Do. 25.12.2025 Wenn aus Weinnacht – eine Weihnacht wird (Pfarrer Hans Lagler)

Festlich versammelte Gottesdienstgemeinde!

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst!

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Nun ist es wieder da das Fest alle Feste – Weihnachten steht am Kalender. Diese Nacht, die durch die Geburt des Herrn im Stall von Bethlehem geweiht ist, berührt die Herzen der Menschen. Die Faszination dieser besonderen Tage strahlt in den Augen der Kinder.

 

Mit den Erfahrungen des Jahres 2025 gehen wir alle wieder zur Krippe. Für manche von uns sind die vergangenen zwölf Monate eine großartige Zeit gewesen. Vielleicht hat jemand heuer die Partnerin/den Partner fürs Leben gefunden, ist Papa oder Mama, Oma oder Opa geworden. Es wurden Lehrabschlussprüfungen gemeistert und erfolgreich Maturaarbeiten geschrieben oder runde Geburtstage gefeiert; all das lässt uns mit innerer Zuversicht zur Krippe gehen.

 

Leider gibt es auch das Gegenteil. Wie viele Menschen stehen heuer traurig vor dem Jesuskind, weil ein Platz am Tisch der Familie leer geworden ist, oder gesundheitliche Sorgen die Freude rauben.

 

Meiner Meinung nach ist beim Wort Weihnachten ist dieses stumme h so wichtig. Aber lassen wir es mal weg, dann entstehen Sichtweisen die uns mit der Realität des Lebens noch enger in Berührung bringen.

 

Für zahlreiche Personen ist die Weihnacht eine Weinnacht. Sie brauchen viele Taschentücher. Da wird auf einmal das Alleinsein zur Einsamkeit. Da werde ich an liebe Menschen erinnert, die gerade in diesen Tagen besonders fehlen. Die Trauer ist die Schwester der Liebe. Wenn heuer über ihre Wangen Tränen fließen, dann kann dies der Anfang der Heilung sein. Jesus ich bringe dir meine Sorgen. Sie sind sozusagen meine Geschenke an dich.

 

Für zahlreiche Personen ist die Weihnacht eine Weinnacht. Gluck Gluck. Wenn der religiöse Charakter des Festes immer mehr in den Hintergrund tritt, dann sind auf einmal andere Maßstäbe da. Natürlich sind an solchen Festtagen besondere Speisen wichtig, aber das gute Essen soll die Freude über die Geburt des Herrn ausdrücken und festigen. Wird Weihnachten nur auf ein besonderes feines Abendessen mit Bescherung reduziert, dann trocknet unsere Seele aus. Alkohol kann diesen Hunger nach wahrer Liebe und echter Wertschätzung nicht stillen.

 

Schon vor über 300 Jahren hat zu diesem Thema der Wiener Hofprediger Abraham a Santa Clara eine bewegende Predigt gehalten. Er verbindet das Lebensgefühl der Barockzeit mit der Feierkultur seiner Zeit und zeigt die Gegensätze auf. Ich darf ihn zitieren und zum Verständnis zuerst darauf hinweisen, dass bis 1969 das Fest des Apostels Thomas am 21. Dezember gefeiert wurde.

 

Stellen sie sich diesen Prediger vor, wie er von der Kanzel wettert:

+ Am Thomastag sollst du die Seiten Christi verehren, und du gehst lieber mit deinen Saufgesellen auf die Seiten.

+ Vor allem sollst du mit sonderen Eifer die Festtage der Geburt Christi zubringen, aber für dich wird die Weihnacht zur Weinnacht. Bei dir ist wahr wo man zu Pfingsten die Apostel bezichtigt, sie sind vom süssen Wein betrunken.

+ Am Fronleichnamstag gehst du Vormittag bei der Prozession mit und nachmittags prozessierst du mit dem Wirt wieviel Gläser du wirklich getrunken hast.

 

Ich liebe die barocke Sprache dieses Priesters und seinen deftigen Humor.

 

Weihnachten – wie würden Sie ganz ehrlich für sich diesen Begriff heuer schreiben? Ist es für Sie diese geweihte Nacht, in der Jesus zur Welt kommt? Ist es für Sie eine Weinnacht, weil Sie viele Sorgen quälen, die gerade jetzt ihr Herz traurig machen? Ist es für sie eine Weinnacht gluck gluck, wo nur Essen und Trinken wichtig sind, aber das gemeinsame Gebet und das Kind in der Krippe keinen Platz mehr haben?

 

Wenn wir die Botschaft des Evangeliums ernst nehmen, dann wird der Herr in diese unsere Welt hineingeboren. Seine verborgene Gegenwart macht jede Weinnacht der Taschentücher und jede gluck-gluck-Weinnacht zur wahren Weihnacht, denn Jesus ist immer bei uns bis zur Vollendung der Welt. Das Kind in der Krippe ist dafür ein wichtiger Hinweis. Amen

Lesung: Jes 52, 7 – 10 Evangelium: Lk 2, 15 -20

So. 21.12.2025 Glaubenszeugnis – 4. Adventsonntag (Veronika Prüller-Jagenteufel)

Haben Sie schon alle Weihnachtsgeschenke gekauft, verpackt, verschickt? Und alle Wunschzettel geschrieben? Welcher Typ sind Sie: Lassen Sie die anderen wissen, was sie sich wünschen? Oder werden Sie lieber überrascht? Das Wünschen ist ja nicht immer so einfach; da kann man sich fragen: Darf ich mich auf die Großzügigkeit eines anderen verlassen und einfach sagen, was ich gerne hätte? Oder ist das ungehörig, weil es den anderen unter Druck bringt? Und sollten die, die mich kennen, nicht eh schon von selber wissen, worüber ich mich freuen würde? Und vielleicht kennen Sie den Spruch: „Pass auf, was Du Dir wünscht – es könnte in Erfüllung gehen.“ Das ist so eine Aufforderung, sich ehrlich zu fragen: Was will ich wirklich – und ist das, was ich mir jetzt gerade wünsche, auch wirklich gut?

Auch in der heutigen Lesung ist es ums Wünschen bzw. Bitten und um ein Geschenk gegangen. Die Lesung war ja nicht so leicht zu verstehen, weil sie nur einen Ausschnitt aus einer längeren Geschichte bringt. Da war von einem König Ahas, dem König von Jerusalem, die Rede; und der darf sich von Gott etwas wünschen. Dieser König Ahas ist in einer schwierigen politischen Situation. Seine unmittelbaren Nachbarländer wollen ihn zu einer Koalition gegen die Bedrohung durch das mächtige Großreich Assur überreden; Ahas aber überlegt, dass er vielleicht besser davonkommt, wenn er sich mit dem König von Assur arrangiert und sich unter den Schutz dieses Großreiches stellt und seine eigenen Nachbarn im Stich lässt.

Gott bietet in dieser Situation Ahas ein Zeichen an – als Hilfe und Hinweis, wie er sich entscheiden soll. Ein solches Zeichen ist ein Geschenk; darum bitten zu dürfen, ist ein Privileg – das ist ja super, so eine Entscheidungshilfe anrufen zu dürfen; das wünschen wir uns ja auch manchmal: Bitte lieber Gott zeig mir, was ich tun soll … Aber Ahas lehnt ab! Er will nicht um dieses Zeichen bitten. Seine Ablehnung bringt er so vor, dass sie ganz fromm und bescheiden klingt: „Ich will Gott ja nicht unter Druck setzen.“ Aber eigentlich – das geht aus dem Gesamtzusammenhang der Geschichte klar hervor – eigentlich möchte Ahas gar nicht wissen, was Gott von ihm will. Denn er hat sich längst entschieden und spürt zugleich ziemlich genau, dass Gott seine Entscheidung nicht gutheißen wird und von ihm etwas anders gewollt hätte. Das will er nicht auch noch deutlich gesagt kriegen. König Ahas wendet sich also von Gott ab und dem Großreich Assur zu. Er weiß, dass das auch einen Abfall von Gott bedeutet, weil er mit dem Schutz des Großreiches auch dessen Religion übernehmen muss.

In der Lesung war das Aufseufzen Gottes zu hören, ein tiefer Seufzer über seinen untreuen König. Aber Gott bleibt seinem Volk treu und verlässt es nicht; vielmehr gibt er ihnen von sich aus ein Zeichen: Eine junge Frau, eine Jungfrau, wird einen Sohn gebären, der wird Immanuel heißen: Das bedeutet „Gott mit uns“. Ich höre da: Gott gibt seinem Volk für die Zukunft nach dem untreuen König eine neue Chance. Er fängt mit den Seinen wieder ganz neu an – schenkt aus einer Jungfrau heraus einen Hoffnungsträger – einen ganz neuen Anfang. Diese Verheißung sehen wir Christen und Christinnen in der Geburt von Jesus Christus erfüllt. Und so gilt diese Zusage auch für uns heute: Gott bleibt ein Gott mit uns. Egal, wie sehr wir uns verrannt haben. Er gibt uns immer wieder eine neue Chance.

Im Evangelium haben wir dann von Josef gehört; auch der ist in einer schwierigen Situation: Seine Verlobte ist schwanger und das nicht von ihm. Was soll er tun? In einem Traum erkennt er einen klaren Hinweis, worum es geht. Und Josef nimmt dieses Zeichen an und handelt danach. Josef hat ein gutes Gespür für das, was vor Gott recht und richtig ist, und er macht sein Herz auf. Der König Ahas hat auch gespürt, was Gott will, und sich hat sich trotzdem verweigert.

Ich denke, wir können uns aus diesen beiden Bibeltexten heute zweierlei Ermutigung mitnehmen: Erstens: den Mut, dem trauen, was wir in uns als tiefes Wissen in der Seele spüren. Oft ist es ja so, dass auch wir innerlich spüren, was in einer bestimmten Situation von uns gefordert wäre – und manchmal trauen wir uns nicht oder wollen einfach nicht darauf hören; manchmal kommt uns da Angst oder Bequemlichkeit oder Egoismus in die Quere. Und nicht immer sind die Zeichen, die wir spüren, so deutlich wie beim Josef, aber jedes Mal, wenn wir es wagen, dieser Stimme unseres Gewissens, der göttlichen Stimme in uns zu folgen, dann wird sie stärker und klarer. Und wir dürfen ihr vertrauen, denn sie führt uns jedenfalls auf einen guten Weg.

Und zweitens höre ich die Ermutigung, gut zu wünschen: Wir dürfen mit allen unseren Wünschen zu Gott kommen, gerade auch mit den großen Wünschen nach Frieden und nach Gerechtigkeit auf der Welt oder in der eigenen Familie oder der eigenen Seele. Vor allem dürfen wir ohne Scheu Gott immer wieder bitten um Zeichen der Wegweisung und der Orientierung in schwierigen Situationen. Gott seufzt nicht über unsere Wünsche und Bitten, sondern dann, wenn wir uns – oft wider besseres Wissen – von Gott abwenden und gar nicht mehr wissen und gar nicht mehr darüber nachdenken wollen, was vor Gott gut und recht wäre.

Und gut und recht ist, so glaub ich, immer: das Herz öffnen und auf den Gott vertrauen, der als schwaches Kind mitten unter uns ist und der uns besonders in allem Schwachen und Kleinen entgegenkommt. Und ich glaube, es gibt etwas, was dieser Gott sich von uns wünscht – zu Weihnachten und das ganze Jahr: nämlich dass wir ihm die Treue halten und wie der Hl. Josef einfach gütig und hilfsbereit sind.

 

Lesung: Jes 7,10-14

Evangelium: Mt 1,18-24

 

So. 14.12.2025 Elch Emil – Wort des Jahres; Freude – Wort des Tages (Pfarrer Hans Lagler)

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Mit einem Quiz möchte ich heute die Predigt beginnen: Welche weltbekannte Persönlichkeit hat heuer die Pfarre Steinakirchen besucht? War es eine berühmte Schauspielerin, welche die Kinosäle füllt oder ein Politiker, der oft in den Zeitungen zu sehen ist? Nein.

Wer könnte es gewesen sein? Hat wer schon eine Ahnung? Ich helfe ihnen. Es ist ein Tier mit vier Beinen. Richtig – der Elch Emil.

 

Er hat in Ochsenbach die Straße überquert und ist in aller Ruhe Richtung Sonntagberg weitermarschiert. Sein Name wurde zum Wort des Jahres 2025 in Österreich.

 

Nach diesem Wort des Jahres möchte ich sie am 3. Adventsonntag auf das Wort des Tages hinweisen. Es ist der großartige Begriff der Freude. Schon im Eröffnungsvers der heiligen Messe kommt er heute zwei Mal vor: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich euch freut euch, denn der Herr ist nahe.“ (Phil 4,4f.)

 

Diese Lebenshaltung klingt auch im Tagesgebet an … damit Weihnachten eine Zeit der Freude und der Zuversicht werde. In der Lesung aus dem Propheten Jesaja ist sogar drei Mal davon die Rede. Gerne erinnere ich an diese Bibelstellen: „Die Wüste und das trockene Land sollen sich freuen“ (Jes 35,1) Ewige Freude ruht auf ihren Häuptern. Wonne und Freude stellen sich ein, Kummer und Seufzer entfliehen (Jes 35, 10). Diese Freude wird sogar in der rosa Kerze am Adventkranz sichtbar dargestellt.

 

Diese Lebenshaltung der Freude darf nicht mit dem Begriff „Spaß“ verwechselt werden. Spaß ist kurzfristig und macht nur für wenige Augenblicke glücklich. Freude hingegen schenkt eine innere Erfüllung und stimmt uns für lange Zeit zuversichtlich.

Gerade die Wochen des Advents möchten die Freude in uns stärken und festigen. Diese Haltung stellt sich ein, wenn wir mit offenen Augen durch unseren Alltag gehen, denn aus der Kraft des Glaubens dürfen wir – ohne es zu ahnen – oft großes bewirken.

 

Johannes der Täufer ist heute auf der Suche nach dieser inneren Freude, welche der erwartete Messias bringen soll. Er schickt daher zwei seiner Jünger zu Jesus und lässt ihn klipp und klar fragen ob er der erwartete Hoffnungsbringer ist oder nicht. Der Herr sagt aber nicht ja oder nein, sondern er verweist auf diese Zeichen der Freude, welche sein verborgenes Wirken hervorruft: „Blinde sehen wieder, Lahme gehen, Aussätzige werden gesund, Taube hören, Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet.“ (Mt 11, 5)

 

Es wird auf diese Weise in großartigen Bildern erklärt, wie heilende Begegnungen unsere Mitmenschen aber auch uns selber positiv verändern. Die eine, welche für die Vielfalt der Natur blind geworden ist, lernt durch deine Einladung zu einer Wanderung die Schönheit der Ötschergräben zu genießen. Der andere den Sorgen ganz kraftlos und lahm machen, spürt durch dein einfühlsames Zuhören neuen Mut und wagt die ersten Schritte in Richtung Zukunft.

 

Elch Emil – der Stargast der vergangenen 12 Monate in unserer Pfarre hat es nochmals geschafft, dass alle über ihn reden. Sein Name wurde das Wort des Jahres.

 

Freude ist meiner Meinung nach das Wort des 3. Adventsonntages. Ich hoffe für dich und für mich dass dies nicht nur für heute, sondern für alle 365 Tage gilt. Freude beschreibt nämlich das Geschenk einer lebendigen Gottesbeziehung, die manche Sorge kleiner aussehen lässt. Aus diesem Grund hat der Apostel Paulus schon recht, wenn er uns heute zuruft: Freut euch im Herrn zu jeder Zeit. Amen

Lesung: Jes 35,1 – 6a Evangelium: Mt 11,2 – 11

 

Mo. 8.12.2025 Gott führt sein Volk auf dem Weg durch die Zeit (Pfarrer Hans Lagler)

Festlich versammelte Gottesdienstgemeinde!

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Heute vor genau 60 Jahren, also am 8. Dezember 1965, blickte die ganze Welt nach Rom. Mit einer feierlichen Messe ging an diesem Tag das Zweite Vatikanische Konzil zu Ende. 2400 Bischöfe aus allen Kontinenten nahmen an dieser Schlussveranstaltung teil.

 

Was war passiert? 1959 hatte der schon schwer kranke Papst Johannes XXIII angekündigt, dass er alle Bischöfe der Welt zu Besprechungen nach Rom einladen möchte. Die Behörden des Vatikans hatten schnell die Dokumente vorbereitet und man meinte in ein paar Wochen sei dieses Ereignis auch schon wieder vorüber.

 

Diese Versammlung begann mit einem gewaltigen Schock. Die Bischöfe der Weltkirche lehnten die vorbereiteten Papiere ab und verlangten eine Neufassung. Jetzt kam die Stunde der Theologen, denn jeder Bischof konnte sich zu diesen Beratungen einen Experten mitnehmen, der in Fragen des Glaubens neue Gedanken einbringen konnte.

 

Bei dieser Abschlussmesse am 8. Dezember 1965 wurden alle Beschlüsse veröffentlicht und es traten Neuerungen in Kraft, welche das kirchliche Leben vor Ort gewaltig verändern sollten.

 

Bis zu diesem Tag wurden beispielsweise alle heiligen Messen auf der ganzen Welt in lateinischer Sprache gefeiert. Nur die Lieder waren in der Volkssprache. Jetzt war es möglich alle Gottesdienste in der Landessprache zu feiern. Es mussten daher alle kirchlichen Bücher neu geschrieben werden. Mit 1. Adventsonntag 1969 war es dann so weit, dass dieser Beschluss Wirklichkeit wurde.

 

Ein weiterer Schritt war die Zusammenarbeit aller christlichen Kirchen. Die Einheit der Christenheit war ja durch die Jahrhunderte zerfallen. Katholische, evangelische oder orthodoxe Kirchen standen sich als Feinde gegenüber.

 

Bis dahin gab es in der katholischen Priesterausbildung einen Gegenstand der hieß: Kontroverstheologie. Man lehrte den Studenten immer den Unterschied zwischen den christlichen Gemeinschaften und betonte den Herrschaftsanspruch des Papstes in Rom über die ganze Christenheit. Auf einmal trat das ganze Gegenteil in Kraft: Diese sichtbare Einheit der gesamten Kirche ist nicht mehr der Papst sondern Jesus Christus selber. Auf ihn gilt es zu schauen und man betonte die Gemeinsamkeiten der Kirchen und die Gleichrangigkeit vor Gott.

 

Als sichtbares Zeichen wurde der Kirchenbann vom Jahr 1054 aufgehoben. Damals warfen sich der Papst in Rom und der Patriarch von Konstantinopel vor, dass der andere nicht mehr christlich denkt und sprachen sich gegenseitig den Glauben ab. Es kam zu einer Umarmung von Papst Paul VI mit dem höchsten Vertreter der Patriarchen und viele Bischöfe weinten bei diesem historischen Moment.

 

Papst Paul VI stellte sich unerwartet mit einem kostbaren Geschenk ein. Er übergab die Kopfreliquie des heiligen Apostels Andreas. Sie wurde bei einem Kreuzzug im Mittelalter gestohlen und nach Rom mitgenommen. Der Heilige Vater gab sie nach 800 Jahren wieder zurück. Wie sich der Papst in Rom nämlich als Nachfolger des Apostel Petrus bezeichnet, so hat der Patriarch von Konstantinopel den Apostel Andreas als seinen Ausgangspunkt. Diese Kopfreliquie war dafür das sichtbare Zeichen und kam wieder zurück. Jetzt weinten die Bischöfe der Ostkirchen.

 

Aber auch auf mit dem Blick auf Welt gab es eine große Veränderung. Bis dahin war es das Bestreben, dass ein katholischer Christ mit der modernen Welt nicht in Berührung kommen durfte, denn überall lauerte die Sünde. Auch hier kam es zu einer Kehrwende. Einer der wichtigsten Sätze dieser bischöflichen Versammlung lautet: Freude

und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi!“

 

Heute durfte ich mit Ihnen einen kleinen Ausflug in die Kirchengeschichte machen, denn vor genau 60 Jahren am Hochfest Maria Empfängnis am 8. Dezember 1965 ging das Zweite Vatikanische Konzil zu Ende. Zahlreiche Beschlüsse sind wegweisend und stellen dankbar fest, dass Gott selber es ist, der sein Volk auf dem Weg durch die Zeit führt. Amen

Lesung: Eph 1, 3 – 6 Evangelium: Lk 1, 26 – 38

 

So. 16.11.2025 Gott schenkt uns Hoffnung – Elisabethsonntag (Alfred Kaltenbrunner)

Liebe Gottesdienstgemeinde!

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Ganz ehrlich, woran haben Sie gerade gedacht, als Sie die heutigen Schriftstellen gehört haben? Das ist schon eine harte Kost, die uns heute zugemutet wird.

Das Bild der Zukunft ist brutal, beängstigend und lebensfeindlich.

In der Lesung aus dem Buch Maleachi, geschrieben vor rund 2500 Jahren, wird vom vernichtenden Feuer gesprochen und das Evangelium legt sozusagen noch eins drauf. Die Welt zur Zeit Jesu versinkt ja regelrecht in Chaos, Zerstörung, Krieg, Not und Angst. Volk wird sich gegen Volk erheben und es wird gewaltige Erdbeben, Seuchen und Hungersnöte geben. Da ist die Rede von Hand angelegen, Verfolgung und Gefängnis und wenn dann sogar die eigenen Verwandten zur Gefahr werden, zeigt das alles andere als ein hoffnungsfrohes positives Bild der Zukunft.

Der Ausschnitt des heutigen Evangeliums stammt aus der sogenannten Endzeitrede Jesu und ist im Lukasevangelium unmittelbar vor seinem Leiden und Sterben eingebettet. Lukas hat diesen Abschnitt viele Jahre nach dem Leben Jesu aus dem Blickwinkel der bereits stattgefundenen Zerstörung Jerusalems und des Tempels sowie der Verfolgung der ersten Christen aufgeschrieben.

Heute, 2000 Jahre später, ist es im Grunde genommen gar nicht viel anders. Wenn wir täglich die Nachrichten hören oder online abrufen erscheinen die Schriftstellen aktueller denn je. Volk kämpft gegen Volk, Erdbeben, Seuchen, Hungersnöte. Trotz aller Aufgeklärtheit, technischen Hilfsmittel und modernen Möglichkeiten herrscht in vielen Teilen der Erde Krieg, Terror, Gewalt, Hunger, Leid, Not und Ausgrenzung von Bevölkerungsgruppen.

Ein noch nie dagewesenes allgemeines Aufrüsten auch in Europa und in Österreich, aufgeheizte Stimmung zwischen politischen Parteien und Bevölkerungsgruppen schüren Angst und Sorge um die Zukunft.

Und so manche Anführer und Parteien nutzen dieses triste Bild der Zukunft sehr geschickt, um einen Einfluss und Zuspruch der Bevölkerung zu erhalten. Und dabei geht es den vermeintlich auftretenden Rettern oft selbst nur um Macht um die eigenen Interessen durchsetzen zu können.

„Gebt acht, dass man euch nicht irreführt“ und „lauft ihnen nicht nach“, heißt auch heute die Antwort Jesu für uns. (Lk 21, 8)

Das Bild der Zukunft erscheint brutal, beängstigend und lebensfeindlich.

Doch bei aller Härte und Lebensfeindlichkeit geht es in der Kernbotschaft der heutigen Bibelstellen nicht um Angst und Sorge vor der Zukunft, sondern um die Zusage Gottes, dass er uns nicht allein lässt. Er gibt uns die Perspektive der Hoffnung.

Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Hoffnung auf die Sonne der Gerechtigkeit, wie in der Lesung angeklungen (Mal 3,20). Wie die Sonne ihre Strahlen auf die ganze Welt richtet, so soll gleichsam die Hoffnung auf Gerechtigkeit und Frieden auf die ganze Erde strahlen.

Es ist eine Hoffnung, die uns Mut gibt und uns aktiv werden lässt.

Am heutigen Welttag der Armen werden auch wir, wie damals das Volk Israel, ermahnt in rechter Weise zu leben und im Leid, der Angst und der Not der Mitmenschen verfügbar zu sein. Durch unseren respektvollen und menschlichen Umgang untereinander wird die Hoffnung Gottes erfahrbar. „Gott braucht uns nicht perfekt, sondern verfügbar“, hat der neu ernannte Wiener Erzbischof in seinem ersten Interview treffend gesagt.

Zahlreiche Heilige des Himmels geben uns dafür ein Beispiel.

Wie die Heilige Elisabeth von Thüringen sich vor 800 Jahren um die benachteiligten Menschen ihrer Zeit gekümmert hat, so kümmern sich auch heute viele Menschen in verschiedenen Organisationen oder auch allein, oft im Stillen und ohne Dank um ausgegrenzte, benachteiligte und arme Menschen.

Das ist der konkrete Auftrag aus dem Evangelium für dich und mich heute. Jede und jeder von uns kann durch seine oder Ihre Verfügbarkeit zur Hoffnungsträgerin / zum Hoffnungsträger für andere werden.

Sie fragen sich vielleicht was kann ich tun? Vielleicht erinnern Sie sich noch an die neuen Werke der Barmherzigkeit.

Du gehörst dazu. Ich höre dir zu. Ich rede gut über dich. Ich gehe ein Stück mit dir. Ich teile mit dir. Ich besuche dich. Ich bete für dich.

Es muss nichts Großes sein, das wir tun, ein Besuch, eine Einladung, eine kleine Aufmerksamkeit, eine Hilfe im Alltag, ein gutes Wort, einen Einkauf, einen Anruf, Verständnis füreinander, ein Essen, Mitnahme mit dem Auto oder eine finanzielle Unterstützung und so weiter. Die Liste könnte noch unendlich verlängert werden.

Das Bild der Zukunft erscheint auf den ersten Blick brutal, beängstigend und lebensfeindlich. Die Bibelstellen von heute wollen uns gleichsam wachrütteln und zeigen uns keine heile, perfekte Welt. Doch im Kern wird uns allen die Hoffnung mitgeben.

Unser konkreter Beitrag für eine hoffungsvolle und gerechte Welt, unser Beitrag zur Sonne der Gerechtigkeit, unsere Verfügbarkeit ist heute von dir und mir gefragt.

AMEN.

 

Lesung: Mal 3,19-20b

Evangelium: Lk 21, 5-19

So. 9.11.2025 Gedanken, Vorstellung von Kaplan Renjith (Margarete Strauß)

Liebe versammelte Pfarrgemeinde in Christus!

 

Ich sah, wie vom Tempel Wasser hervor strömte, und alle, zu denen das Wasser kam, wurden gerettet

Der Lesungstext formuliert eine Hoffnung. Durch das Wasser quillt neues Leben hervor, ergießt sich in alle Richtungen.

Lieber Kaplan Renjith: der Lesungstext des heutigen Tages könnte nicht besser für deine Feier des 40. Geburtstages sein, den du am 6. November hattest! Herzlichen Glückwunsch!

Du hast uns ja versprochen, dich vorzustellen…du bist nun schon 10 Wochen bei uns in Steinakirchen, aber wir wissen noch sehr wenig von dir. Wenn man einem Menschen begegnet, so möchte man gerne viel über ihn wissen. Nicht nur ich, sondern auch wir als Pfarrgemeinde von Steinakirchen deshalb möchten wir dein Heimatland Indien, deine Familie und deinen Lebensweg als Priester kennenlernen.

Wir werden ein Frage Antwort Interview durchführen.

 

Fragen an Kaplan Renjith

BILD von Indien Landkarte zeigen

Frage – aus welchem Teil von Indiens kommst du?

Ich komme aus dem südwestlichen Teil von Indien, er heißt Kerala ist 39.000 km“ groß und hat 36 Millionen Einwohner. In Indien gibt es gesamt ca. 1,5 Milliarden Einwohner, die in 28 Bundesstaaten leben.

Meine Muttersprache ist Malayalam, in Kerala gibt es 8 Sprachen.

Die Amtssprache in Indien ist Englisch, es gibt 22 offizielle Sprachen und

120 regionale Sprachen

 

Frage – Indien war eine Kolonie von Großbritanien bis 1947 – was ist geblieben von dem Kronjuwel des britischen Empire?

Das Bildungssystem, Technische Betriebe, Demokratie, die Gesetzgebung,

Bahnstrecken, der Linksverkehr und viele Brücken

Grete – wir hätten wahrscheinlich mit dem Linksfahren und der Sprache große Probleme…

Frage – Indien ist das Land, mit den meisten Einwohnern, 1, 5 Milliarden und hat China im April 2023 überholt – welche Probleme ergeben sich daraus?

Die Landwirtschaft wird von vielen Menschen betrieben, jedoch das Einkommen reicht oft nicht aus.

 

frage – wir wissen, dass in Indien das Kastenleben offiziell nicht mehr gelebt wird… stimmt das?

Das Kastensystem wird noch bei den Hindus gelebt, es existiert aber noch immer in den Köpfen der Menschen

 

frage – wieviele Religionen gibt es in Indien?

Es gibt viele Religionen, die größte ist Hinduismus, Islam, Christentum und Sikhismus, Buddhismus

Es gibt 23. Millionen Katholiken, ca. 1,6 % von 1,4 Milliarden Menschen

Grete – das heißt, Österreich hat ca. 9 Millionen Einwohner so ergibt sich daraus, das sind nicht ganz 3 x soviele Katholiken wie Österreich Einwohner hat.

 

BILD von der Familie

Frage – wir haben noch nicht deine Familie kennengelernt-

Meine Familie besteht aus 7 Personen.

Meiner Mutter, sie wohnt alleine und ist 66 Jahre.

Mein Vater ist am 23. 9. 2012 verstorben mit 56 Jahren.

Ich habe nur 1 Bruder, er ist 42 Jahre alt, er ist verheiratet und hat 3 Kinder , 2 Söhne und 1 Tochter, er arbeitet in Amerika als Informatiker. Seine Frau ist Kinderärztin

 

 

BILD von Pfarre

Frage – Wann hattest du deine Priesterweihe und

in wie vielen Pfarren warst du als Priester tätig?

Meine Priesterweihe erhielt ich am 29.12. 2012.

Ich war in 5 Pfarren als Kaplan tätig und betreute als Pfarrer 4 Pfarreien. In Indien arbeiten Priester maximal 5 Jahre in einer Pfarre.

Mein Bischof hat es entschieden, dass ich nach Österreich gehen muss, ich bin Priester der Erzdiözese Tellicherry

Frage – ist dir diese Entscheidung schwer gefallen, warum?

Die Entscheidung ist mir schwer gefallen, da meine Mutter alleine zu Hause lebt.

 

Frage – Du bist jetzt 10 Wochen bei uns in Steinakirchen – was vermisst du in Österreich ?

Ich vermisse meine Familie, meine Freunde, die Kultur. Ich liebe meine Heimat Indien. Wir hatten am Sonntag in Indien 5 Messen über den Tag

verteilt, sie waren immer voll besetzt, das vermisse ich in Österreich. Die erste Messe war um 5.30 in der Früh.

Grete – so zeitig in der Früh, die erste Messe zu besuchen, würde uns sehr schwer fallen und voll besetzt Kirchen gibt es nur mehr an den großen Feiertagen.

 

frage – welche Bitte hast du an uns, als Pfarrgemeinde in Steinakirchen?

Ich bitte sie, haben sie Verständnis, mit mir in dieser Zeit des Deutsch lernens, nicht Dialekt zu sprechen, ich verstehe sie sonst nicht. Ich muss erst Deutsch lernen und dann den Dialekt.

Grete – bitte bedenken sie, dass sie Mostviertlerisch nicht in dieser Zeit mit Kaplan Renjith sprechen.

 

frage – was wünscht du dir in dieser Zeit ?

Dass ich besser Deutsch lerne und die Kultur kennen lerne.

 

Grete – eine Frage möchte ich dir noch stellen: wie feiert man in Indien einen Geburtstag?

Es wird ein gutes Essen mit Reis gekocht, eine Torte zubereitet und happy birthday gesungen

 

BILD Medjugore

Du hast ja ein Geschenk des Pfarrteams bekommen: eine Reise nach Medjugore, ein Bild davon dürfen wir nun sehen.

 

Lieber Kaplan Renjith, ich durfte dich als einen liebenswürdigen Menschen kennenlernen und wünsche dir, dass durch dich, wie in der Lesung beschrieben, lebendiges Wasser herausströme. In einem Lobpreis heißt eine Stelle:

du hast uns Jesus geschenkt, dass er uns begleite und beschützt. Gottes Segen auf deinem Lebensweg, darf ich im Namen der Pfarrgemeinde wünschen und darf dir als Geschenk eine Torte überreichen.

Sa. 26.10.2025 Nationalfeiertag – So wahr mir Gott helfe! (Pfarrer Hans Lagler)

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Vor einigen Wochen wurde in unserem Bundesland Niederösterreich ein neuer Landesrat angelobt. Bei diesem wichtigen politischen Termin ließ mich ein kleines aber wichtiges Wort aufhorchen:

Der Politiker aus dem Mostviertel beendete seine Gelöbnisformel mit der leider viel zu seltenen verwendeten Formulierung „so wahr mir Gott helfe“.

 

Mit dem Beistand des Himmels eine neue Aufgabe zu beginnen ist im Grunde eine uralte Erfahrung. Dies klingt in der Bibel sehr oft an und lässt uns mit jeder Art von Verantwortung sorgsam umgehen. „Der Herr hat euch die Herrschaft übertragen, er, der eure Taten prüft und eure Pläne durchforscht, heißt es im Buch der Weisheit. (Weish 6,3)

 

Wenn Jesus große Entscheidungen treffen musste, hat er sich immer wieder vorher an Orten der Stille zurückgezogen. Nach solchen besinnlichen Zeiten des Gebetes konnte er beispielsweise aus dem Kreis der vielen Jünger die 12 Apostel auswählen. (Lk 6,12)

 

Gut überlegt, heißt aber nicht perfekt zu sein, doch in diesem Augenblick war die Entscheidung richtig. Der Herr hat sich auch einen Judas Iskariot ausgesucht, einen Mann der ihn später verraten sollte. Es kann sich Jahrzehnte später der Beschluss einer ganzen Regierung als falsch herausstellen, aber im Augenblick von damals war es vielleicht die einzig richtige Entscheidung.

 

Lassen sich mich dies mit einer Notiz aus dem Protokollbuch des Steinakirchner Pfarrkirchenrates näher darstellen. Um die Pfarre besser zu verstehen, habe ich mir im Laufe der Jahre alle Beschlüsse durchgelesen. Da wird vor einigen Jahrzehnten die Anschaffung eines in anderen Pfarren schon üblichen Sargwagens für Begräbnisse ablehnt. Die Begründung: Die Pfarrangehörigen sollen auch in Zukunft wie seit Jahrhunderten auf den Schultern der Träger zum Gottesacker gebracht werden. Heutzutage ist ein Sargwagen selbstverständlich. Übrigens manche Sargträger wünschen sich da einen Wagen mit Elektromotor da der Haberg für einige immer höher wird.

In der Lesung für den heutigen Sonntag erhalten wir Einblick in das Seelenleben des Apostels Paulus. Er schreibt an seinen Schüler Timotheus einen berührenden Brief. Der Völkerapostel vertraute auf dieses „so wir Gott helfe“, denn er hatte mit seinen Freunden und Vertrauen eine bittere Erfahrung gemacht. „Bei meiner ersten Verteidigung ist niemand für mich eingetreten, alle haben mich in Stich gelassen. (2 Tim 4, 16), aber der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft.“

 

Ich denke für alle Verantwortungsträger/Innen ist es wichtig auf die Gottesbeziehung zu achten, gerade wenn man um Entscheidungen ringen muss. Dies ist der Mehrwert des Glaubens. Wurde bei einer Sitzung ein Beschluss gefasst, kann es sein, dass bei einem späteren Misserfolg die Obfrau/der Obmann alleine dasteht. Da tut es gut wenn man Gott sein Leid klagen kann. Eine lebendige Gottesbeziehung bewahrt generell in guten Zeiten vor Überheblichkeit und gibt die Kraft bei Stürmen leichter durchzuhalten.

 

Jesus macht uns heute auf eine zeitlose Erfahrung aufmerksam. Da gibt es Leuten, die alles besser wissen. Sie sind von ihren eigenen Maßstäben überzeugt und verachten dadurch die anderen. Der Messias hat die verblüffende Fähigkeit den Ernst der Lage sofort zu durchschauen. Er stellt die Menschen aber nicht an den Pranger, sondern gibt ihnen mit einer von ihm von einer Sekunde auf die andere erfundenen Geschichte, die Möglichkeit über sich nachzudenken.

 

Da begegnen uns ein Pharisäer und ein Zöllner. Jesus schildert die Gebete der beiden Männer, die einen großen Unterschied aufweisen. Der eine sieht nur sich selber und der andere richtet seine Hoffnung auf Gott. (Lk 18, 9 – 14)

 

Mit dem Beistand Gottes seine Arbeit zu tun, ist für mich ein Stück Lebensqualität. Diese Sichtweise ermöglicht mir Gott für manche Erfolge zu danken und zugleich Misserfolge leichter zu verkraften, weil ich sie ihm Gebet anvertraue mich so davon löse.

 

Gehen wir unseren Weg weiter und stellen wir unsere Talente unserem Land zur Verfügung. Sie und ich dürfen dies tun, so wahr mir Gott helfe. Amen.

 

Lesung: 2 Tim 4, 6 – 8. 16-18 Evangelium: Lk 18, 9-14

 

So. 5.10.2025 Gott feiern an diesem Tag (Pfarrer Hans Lagler)

Festlich versammelte Gottesdienstgemeinde!

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Einer der berühmtesten Künstler der Menschheit wurde vor genau 550 Jahren geboren. Die Rede ist vom Italiener Michaelangelo Bounarotti. Sollte dieser Namen vielleicht jemand unbekannt sein, dann möchte ich Sie gerne darauf hinweisen, dass Sie sicherlich einige seiner Werke kennen.

 

Als Mann im reifen Lebensalter wurde er mit der Ausmalung der Sixtischen Kapelle beauftragt. Es galt 500 Quadratmeter mit Bildern aus dem Alten Testament zu gestalten. Die bekannteste Darstellung hat sogar im Gotteslob Platz gefunden.

 

Es geht um die Schöpfung des Menschen. Der Finger von Gott Vater und des Adam berühren sich fast. Es wird damit eine Grundhaltung des Menschen beschrieben. Wir sind eingeladen nach dem Geheimnis Gottes Ausschau zu halten. Mit der Zeit kann es vorkommen, dass wir Menschen unseren Zeigefinger woanders hinhalten. Der Finger Gottes bleibt aber immer liebevoll auf uns Menschen gerichtet.

 

Diese Gefahr der Nachlässigkeit und der Trägheit beschreibt heute der Apostel Paulus in einem Brief an seinen Schüler Timotheus. Er hat sich voll Eifer um das Evangelium bemüht, aber dann wird er doch mit der Zeit träge und mutlos. Sein Zeigefinger, der auf Gott ausgerichtet war, sinkt zu Boden. Aus diesem Grund ermutigt ihn sein Lehrmeister: Entfache in dir die Gnade Gottes wieder, denn Gott hat die nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Liebe, der Kraft und der Besonnenheit. (2 Tim 1,6 ff)

 

 

Gleichen Sie und ich nicht immer wieder diesem Schüler Timotheus? Sehr oft ist die Gefahr da, den Blick auf Gott und den Nächsten zu verlieren und nur mehr sich selbst zu sehen. Aus diesem Grund hat

sich der Pfarrgemeinderat für uns alle ein großartiges Jahresthema einfallen lassen. Es heißt: „Gott feiern“.

 

Es ist damit gemeint, dass wir wieder neu nach dem Geheimnis Gottes Ausschau halten in der Vielfalt der Möglichkeiten. Der bewusste Empfang der Sakramente der Kirche, das persönliche Gebet und die Sorge um Menschen in Not helfen uns dabei Gott zu feiern.

 

Beim Thema „Gott feiern“ gilt es gerade unsere Kirchenmusik in den Mittelpunkt zu stellen. Die Vielfalt der Einzelpersonen, der verschiedenen Gruppen und Chöre, die im Laufe eines Jahres bei uns musizieren ist für mich immer ein Erlebnis und hilft uns alle Gott zu feiern.

 

Unser Kirchenchor hat dafür ein besonders Lied: Es heißt vom Text her: Kommt kommt ihre Freunde, komm allherbei. Hebt eure Stimme so gut es jeder mag, zu feiern zu feiern Gott an diesem Tag.

 

Dieses Jahresthema „Gott feiern“ möge uns die Kraft geben unseren Zeigefinger wieder neu auf Gott auszurichten, damit wir zugleich aus dieser Glaubenshaltung heilend helfend auf die Nöte und Sorgen der Welt hinweisen können.

 

Dieser Dienst an den Menschen ist mühsam und geschieht vielfach ohne Dank und Anerkennungsurkunde. Eine solche Erfahrung macht uns aber zugleich unabhängig vom Lob oder der Kritik der Mitmenschen. Das ist auch ein wichtiger Hintergrund für das Thema „Gott feiern“, wo wir unseren Zeigefinger und damit unser Leben neu auf Gott orientieren.

 

Jesus hat recht wenn er über diesen wichtigen Auftrag, der uns allen anvertraut ist ganz nüchtern sagt: Wir sind nur unnütze Knechte und Mägde. Wir haben nur unsere Schuldigkeit getan. (Lk 17, 10) Amen

 

Lesung: 2 Tim 1,6-8.13-14 Evangelium: Lk 17, 5- 10

So. 28.09.2025 26.Sonntag im Jahreskreis (Hemma Putschögl, PAss)

Die heutigen Bibeltexte sind herausfordernd.

Es ist selten, dass wir etwas aus dem Buch Amos hören. Amos war ein Prophet, der von Gott berufen und zu den Reichen und Mächtigen Israels gesandt wurde, um diese auf ihre soziale Ungerechtigkeit und religiöse Heucheleien hinzuweisen bzw. sie dafür zu verurteilen. Er lebte im 8. Jahrhundert vor Christus im Nordreich – damals, unter dem König Jerobeam II., erlebte das Nordreich Israel eine Blütezeit. Es hat sich ein Wohlstand entwickelt. Wohlstand heißt da aber wie so oft: Eine Oberschicht aus politischen und religiösen Führern und ihren Freunden konnten sich bereichern und in Luxus leben, indem sie sich mit dem König gut stellten. Die gewöhnlichen Bürgerinnen und Bürger wurden aber ausgebeutet, verarmten und die Landbevölkerung wurde teilweise versklavt. Also ein Wohlstand auf Kosten der anderen. Amos kritisiert diese Reichen und den Umgang mit ihrem Wohlstand, wie wir heute gehört haben.

Wer bei Lesung und Evangelium aufmerksam zugehört hat, hat vielleicht gemerkt, dass die beiden Texte das gleiche Thema beinhalten. Kritik an den Reichen, an denen, die in Reichtum leben und keinen Blick für den Rest der Welt haben.

Jesus erzählt ein Gleichnis. Lazarus lag vor der Tür des Reichen – es gab also so gut wie keine räumliche Distanz zwischen den beiden. Aber die Welten dieser beiden Menschen sind so weit voneinander entfernt. Der eine lebt in Prunk und Luxus, abgesichert und abgeschottet von der Welt um ihn herum (heute würde man dazu sagen: er lebt ihn seiner Bubble – seiner „Blase“ – und nimmt das, was rund um ihn passiert nicht wahr bzw. lässt es nicht an sich heran). Lazarus hingegen leidet, er ist krank, wird verachtet, kann seinen Hunger nicht einmal mit den Essensresten stillen. Er wird nicht gesehen und er stirbt. Einsam, hilflos.

Das Gleichnis setzt eine Grenze, die keine Brücke mehr kennt: den Tod. Die Rollen werden getauscht, Lazarus wird gesehen, er wird getröstet und liegt in Abrahams Schoß. Der Reiche hingegen leidet qualvoll. Hier auf der Welt ist es möglich, Brücken zu bauen. Es ist möglich, die eigene Bubble zu verlassen, hinauszuschauen, wer uns umgibt und auf die Sorgen und Nöte der Menschen zu reagieren. Aber es ist unsere Entscheidung. Von jeder und jedem ganz persönlich. Und eine Entscheidung, die ich immer wieder treffen muss. Natürlich ist es wesentlich bequemer in meiner Bubble zu bleiben.

Sind wir bereit, Brücken zu bauen? Das ist anstrengend, kostet Kraft und braucht Mut. Wir dürfen daran glauben, dass uns Gott dazu befähigt. Er gibt Kraft, Ohren, Augen und Hände. Für kleine und große Schritte. Niemand von uns kann die ganze Welt retten. Wir können sehr wohl schauen, wer an unserer Türschwelle sitzt und es braucht, gesehen zu werden.

Mit einem Gedanken aus der Schott Tagesliturgie für den heutigen Tag möchte ich abschließen:

Es ist nicht nur die Armut der Armen, die allen Reichtum fragwürdig macht. Und die Gefahr, in der der Reiche lebt, besteht nicht eigentlich darin, seinen Reichtum zu verlieren, sondern ihn zu behalten, weil der Reiche nichts anderes mehr sehen kann als seinen Reichtum. Die Gefahr ist, dass für den Reichtum Gottes, für seine Liebe und seinen Trost, im Leben des Reichen kein Raum mehr ist.

 

Lesung: Amos 6, 1a.4–7

Evangelium: Lukas 16, 19–31

So. 7.9.2025 Glaube ist Beziehung (Pfarrer Hans Lagler)

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Die christliche Sicht auf das Geheimnis Gottes lässt sich mit drei Wörtern zusammenfassen: Glaube ist Beziehung. Was meine ich damit? Es gilt mit Herz und Verstand die Gegenwart des Schöpfers des Himmels und der Erde zu erkennen und auf seine Liebe zu antworten.

 

Mit dem 1. September haben die christlichen Kirchen den Schöpfungsmonat begonnen. Diese Zeit reicht bis zum Gedenktag des heiligen Franz von Assisi. Es soll uns in dieser Zeit wieder neu bewusst werden, dass gerade im Geheimnis der Natur die Gegenwart Gottes erfahren werden kann. Gott drängt sich dabei nicht auf sondern er wartet, bis wir die Augen unseres Herzens öffnen. Da steht man dann in aller Stille am Hochkogel oder beim Gipfelkreuz des Ötschers und fragt sich wie es heute im Buch der Weisheit steht: Welcher Mensch kann Gottes plan erkennen? (Weish 9, 13)

 

Nutzen Sie bitte den Herbst um Wanderungen zu machen und dabei zu staunen. Unsere herrliche Mostviertler Landschaft lädt herzlich dazu ein. Haben sie auch Liedtexte mit: Auf einem Berggipfel „Großer Gott wir loben dich zu singen“ oder „Du großer Gott wenn ich die Welt betrachte“ berührt jedes Herz.

 

Glaube ist Beziehung. Der Schöpfer des Himmels und der Erde hat es uns leicht gemacht, seine Botschaft zu verstehen. In seinem Sohn Jesus Christus ist er uns nämlich ganz nahe gekommen.

 

Auf meinem Schreibtisch liegt derzeit ein Jesusbild, das mir sehr wichtig ist. Es zeigt den Herrn wie er voller Wertschätzung einen jungen Mann umarmt. Diese Zuneigung bringt er uns allen entgegen und wir sind eingeladen auf seine Nähe zu antworten. Gerne gebe ich dieses Bild durch die Reihen und es liegen auch einige Kopien bei den Kirchenausgängen auf, damit sie es mitnehmen können.

 

Diese Zuneigung ist nicht selbstverständlich. Der Messias möchte durch sein Evangelium und die sieben Sakramente eine Beziehung zu uns aufbauen und uns so seine Nähe erfahren lassen. Bin ich dazu überhaupt bereit mit ihm in Verbindung zu treten ohne dass dies mir vor anderen Leuten peinlich ist?

 

Es gilt daher gerade in guten Zeiten die Nähe des Herrn zu suchen und mit ihm verbunden zu sein. Mit ihm vertraut zu sein ist deshalb so wichtig, weil oft von einer Sekunde auf die andere Momente in unserem Leben hereinbrechen, die uns die Geschehen der Karwoche am eigenen Leib spüren lassen. Dies deutet Jesus an wenn er zu uns sagt: Wer sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann mein Jünger sein. (Lk 14, 26)

 

Die heilige Messe beginnt mit einem Ruf der aus der frühen Kirche stammt. Herr erbarme dich. Dieser Gedanke erinnert uns eigentlich an eine Epoche wo man andauernd um die Gnade des Königs flehen musste. Dies entspricht aber nicht dem biblischen Gottesbild.

 

Ein Priesterkollege verwendet daher immer wieder die Bitte an Jesus: Herr umarme mich, Christus umarme mich. Herr umarme mich. Ich werde in Zukunft die diese Worte immer wieder am Beginn der heiligen Messe verwenden.

 

Wenn wir mitsammen Gottesdienst feiern, kommen wir zu Jesus, mit dem was uns bewegt. Gerade wenn uns die Beziehung zu ihm wichtig ist, dann bitten wir ihn Herr umarme mich, wenn ich Sorgen habe, wenn ich traurig bin oder auch mein Glück mit dir teilen möchte.

 

Glaube ist Beziehung. Auf die Schöpfermacht Gottes gilt es zu antworten durch das Staunen über die Schönheit der Natur.

Glaube ist Beziehung. Jesus kommt dir voll Liebe entgegen und möchte dich umarmen. Dieses schöne Bild zeigt es dir. Amen

Lesung: Weish 9, 13 – 19 Evangelium: Lk 14, 25 – 33