Fr. 21.8.2026 Begräbnispredigt für Herrn Herbert Reiter (Pfarrer Hans Lagler)
Geschätzte Frau Reiter, Liebe Anni!
Liebe Frau Aigner, die Schwiegermutter von Herbert, sie sind jetzt ja über das Internet mit uns verbunden!
Herzlich grüße ich alle, die generell jetzt über youtube mitfeiern!
Geschätzte Trauerfamilie!
Liebe Verwandte, Patenkinder, Freunde, Bekannte, Nachbarn, Musikkollegen, Schulkameraden und Arbeitskollegen!
Liebe Mitglieder der Senioren von Wolfpassing, des Imkerverbandes von Steinakirchen und des Oldtimervereines von Zarnsdorf!
Geschätzte Ortsgemeinschaft von Etzerstetten!
Schwestern und Brüder in Christus!
Musik berührt uns alle in der Tiefe der Seele. Mehr als das gesprochene Wort erreichen nämlich Töne den Menschen in seinem Innersten. Aus diesem Grund erklingen zu den unterschiedlichsten Anlässen des Lebens die verschiedensten Instrumente, denn Gott hat in die Musik etwas Heilendes hineingelegt, so wie in die Kräuter der Natur.
Diese Erfahrung war für Herbert ganz ganz wichtig, denn er war ein großer Freund der Musik in ihrer Vielfalt; besonders die Volksmusik der Oberkrainer war ihm sehr vertraut.
Blicken wir auf seine bewegte Lebensgeschichte: Herbert wurde am 4. Juli 1961 in Waidhofen an der Ybbs geboren. Seine Eltern hießen Gertraud und Josef Reiter. Wenige Tage nach seiner Geburt erhielt er am 16. Juli 1961 in der Pfarrkirche Allhartsberg das Sakrament der Taufe. Er war der älteste von fünf Geschwistern.
Im Alter von rund acht Jahren hat er vom Großvater eine steirische Harmonika geschenkt bekommen. Schnell hatte er sich einige Stücke einstudiert und unterhielt gerne die Gäste und Verwandte. Viele Jahre spielte er auch Zugposaune bei der Trachtenmusikkapelle Allhartsberg.
Ein großer Tag seiner Kindheit war der 16. September 1973 denn da konnte seine Firmung gefeiert werden. Nach einer Lehre als Installateur war er viele Jahre bei den Österreichischen Bundesbahnen als Zugbegleiter beschäftigt.
Er lernte seine zukünftige Frau Anni kennen. Nun wurde Etzerstetten seine neue Heimat. 1997 konnte die standesamtliche Hochzeit gefeiert werden.
Durch seine Kontaktfreudigkeit und seine Liebe zur Musik ist er schnell bei uns im kleinen Erlauftal heimisch geworden.
So vergingen die Jahre und Jahrzehnte. Herbert war auch Mitglied des Imkervereines Steinakirchen und des Oldtimervereines von Zarnsdorf, denn er liebte alte Autos und Traktoren. Als Käseverkäufer war er weit und breit bekannt. Als ich vor einigen Wochen seiner hochbetagten Schwiegermutter die heilige Kommunion bringen durfte, schenkte er mir als Dank ein Stück Käse.
In den letzten Monaten wurde Herbert immer ruhiger. Nur mehr sehr selten nahm er seine Steirische in die Hand, weil ihn gesundheitliche Sorgen plagten. Nun ist er und im 66. Lebensjahr in die Ewigkeit vorausgegangen.
Das Evangelium für dieses Requiem erzählt uns die Bibel wie wichtig die Musik bei der Gestaltung eines Festes ist. In einem der bekanntesten Gleichnisse schildert Jesus wie Gott uns Menschen begegnet. Er beschreibt ihn als barmherzigen Vater, der auf die Rückkehr seines Sohnes wartet. Der jüngere Sohn verlässt sein Elternhaus und durch das Auszahlen des Erbteiles ist es ein Abschied für immer. Erst in der Fremde begreift er wie schön er es beim Vater hatte und er entscheidet sich zur Heimkehr. Sohn kann er nicht mehr sein, nur mehr ein Tagelöhner, also einer von vielen, die für die alltägliche Arbeit angeredet werden.
Als er heimkommt geschieht das Unerwartete: Der Vater läuft ihm entgegen, fällt ihm um den Hals, küsst ihn, kleidet ihn neu ein und steckt ihm einen Ring an die Hand. Er wird als Sohn und nicht als Tagelöhner begrüßt. Der Vater lässt zum Tanz aufspielen Diese lustigen Klänge erschrecken den älteren Sohn, der nicht verstehen kann, warum der Vater so handelt.
Der Vater kommt dem jüngeren Sohn mit offenen Armen entgegen. Ist das nicht auch ein Bild für den Himmel? Als Christen hoffen wir, dass Gott uns wie den jüngeren Sohn begrüßt und uns mit dem ewigen Leben beschenkt. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Herbert von Gott in seine Arme genommen wurde.
Beim Schlussgebet der heiligen Messe für Verstorbene heißt es, dass die Chöre der Engel die Seele eines Verstorbenen in der Ewigkeit begrüßen.
In stiller Trauer aber auch in großer Dankbarkeit nehmen wir heute Abschied von Herrn Herbert Reiter. Aufgrund seiner Liebe zur Musik in ihrer Vielfalt dürfen wir alle spüren: Gott hat in die Musik etwas Heilendes hineingelegt so wie in die Kräuter der Natur. Amen
Lesung: Jes 40, 6 – 8 Evangelium: Lk 15, 11 – 32

