. Es ist seine Vision die durch seine Auferstehung von Gott dem Vater eindrucksvoll bestätigt wird.

 

Schon um das Jahr 110 findet der heilige Ignatius von Antiochien ein großartiges Bildwort für diesen anspruchsvollen Lebensstil der Christen. Er schreibt in einem Brief: Nehmt Gottes Melodie in euch auf!

 

Wir alle haben unsere Lieblingslieder. Es sind Gesänge, die wir immer wieder hören und die sich als Ohrwurm in unserem Gehirn verankert haben. Da braucht es die Wiederholung, damit die Musik uns vertraut wird und auch bleibt. So ist es mit dem christlichen Glauben. Diese Melodie Gottes möchte unser Leben mit der Welt von heute in Berührung bringen, damit mancher Missklang stiller wird oder gar verschwindet. Das ist unser konkreter Auftrag, denn wir tragen füreinander Verantwortung. Auf dieser Weise sind wir ein Ton in Gottes Melodie.

 

Wenn Menschen nach Gerechtigkeit dürsten und hungern, dann dürfen wir nicht wegschauen. (Mt 5,6) Das persönliche Gebet und die Mitfeier der heiligen Messe geben uns die Kraft diese leisen zaghaften Melodien zu hören. Da wird im beruflichen Leben ein Lehrling immer

lächerlich gemacht, weil er seine Arbeit noch nicht richtig macht. Hier gilt es wachsam zu sein und mutig einzugreifen, wenn es notwendig ist. Nehmt Gottes Melodie in euch auf.

 

Dort tauscht man in gemütlicher Runde manche Neuigkeiten aus der Nachbarschaft aus. Leider wird nur das negative erzählt. Das Gerade wird vielleicht auch noch mit zusätzlichen lieblosen Kommentaren verstärkt. Da braucht es Anwälte des Lebens, welche in die Diskussion neue Standpunkte einbringen. Nehmt Gottes Melodie in euch auf.

 

Diese Melodie Gottes hat sozusagen einen kleinen Kopf. Sie dringt wie Wasser überall ein, wenn sie wo eine offene Stelle findet. Wie sehr dieser Gesang des Himmels einen Menschen verändern kann, wird uns an der Person des Apostels Paulus dargestellt. Er, der zuerst die Christen verfolgt hat und sich rühmte für die Steinigung des Diakons Stephanus verantwortlich gewesen zu sein (Apg 7,58) wird auf dem Weg nach Damaskus vom hohen Ross geworfen. (Apg 9)

 

Als er auf der Nase liegt, vernimmt Paulus die Stimme des Herrn: Warum verfolgst du mich? (Apg 9,4) Aus dem Verfolger der Christen wird der Völkerapostel, der die Botschaft des Evangeliums wie Saatkörner in vielen Ländern ausstreut. Paulus erkennt, dass Gott das Schwache, das Niedrige, ja sogar das Verachtete für sich verwendet und großes damit bewirkt. (1 Kor 1, 28)

 

Meiner Meinung nach brauchen aktuell prominente Persönlichkeiten, die wichtige Länder regieren, dringend unser Gebet, damit der Geist der Seligpreisungen ihre Einstellung verändert. Sie gleichen trotzigen Kinder in einer Schulklasse, die meinen zu wenig Aufmerksamkeit zu bekommen. Sie sind einfach schlimm, damit sich die Umgebung mit ihnen beschäftigt. Liebe Herren im Moskauer Kreml und im Weißen Haus und überall auf der ganzen Welt – Nehmt Gottes Melodie in euch auf.

 

Heute werden wir wieder neu mit dem Geist der Seligpreisungen vertraut gemacht. Hören wir gut zu, denn dieser leise Gesang des Himmels kann die Welt verändern. Amen

Lesung: 1 Kor 1, 26 – 31 Evangelium: Mt 5, 1 – 12 a

So. 18.01.2026 Auf Jesus hinweisen (Pfarrer Hans Lagler)

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Naturkundliche Wanderungen sind für mich immer etwas ganz besonderes. Es ist sehr beeindruckend mit einer erfahrenen Botanikerin einen Nachmittag unterwegs zu sein, die ihrer Gruppe die Augen für die Schönheit der Schöpfung öffnet: „Schaut mal her, hier wächst unscheinbar am Wegesrand eine Blume, die unter Naturschutz steht, weil sie schon fast ausgestorben ist. Seht, dort sind Heilkräuter zu finden, deren Blätter sich hervorragend für einen Tee eignen, der bei Blutdruckproblemen hilft.“

 

Es ist die faszinierende Aufgabe Johannes des Täufers die Menschen auf Jesus Christus hinzuweisen, der am Beginn seines öffentlichen Wirkens zuerst unbeachtet wie eine seltene Pflanze mitten unter den Leuten steht. Mit klaren Worten macht er daher auf den Messias aufmerksam: „Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt auf sich nimmt.“ (Joh 1,29) Dieser Hinweis wird für den Rufer in der Wüste zum Markenzeichen. Dieser Ausspruch schwingt sich in lateinischer Sprache bei unzähligen Darstellungen über seinen Pilgerstab „Ecce Agnus dei.“

 

Johannes der Täufer hat uns durch die Wochen des Advents begleitet. So wie eine erfahrene Botanikerin auf die Kostbarkeiten der Natur hinweist, öffnet uns dieser Heilige den Blick auf den Messias. Sein Dienst ist zu allen Zeiten des Kirchenjahres wichtig, denn er möchte die Menschheit auf den Erlöser der Welt hinweisen. Bei jeder heiligen Messe spricht dieser Prophet zu uns, wenn der Priester allen Mitfeiernden die zerbrochene Hostie zeigt: Seht das Lamm Gottes!

 

Als Johannes von den Taten Jesu hört, schickt er zwei seiner Jünger zu ihm und lässt ihn fragen: Bist du es der da kommen soll oder müssen wir auf einen anderen warten? (Mt 11, 3) Jesus gibt keine klare Antwort sondern er lässt einfach Taten sprechen: Blinde sehen

wieder, Lahme gehen, Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet. (Mt 11,5)

 

Gerade in der Gegenwart sehnen sich viele Menschen nach körperlicher und seelischer Gesundheit. Wenn wir ehrlich auf unser Leben schauen, dann spüren wir alle, dass wir verwundet sind. Der eine hat berufliche oder schulische Sorgen, die andere hat familiäre Probleme, der eine befindet sich in einer finanziellen Notlage, die andere spürt, dass sich eine Krankheit immer mehr bemerkbar macht, und und und.

 

Gerade diese vielen offenen Fragen, die zahlreichen ungelösten Rätsel unseres Alltags und die vielen Warum-Fragen lassen uns nach Haltegriffen Ausschau halten. In dieser Situation möchte uns Johannes der Täufer auf Jesus Christus hinweisen. Er hat mit seiner Botschaft vom Reich Gottes, durch sein Leben, Sterben und Auferstehen unseren oft so schwierigen Lebensumständen einen Sinn gegeben. Dieser Blick auf den Messias ist deshalb so wichtig, weil ihn Gott zum Licht für die Völker gemacht hat. (Jes 49,6) Ihm dürfen wir immer wieder neu im persönlichen Gebet, in Wort und Sakrament und verborgen in unseren Mitmenschen begegnen. Diese heilende Zuwendung gibt uns Mut für den nächsten Schritt und lässt uns wieder aufatmen.

 

Es wird manchmal passieren, dass Sie bei der Mitfeier einer heiligen Messe von der Predigt nichts mitbekommen, weil Sie gerade ganz mit sich selbst beschäftigt sind oder die Gedanken Sie nicht ansprechen. Wenn dies der Fall ist, darf ich Sie bitten, sich umso mehr auf die Eucharistiefeier zu freuen. Gerade Menschen, die von den Lebensumständen verwundet sind, möchte ich die heilige Kommunion wie ein Medikament regelmäßig verschreiben. Der Messias tröstet uns, stärkt uns, ermutigt uns immer wieder in der schlichten Gestalt des Brotes.

 

Wie eine erfahrene Botanikerin auf die Kostbarkeiten der Natur hinweist, so möchte uns Johannes der Täufer auf Jesus Christus aufmerksam machen. Schauen wir mit ihm auf den Erlöser der Welt, dann sind wir auf einem guten Weg hinein ins neue Jahr 2026. Amen

Lesung: Jes 49, 3 – 6 Evangelium: Joh 1, 29 – 34

So. 04.01.2026 Weihnachten – eine Zeit zum Genießen (Pfarrer Hans Lagler)

Festlich versammelte Gottesdienstgemeinde hier in der Pfarrkirche von Steinakirchen am Forst in Niederösterreich!

Liebe Mitfeiernde dieser heiligen Messe die im Fernsehen übertragen wird!

Geschätztes Team von Servus TV!

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst!

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Was mich persönlich am christlichen Glauben so fasziniert, ist die Fähigkeit Feste wirklich genießen zu können. Gerne möchte ich diese Erfahrung mit dem Weihnachtsfestkreis beschreiben:

 

Da war der Auftakt mit den Wochen des Advents. Sie führten uns Schritt für Schritt der Geburt des Herrn entgegen. Die vier Kerzen machten diesen Weg sichtbar.

 

Dann kam das Fest aller Feste, wie viele Menschen den Heiligen Abend bezeichnen. Während für viele Zeitgenossen Weihnachten mit einem gemütlichen Essen im Kreis der Familie und dem Öffnen von Geschenken wieder schnell vorbei ist, lässt sich die Kirche bewusst Zeit um diese Tage wirklich genießen zu können. Das ist Entschleunigung pur! Dies schätze ich so sehr.

 

Acht Tage hindurch wird nämlich das Weihnachtsgeschehen als ein großartiges Hochfest in den Mittelpunkt gestellt. Der Neujahrstag schließt diesen innersten Kern des Feierns wieder ab. Im Sprachschatz der Kirche wird diese Zeit Weihnachtoktav genannt. Dieses ausgiebige Verkosten dieses Glaubensgeheimnisses hat seinen Grund. Der Blick auf das Kind in der Krippe soll nämlich die Tiefe unserer Seele berühren und positiv verwandeln. (Kamera bitte auf Krippe)

 

Diese innere Weiterentwicklung wird uns in einem Gebet geschildert, das ich heute noch singen darf: In der sichtbaren Gestalt des Erlösers lässt du und den unsichtbaren Gott erkennen um in und die Liebe zu entflammen zu dem was kein Auge geschaut hat.

 

Heute am zweiten Sonntag nach dem Christtag schlägt die Kirche nochmals eine weihnachtliche Bibelstelle auf. Wir dürfen dem Evangelisten Johannes zuhören wie er in uns in gewaltiger Sprache das Geheimnis der Heiligen Nacht erklärt.

 

Dieser wichtige Apostel und biblische Autor ist auf unserem Hochaltar hier in Steinakirchen zu sehen, links dem großen Bild des Erzengels Michael Johannes wird mit einem Adler dargestellt. (Linke Figur am Hochaltar!) Das heißt, er kreist wie ein Greifvogel um sein Beutetier und dann stürzt er sich sozusagen hinab um Nahrung zu erwischen. „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter gewohnt. Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.“

(Joh 1, 14)

 

Lassen wir diesen Vers der Heiligen Schrift wie ein Vanillekipferl auf unserer Zunge zergehen. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter gewohnt. Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.“

(Joh 1, 14)

 

Genießen wir den Weihnachtsfestkreis daher ganz bewusst. Entschleunigung ist angesagt. Geben wir diesen kostbaren Gedanken der Bibel einen Platz in unserem Herzen, damit das Jahr 2026 im Blick auf das Kind in der Krippe uns allen zum Segen wird. Amen

Lesung: Jes Sir 24, 1 – 2 Evangelium: Joh 1,1 -14

Mi.31.12.2025 Predigt zur Jahresabschlussandacht (Pfarrer Hans Lagler)

Festlich versammelte Gottesdienstgemeinde!

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Ist Ihnen das schon mal aufgefallen? Es passiert Tag für Tag gerade so viel, dass die Zeitungen voll sind. Nur selten gibt es Beilagen, weil sich etwas Außergewöhnliches ereignet hat. Noch nie habe ich leere Seiten mit der Aufschrift entdeckt. Leider hat sich zu wenig in der Welt oder in Österreich ereignet und so müssen wir ihnen unbeschriftete Blätter zusenden.

 

Die Medien sind voll von besonderen Ereignissen. Da wird in vielen negativen und ganz wenigen positiven Schlagzeilen berichtet oder es werden uns Menschen vorgestellt, die einen eigenartigen Lebensstil haben und dafür scheinbar Werbung machen.

 

Im vergangenen Jahr gab es in Niederösterreich eine Diskussion um das Wort normal. Was ist schon normal und wer ist heutzutage noch normal? Aus der Sichtweise des Glaubens darf ich darauf heute eine Antwort geben.

 

Durch den großartigen Erfahrungsschatz hat die Gemeinschaft der Kirche oder konkret unsere über 1000-jährige Pfarre Steinakirchen in diesen Fragen einen langen Atem. Der Prophet Micha im Alten Testament gibt uns da eine Antwort, die uns hilft in den Herausforderungen der Gegenwart einen guten Weg zu finden. Er schreibt dir und mir ins Stammbuch unseres Lebens: Es ist dir gesagt worden Mensch, und setzen sie statt dem Begriff Mensch ihren eigenen Namen ein, was gut ist und was der Herr von dir erwartet. Nichts anderes als dies, Recht tun, Güte und Treue lieben und in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott. (Micha 6,8)

 

Aus diesem Grund darf ich allen danken, mit denen ich als Pfarrer und Christ im Glauben und im Leben unterwegs sein darf. Vergelts Gott die im pfarrlichen oder im gesellschaftlichen Alltag Mitverantwortung übernehmen. Es braucht Menschen, die neben Beruf und Familie sich

in Kirche und Gesellschaft selbstbewusst einbringen und nicht nur erwarten, dass alle anderen etwas für sie tun.

 

Wir erleben in Österreich gerade gewaltige Veränderungen. Es war keine große Meldung in den Medien, doch in diesem Jahr ist etwas besonders passiert. Zum ersten Mal sind weniger als 50 % der Bevölkerung römisch-katholische Christen in unserem Land. Dies prägt unsere Gesellschaft nachhaltig. Der neue Wiener Erzbischof hat darauf hingewiesen, dass sich einerseits viele Menschen vom christlichen Leben lautlos entfernen und zugleich die Weltreligion des Islam gerade über die Gründung von großen Familien in unserem Land immer mehr an Bedeutung gewinnt.

 

In unserer Pfarre zeigt sich dieser gesellschaftliche Wandel wieder in anderen Bereichen. Die Orte, wo sich Menschen treffen einfachkönnen werden immer weniger. Es schließen Gasthäuser, die meiner Meinung nach 1000 Jahre offen waren, denn es kommt nicht von ungefähr, dass der Markt Steinakirchen sehr viele Gasthäuser hatte, damit sich die Pfarrbevölkerung an einem Sonntag nach den Gottesdiensten auch treffen konnte. Diese Veränderungen gilt es genau zu beobachten und wir sind aufgefordert neue Wege zu suchen, damit wir uns nicht voneinander entfernen.

 

Es ist dir gesagt worden Thomas, Sandra, Leopold, Hannah .., was gut ist und was der Herr von dir erwartet. Nichts anderes als dies, Recht tun, Güte und Treue lieben und in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott. (Micha 6,8)

 

2026 wird trotzdem wieder ein gutes Jahr werden. Aus dem Blickwinkel der Pfarre haben wir im Pfarrgemeinderat den Gedanken „Gott feiern“ als unser Jahresmotto gewählt. Dies geht gleich los mit einer heiligen Messe, die am 4. Jänner in Servus-TV um 9.00 Uhr live übertragen wird.

 

Im kommenden Jahr wird unser Pfarrsekretär und Totengräber Thomas Pflügl in Pension gehen. Der Posten war ausgeschrieben und es wurde sein Neffe Stefan Pflügl vom Pfarrkirchenrat zum Nachfolger bestimmt.

Finanziell tut sich die Pfarrgemeinde nicht mehr so leicht wie in früheren Jahren. Es sind Jahr für Jahr rund 50.000,– Euro notwendig um die Fixkosten abzudecken. Da danke ich allen die jetzt das Pfarrstüberl besuchen und auch mitarbeiten. Der Reinerlös von 12.000,–. Euro im vergangenen Jahr ist ein wichtiger Beitrag zur Finanzierung des kirchlichen Lebens vor Ort. Über 30.000,– sind es die sie ins Opferköbchen geben. Vergelts Gott dafür.

 

Baulich wird die zweite Hälfte des Parkplatzes vor dem Pfarrzentrum befestigt. Es ist damit bei Starkregen die Gefahr gedämmt, dass sich das Wasser einen eigenen Weg sucht und so den Pfarrhof beschädigen könnte.

 

Gehen wir mit Zuversicht und begleitet durch Gottes Schutz und Segen ins neue Jahr. Seien wir uns aber bewusst, dass du und ich durch die Art unserer Lebensweise einen wesentlichen Beitrag leisten, dass sich die Pfarre und die drei Gemeinden segensreich weiter entwickeln können. Die Bibel schreibt uns daher ins Stammbuch unseres Lebens: Es ist dir gesagt worden Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet. Nichts anderes als dies, Recht tun, Güte und Treue lieben und in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott. (Micha 6,8) Amen

Do. 25.12.2025 Wenn aus Weinnacht – eine Weihnacht wird (Pfarrer Hans Lagler)

Festlich versammelte Gottesdienstgemeinde!

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst!

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Nun ist es wieder da das Fest alle Feste – Weihnachten steht am Kalender. Diese Nacht, die durch die Geburt des Herrn im Stall von Bethlehem geweiht ist, berührt die Herzen der Menschen. Die Faszination dieser besonderen Tage strahlt in den Augen der Kinder.

 

Mit den Erfahrungen des Jahres 2025 gehen wir alle wieder zur Krippe. Für manche von uns sind die vergangenen zwölf Monate eine großartige Zeit gewesen. Vielleicht hat jemand heuer die Partnerin/den Partner fürs Leben gefunden, ist Papa oder Mama, Oma oder Opa geworden. Es wurden Lehrabschlussprüfungen gemeistert und erfolgreich Maturaarbeiten geschrieben oder runde Geburtstage gefeiert; all das lässt uns mit innerer Zuversicht zur Krippe gehen.

 

Leider gibt es auch das Gegenteil. Wie viele Menschen stehen heuer traurig vor dem Jesuskind, weil ein Platz am Tisch der Familie leer geworden ist, oder gesundheitliche Sorgen die Freude rauben.

 

Meiner Meinung nach ist beim Wort Weihnachten ist dieses stumme h so wichtig. Aber lassen wir es mal weg, dann entstehen Sichtweisen die uns mit der Realität des Lebens noch enger in Berührung bringen.

 

Für zahlreiche Personen ist die Weihnacht eine Weinnacht. Sie brauchen viele Taschentücher. Da wird auf einmal das Alleinsein zur Einsamkeit. Da werde ich an liebe Menschen erinnert, die gerade in diesen Tagen besonders fehlen. Die Trauer ist die Schwester der Liebe. Wenn heuer über ihre Wangen Tränen fließen, dann kann dies der Anfang der Heilung sein. Jesus ich bringe dir meine Sorgen. Sie sind sozusagen meine Geschenke an dich.

 

Für zahlreiche Personen ist die Weihnacht eine Weinnacht. Gluck Gluck. Wenn der religiöse Charakter des Festes immer mehr in den Hintergrund tritt, dann sind auf einmal andere Maßstäbe da. Natürlich sind an solchen Festtagen besondere Speisen wichtig, aber das gute Essen soll die Freude über die Geburt des Herrn ausdrücken und festigen. Wird Weihnachten nur auf ein besonderes feines Abendessen mit Bescherung reduziert, dann trocknet unsere Seele aus. Alkohol kann diesen Hunger nach wahrer Liebe und echter Wertschätzung nicht stillen.

 

Schon vor über 300 Jahren hat zu diesem Thema der Wiener Hofprediger Abraham a Santa Clara eine bewegende Predigt gehalten. Er verbindet das Lebensgefühl der Barockzeit mit der Feierkultur seiner Zeit und zeigt die Gegensätze auf. Ich darf ihn zitieren und zum Verständnis zuerst darauf hinweisen, dass bis 1969 das Fest des Apostels Thomas am 21. Dezember gefeiert wurde.

 

Stellen sie sich diesen Prediger vor, wie er von der Kanzel wettert:

+ Am Thomastag sollst du die Seiten Christi verehren, und du gehst lieber mit deinen Saufgesellen auf die Seiten.

+ Vor allem sollst du mit sonderen Eifer die Festtage der Geburt Christi zubringen, aber für dich wird die Weihnacht zur Weinnacht. Bei dir ist wahr wo man zu Pfingsten die Apostel bezichtigt, sie sind vom süssen Wein betrunken.

+ Am Fronleichnamstag gehst du Vormittag bei der Prozession mit und nachmittags prozessierst du mit dem Wirt wieviel Gläser du wirklich getrunken hast.

 

Ich liebe die barocke Sprache dieses Priesters und seinen deftigen Humor.

 

Weihnachten – wie würden Sie ganz ehrlich für sich diesen Begriff heuer schreiben? Ist es für Sie diese geweihte Nacht, in der Jesus zur Welt kommt? Ist es für Sie eine Weinnacht, weil Sie viele Sorgen quälen, die gerade jetzt ihr Herz traurig machen? Ist es für sie eine Weinnacht gluck gluck, wo nur Essen und Trinken wichtig sind, aber das gemeinsame Gebet und das Kind in der Krippe keinen Platz mehr haben?

 

Wenn wir die Botschaft des Evangeliums ernst nehmen, dann wird der Herr in diese unsere Welt hineingeboren. Seine verborgene Gegenwart macht jede Weinnacht der Taschentücher und jede gluck-gluck-Weinnacht zur wahren Weihnacht, denn Jesus ist immer bei uns bis zur Vollendung der Welt. Das Kind in der Krippe ist dafür ein wichtiger Hinweis. Amen

Lesung: Jes 52, 7 – 10 Evangelium: Lk 2, 15 -20

So. 21.12.2025 Glaubenszeugnis – 4. Adventsonntag (Veronika Prüller-Jagenteufel)

Haben Sie schon alle Weihnachtsgeschenke gekauft, verpackt, verschickt? Und alle Wunschzettel geschrieben? Welcher Typ sind Sie: Lassen Sie die anderen wissen, was sie sich wünschen? Oder werden Sie lieber überrascht? Das Wünschen ist ja nicht immer so einfach; da kann man sich fragen: Darf ich mich auf die Großzügigkeit eines anderen verlassen und einfach sagen, was ich gerne hätte? Oder ist das ungehörig, weil es den anderen unter Druck bringt? Und sollten die, die mich kennen, nicht eh schon von selber wissen, worüber ich mich freuen würde? Und vielleicht kennen Sie den Spruch: „Pass auf, was Du Dir wünscht – es könnte in Erfüllung gehen.“ Das ist so eine Aufforderung, sich ehrlich zu fragen: Was will ich wirklich – und ist das, was ich mir jetzt gerade wünsche, auch wirklich gut?

Auch in der heutigen Lesung ist es ums Wünschen bzw. Bitten und um ein Geschenk gegangen. Die Lesung war ja nicht so leicht zu verstehen, weil sie nur einen Ausschnitt aus einer längeren Geschichte bringt. Da war von einem König Ahas, dem König von Jerusalem, die Rede; und der darf sich von Gott etwas wünschen. Dieser König Ahas ist in einer schwierigen politischen Situation. Seine unmittelbaren Nachbarländer wollen ihn zu einer Koalition gegen die Bedrohung durch das mächtige Großreich Assur überreden; Ahas aber überlegt, dass er vielleicht besser davonkommt, wenn er sich mit dem König von Assur arrangiert und sich unter den Schutz dieses Großreiches stellt und seine eigenen Nachbarn im Stich lässt.

Gott bietet in dieser Situation Ahas ein Zeichen an – als Hilfe und Hinweis, wie er sich entscheiden soll. Ein solches Zeichen ist ein Geschenk; darum bitten zu dürfen, ist ein Privileg – das ist ja super, so eine Entscheidungshilfe anrufen zu dürfen; das wünschen wir uns ja auch manchmal: Bitte lieber Gott zeig mir, was ich tun soll … Aber Ahas lehnt ab! Er will nicht um dieses Zeichen bitten. Seine Ablehnung bringt er so vor, dass sie ganz fromm und bescheiden klingt: „Ich will Gott ja nicht unter Druck setzen.“ Aber eigentlich – das geht aus dem Gesamtzusammenhang der Geschichte klar hervor – eigentlich möchte Ahas gar nicht wissen, was Gott von ihm will. Denn er hat sich längst entschieden und spürt zugleich ziemlich genau, dass Gott seine Entscheidung nicht gutheißen wird und von ihm etwas anders gewollt hätte. Das will er nicht auch noch deutlich gesagt kriegen. König Ahas wendet sich also von Gott ab und dem Großreich Assur zu. Er weiß, dass das auch einen Abfall von Gott bedeutet, weil er mit dem Schutz des Großreiches auch dessen Religion übernehmen muss.

In der Lesung war das Aufseufzen Gottes zu hören, ein tiefer Seufzer über seinen untreuen König. Aber Gott bleibt seinem Volk treu und verlässt es nicht; vielmehr gibt er ihnen von sich aus ein Zeichen: Eine junge Frau, eine Jungfrau, wird einen Sohn gebären, der wird Immanuel heißen: Das bedeutet „Gott mit uns“. Ich höre da: Gott gibt seinem Volk für die Zukunft nach dem untreuen König eine neue Chance. Er fängt mit den Seinen wieder ganz neu an – schenkt aus einer Jungfrau heraus einen Hoffnungsträger – einen ganz neuen Anfang. Diese Verheißung sehen wir Christen und Christinnen in der Geburt von Jesus Christus erfüllt. Und so gilt diese Zusage auch für uns heute: Gott bleibt ein Gott mit uns. Egal, wie sehr wir uns verrannt haben. Er gibt uns immer wieder eine neue Chance.

Im Evangelium haben wir dann von Josef gehört; auch der ist in einer schwierigen Situation: Seine Verlobte ist schwanger und das nicht von ihm. Was soll er tun? In einem Traum erkennt er einen klaren Hinweis, worum es geht. Und Josef nimmt dieses Zeichen an und handelt danach. Josef hat ein gutes Gespür für das, was vor Gott recht und richtig ist, und er macht sein Herz auf. Der König Ahas hat auch gespürt, was Gott will, und sich hat sich trotzdem verweigert.

Ich denke, wir können uns aus diesen beiden Bibeltexten heute zweierlei Ermutigung mitnehmen: Erstens: den Mut, dem trauen, was wir in uns als tiefes Wissen in der Seele spüren. Oft ist es ja so, dass auch wir innerlich spüren, was in einer bestimmten Situation von uns gefordert wäre – und manchmal trauen wir uns nicht oder wollen einfach nicht darauf hören; manchmal kommt uns da Angst oder Bequemlichkeit oder Egoismus in die Quere. Und nicht immer sind die Zeichen, die wir spüren, so deutlich wie beim Josef, aber jedes Mal, wenn wir es wagen, dieser Stimme unseres Gewissens, der göttlichen Stimme in uns zu folgen, dann wird sie stärker und klarer. Und wir dürfen ihr vertrauen, denn sie führt uns jedenfalls auf einen guten Weg.

Und zweitens höre ich die Ermutigung, gut zu wünschen: Wir dürfen mit allen unseren Wünschen zu Gott kommen, gerade auch mit den großen Wünschen nach Frieden und nach Gerechtigkeit auf der Welt oder in der eigenen Familie oder der eigenen Seele. Vor allem dürfen wir ohne Scheu Gott immer wieder bitten um Zeichen der Wegweisung und der Orientierung in schwierigen Situationen. Gott seufzt nicht über unsere Wünsche und Bitten, sondern dann, wenn wir uns – oft wider besseres Wissen – von Gott abwenden und gar nicht mehr wissen und gar nicht mehr darüber nachdenken wollen, was vor Gott gut und recht wäre.

Und gut und recht ist, so glaub ich, immer: das Herz öffnen und auf den Gott vertrauen, der als schwaches Kind mitten unter uns ist und der uns besonders in allem Schwachen und Kleinen entgegenkommt. Und ich glaube, es gibt etwas, was dieser Gott sich von uns wünscht – zu Weihnachten und das ganze Jahr: nämlich dass wir ihm die Treue halten und wie der Hl. Josef einfach gütig und hilfsbereit sind.

 

Lesung: Jes 7,10-14

Evangelium: Mt 1,18-24

 

So. 14.12.2025 Elch Emil – Wort des Jahres; Freude – Wort des Tages (Pfarrer Hans Lagler)

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Mit einem Quiz möchte ich heute die Predigt beginnen: Welche weltbekannte Persönlichkeit hat heuer die Pfarre Steinakirchen besucht? War es eine berühmte Schauspielerin, welche die Kinosäle füllt oder ein Politiker, der oft in den Zeitungen zu sehen ist? Nein.

Wer könnte es gewesen sein? Hat wer schon eine Ahnung? Ich helfe ihnen. Es ist ein Tier mit vier Beinen. Richtig – der Elch Emil.

 

Er hat in Ochsenbach die Straße überquert und ist in aller Ruhe Richtung Sonntagberg weitermarschiert. Sein Name wurde zum Wort des Jahres 2025 in Österreich.

 

Nach diesem Wort des Jahres möchte ich sie am 3. Adventsonntag auf das Wort des Tages hinweisen. Es ist der großartige Begriff der Freude. Schon im Eröffnungsvers der heiligen Messe kommt er heute zwei Mal vor: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich euch freut euch, denn der Herr ist nahe.“ (Phil 4,4f.)

 

Diese Lebenshaltung klingt auch im Tagesgebet an … damit Weihnachten eine Zeit der Freude und der Zuversicht werde. In der Lesung aus dem Propheten Jesaja ist sogar drei Mal davon die Rede. Gerne erinnere ich an diese Bibelstellen: „Die Wüste und das trockene Land sollen sich freuen“ (Jes 35,1) Ewige Freude ruht auf ihren Häuptern. Wonne und Freude stellen sich ein, Kummer und Seufzer entfliehen (Jes 35, 10). Diese Freude wird sogar in der rosa Kerze am Adventkranz sichtbar dargestellt.

 

Diese Lebenshaltung der Freude darf nicht mit dem Begriff „Spaß“ verwechselt werden. Spaß ist kurzfristig und macht nur für wenige Augenblicke glücklich. Freude hingegen schenkt eine innere Erfüllung und stimmt uns für lange Zeit zuversichtlich.

Gerade die Wochen des Advents möchten die Freude in uns stärken und festigen. Diese Haltung stellt sich ein, wenn wir mit offenen Augen durch unseren Alltag gehen, denn aus der Kraft des Glaubens dürfen wir – ohne es zu ahnen – oft großes bewirken.

 

Johannes der Täufer ist heute auf der Suche nach dieser inneren Freude, welche der erwartete Messias bringen soll. Er schickt daher zwei seiner Jünger zu Jesus und lässt ihn klipp und klar fragen ob er der erwartete Hoffnungsbringer ist oder nicht. Der Herr sagt aber nicht ja oder nein, sondern er verweist auf diese Zeichen der Freude, welche sein verborgenes Wirken hervorruft: „Blinde sehen wieder, Lahme gehen, Aussätzige werden gesund, Taube hören, Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet.“ (Mt 11, 5)

 

Es wird auf diese Weise in großartigen Bildern erklärt, wie heilende Begegnungen unsere Mitmenschen aber auch uns selber positiv verändern. Die eine, welche für die Vielfalt der Natur blind geworden ist, lernt durch deine Einladung zu einer Wanderung die Schönheit der Ötschergräben zu genießen. Der andere den Sorgen ganz kraftlos und lahm machen, spürt durch dein einfühlsames Zuhören neuen Mut und wagt die ersten Schritte in Richtung Zukunft.

 

Elch Emil – der Stargast der vergangenen 12 Monate in unserer Pfarre hat es nochmals geschafft, dass alle über ihn reden. Sein Name wurde das Wort des Jahres.

 

Freude ist meiner Meinung nach das Wort des 3. Adventsonntages. Ich hoffe für dich und für mich dass dies nicht nur für heute, sondern für alle 365 Tage gilt. Freude beschreibt nämlich das Geschenk einer lebendigen Gottesbeziehung, die manche Sorge kleiner aussehen lässt. Aus diesem Grund hat der Apostel Paulus schon recht, wenn er uns heute zuruft: Freut euch im Herrn zu jeder Zeit. Amen

Lesung: Jes 35,1 – 6a Evangelium: Mt 11,2 – 11

 

Mo. 8.12.2025 Gott führt sein Volk auf dem Weg durch die Zeit (Pfarrer Hans Lagler)

Festlich versammelte Gottesdienstgemeinde!

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Heute vor genau 60 Jahren, also am 8. Dezember 1965, blickte die ganze Welt nach Rom. Mit einer feierlichen Messe ging an diesem Tag das Zweite Vatikanische Konzil zu Ende. 2400 Bischöfe aus allen Kontinenten nahmen an dieser Schlussveranstaltung teil.

 

Was war passiert? 1959 hatte der schon schwer kranke Papst Johannes XXIII angekündigt, dass er alle Bischöfe der Welt zu Besprechungen nach Rom einladen möchte. Die Behörden des Vatikans hatten schnell die Dokumente vorbereitet und man meinte in ein paar Wochen sei dieses Ereignis auch schon wieder vorüber.

 

Diese Versammlung begann mit einem gewaltigen Schock. Die Bischöfe der Weltkirche lehnten die vorbereiteten Papiere ab und verlangten eine Neufassung. Jetzt kam die Stunde der Theologen, denn jeder Bischof konnte sich zu diesen Beratungen einen Experten mitnehmen, der in Fragen des Glaubens neue Gedanken einbringen konnte.

 

Bei dieser Abschlussmesse am 8. Dezember 1965 wurden alle Beschlüsse veröffentlicht und es traten Neuerungen in Kraft, welche das kirchliche Leben vor Ort gewaltig verändern sollten.

 

Bis zu diesem Tag wurden beispielsweise alle heiligen Messen auf der ganzen Welt in lateinischer Sprache gefeiert. Nur die Lieder waren in der Volkssprache. Jetzt war es möglich alle Gottesdienste in der Landessprache zu feiern. Es mussten daher alle kirchlichen Bücher neu geschrieben werden. Mit 1. Adventsonntag 1969 war es dann so weit, dass dieser Beschluss Wirklichkeit wurde.

 

Ein weiterer Schritt war die Zusammenarbeit aller christlichen Kirchen. Die Einheit der Christenheit war ja durch die Jahrhunderte zerfallen. Katholische, evangelische oder orthodoxe Kirchen standen sich als Feinde gegenüber.

 

Bis dahin gab es in der katholischen Priesterausbildung einen Gegenstand der hieß: Kontroverstheologie. Man lehrte den Studenten immer den Unterschied zwischen den christlichen Gemeinschaften und betonte den Herrschaftsanspruch des Papstes in Rom über die ganze Christenheit. Auf einmal trat das ganze Gegenteil in Kraft: Diese sichtbare Einheit der gesamten Kirche ist nicht mehr der Papst sondern Jesus Christus selber. Auf ihn gilt es zu schauen und man betonte die Gemeinsamkeiten der Kirchen und die Gleichrangigkeit vor Gott.

 

Als sichtbares Zeichen wurde der Kirchenbann vom Jahr 1054 aufgehoben. Damals warfen sich der Papst in Rom und der Patriarch von Konstantinopel vor, dass der andere nicht mehr christlich denkt und sprachen sich gegenseitig den Glauben ab. Es kam zu einer Umarmung von Papst Paul VI mit dem höchsten Vertreter der Patriarchen und viele Bischöfe weinten bei diesem historischen Moment.

 

Papst Paul VI stellte sich unerwartet mit einem kostbaren Geschenk ein. Er übergab die Kopfreliquie des heiligen Apostels Andreas. Sie wurde bei einem Kreuzzug im Mittelalter gestohlen und nach Rom mitgenommen. Der Heilige Vater gab sie nach 800 Jahren wieder zurück. Wie sich der Papst in Rom nämlich als Nachfolger des Apostel Petrus bezeichnet, so hat der Patriarch von Konstantinopel den Apostel Andreas als seinen Ausgangspunkt. Diese Kopfreliquie war dafür das sichtbare Zeichen und kam wieder zurück. Jetzt weinten die Bischöfe der Ostkirchen.

 

Aber auch auf mit dem Blick auf Welt gab es eine große Veränderung. Bis dahin war es das Bestreben, dass ein katholischer Christ mit der modernen Welt nicht in Berührung kommen durfte, denn überall lauerte die Sünde. Auch hier kam es zu einer Kehrwende. Einer der wichtigsten Sätze dieser bischöflichen Versammlung lautet: Freude

und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi!“

 

Heute durfte ich mit Ihnen einen kleinen Ausflug in die Kirchengeschichte machen, denn vor genau 60 Jahren am Hochfest Maria Empfängnis am 8. Dezember 1965 ging das Zweite Vatikanische Konzil zu Ende. Zahlreiche Beschlüsse sind wegweisend und stellen dankbar fest, dass Gott selber es ist, der sein Volk auf dem Weg durch die Zeit führt. Amen

Lesung: Eph 1, 3 – 6 Evangelium: Lk 1, 26 – 38

 

So. 16.11.2025 Gott schenkt uns Hoffnung – Elisabethsonntag (Alfred Kaltenbrunner)

Liebe Gottesdienstgemeinde!

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Ganz ehrlich, woran haben Sie gerade gedacht, als Sie die heutigen Schriftstellen gehört haben? Das ist schon eine harte Kost, die uns heute zugemutet wird.

Das Bild der Zukunft ist brutal, beängstigend und lebensfeindlich.

In der Lesung aus dem Buch Maleachi, geschrieben vor rund 2500 Jahren, wird vom vernichtenden Feuer gesprochen und das Evangelium legt sozusagen noch eins drauf. Die Welt zur Zeit Jesu versinkt ja regelrecht in Chaos, Zerstörung, Krieg, Not und Angst. Volk wird sich gegen Volk erheben und es wird gewaltige Erdbeben, Seuchen und Hungersnöte geben. Da ist die Rede von Hand angelegen, Verfolgung und Gefängnis und wenn dann sogar die eigenen Verwandten zur Gefahr werden, zeigt das alles andere als ein hoffnungsfrohes positives Bild der Zukunft.

Der Ausschnitt des heutigen Evangeliums stammt aus der sogenannten Endzeitrede Jesu und ist im Lukasevangelium unmittelbar vor seinem Leiden und Sterben eingebettet. Lukas hat diesen Abschnitt viele Jahre nach dem Leben Jesu aus dem Blickwinkel der bereits stattgefundenen Zerstörung Jerusalems und des Tempels sowie der Verfolgung der ersten Christen aufgeschrieben.

Heute, 2000 Jahre später, ist es im Grunde genommen gar nicht viel anders. Wenn wir täglich die Nachrichten hören oder online abrufen erscheinen die Schriftstellen aktueller denn je. Volk kämpft gegen Volk, Erdbeben, Seuchen, Hungersnöte. Trotz aller Aufgeklärtheit, technischen Hilfsmittel und modernen Möglichkeiten herrscht in vielen Teilen der Erde Krieg, Terror, Gewalt, Hunger, Leid, Not und Ausgrenzung von Bevölkerungsgruppen.

Ein noch nie dagewesenes allgemeines Aufrüsten auch in Europa und in Österreich, aufgeheizte Stimmung zwischen politischen Parteien und Bevölkerungsgruppen schüren Angst und Sorge um die Zukunft.

Und so manche Anführer und Parteien nutzen dieses triste Bild der Zukunft sehr geschickt, um einen Einfluss und Zuspruch der Bevölkerung zu erhalten. Und dabei geht es den vermeintlich auftretenden Rettern oft selbst nur um Macht um die eigenen Interessen durchsetzen zu können.

„Gebt acht, dass man euch nicht irreführt“ und „lauft ihnen nicht nach“, heißt auch heute die Antwort Jesu für uns. (Lk 21, 8)

Das Bild der Zukunft erscheint brutal, beängstigend und lebensfeindlich.

Doch bei aller Härte und Lebensfeindlichkeit geht es in der Kernbotschaft der heutigen Bibelstellen nicht um Angst und Sorge vor der Zukunft, sondern um die Zusage Gottes, dass er uns nicht allein lässt. Er gibt uns die Perspektive der Hoffnung.

Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Hoffnung auf die Sonne der Gerechtigkeit, wie in der Lesung angeklungen (Mal 3,20). Wie die Sonne ihre Strahlen auf die ganze Welt richtet, so soll gleichsam die Hoffnung auf Gerechtigkeit und Frieden auf die ganze Erde strahlen.

Es ist eine Hoffnung, die uns Mut gibt und uns aktiv werden lässt.

Am heutigen Welttag der Armen werden auch wir, wie damals das Volk Israel, ermahnt in rechter Weise zu leben und im Leid, der Angst und der Not der Mitmenschen verfügbar zu sein. Durch unseren respektvollen und menschlichen Umgang untereinander wird die Hoffnung Gottes erfahrbar. „Gott braucht uns nicht perfekt, sondern verfügbar“, hat der neu ernannte Wiener Erzbischof in seinem ersten Interview treffend gesagt.

Zahlreiche Heilige des Himmels geben uns dafür ein Beispiel.

Wie die Heilige Elisabeth von Thüringen sich vor 800 Jahren um die benachteiligten Menschen ihrer Zeit gekümmert hat, so kümmern sich auch heute viele Menschen in verschiedenen Organisationen oder auch allein, oft im Stillen und ohne Dank um ausgegrenzte, benachteiligte und arme Menschen.

Das ist der konkrete Auftrag aus dem Evangelium für dich und mich heute. Jede und jeder von uns kann durch seine oder Ihre Verfügbarkeit zur Hoffnungsträgerin / zum Hoffnungsträger für andere werden.

Sie fragen sich vielleicht was kann ich tun? Vielleicht erinnern Sie sich noch an die neuen Werke der Barmherzigkeit.

Du gehörst dazu. Ich höre dir zu. Ich rede gut über dich. Ich gehe ein Stück mit dir. Ich teile mit dir. Ich besuche dich. Ich bete für dich.

Es muss nichts Großes sein, das wir tun, ein Besuch, eine Einladung, eine kleine Aufmerksamkeit, eine Hilfe im Alltag, ein gutes Wort, einen Einkauf, einen Anruf, Verständnis füreinander, ein Essen, Mitnahme mit dem Auto oder eine finanzielle Unterstützung und so weiter. Die Liste könnte noch unendlich verlängert werden.

Das Bild der Zukunft erscheint auf den ersten Blick brutal, beängstigend und lebensfeindlich. Die Bibelstellen von heute wollen uns gleichsam wachrütteln und zeigen uns keine heile, perfekte Welt. Doch im Kern wird uns allen die Hoffnung mitgeben.

Unser konkreter Beitrag für eine hoffungsvolle und gerechte Welt, unser Beitrag zur Sonne der Gerechtigkeit, unsere Verfügbarkeit ist heute von dir und mir gefragt.

AMEN.

 

Lesung: Mal 3,19-20b

Evangelium: Lk 21, 5-19