So. 28.09.2025 26.Sonntag im Jahreskreis (Hemma Putschögl, PAss)

Die heutigen Bibeltexte sind herausfordernd.

Es ist selten, dass wir etwas aus dem Buch Amos hören. Amos war ein Prophet, der von Gott berufen und zu den Reichen und Mächtigen Israels gesandt wurde, um diese auf ihre soziale Ungerechtigkeit und religiöse Heucheleien hinzuweisen bzw. sie dafür zu verurteilen. Er lebte im 8. Jahrhundert vor Christus im Nordreich – damals, unter dem König Jerobeam II., erlebte das Nordreich Israel eine Blütezeit. Es hat sich ein Wohlstand entwickelt. Wohlstand heißt da aber wie so oft: Eine Oberschicht aus politischen und religiösen Führern und ihren Freunden konnten sich bereichern und in Luxus leben, indem sie sich mit dem König gut stellten. Die gewöhnlichen Bürgerinnen und Bürger wurden aber ausgebeutet, verarmten und die Landbevölkerung wurde teilweise versklavt. Also ein Wohlstand auf Kosten der anderen. Amos kritisiert diese Reichen und den Umgang mit ihrem Wohlstand, wie wir heute gehört haben.

Wer bei Lesung und Evangelium aufmerksam zugehört hat, hat vielleicht gemerkt, dass die beiden Texte das gleiche Thema beinhalten. Kritik an den Reichen, an denen, die in Reichtum leben und keinen Blick für den Rest der Welt haben.

Jesus erzählt ein Gleichnis. Lazarus lag vor der Tür des Reichen – es gab also so gut wie keine räumliche Distanz zwischen den beiden. Aber die Welten dieser beiden Menschen sind so weit voneinander entfernt. Der eine lebt in Prunk und Luxus, abgesichert und abgeschottet von der Welt um ihn herum (heute würde man dazu sagen: er lebt ihn seiner Bubble – seiner „Blase“ – und nimmt das, was rund um ihn passiert nicht wahr bzw. lässt es nicht an sich heran). Lazarus hingegen leidet, er ist krank, wird verachtet, kann seinen Hunger nicht einmal mit den Essensresten stillen. Er wird nicht gesehen und er stirbt. Einsam, hilflos.

Das Gleichnis setzt eine Grenze, die keine Brücke mehr kennt: den Tod. Die Rollen werden getauscht, Lazarus wird gesehen, er wird getröstet und liegt in Abrahams Schoß. Der Reiche hingegen leidet qualvoll. Hier auf der Welt ist es möglich, Brücken zu bauen. Es ist möglich, die eigene Bubble zu verlassen, hinauszuschauen, wer uns umgibt und auf die Sorgen und Nöte der Menschen zu reagieren. Aber es ist unsere Entscheidung. Von jeder und jedem ganz persönlich. Und eine Entscheidung, die ich immer wieder treffen muss. Natürlich ist es wesentlich bequemer in meiner Bubble zu bleiben.

Sind wir bereit, Brücken zu bauen? Das ist anstrengend, kostet Kraft und braucht Mut. Wir dürfen daran glauben, dass uns Gott dazu befähigt. Er gibt Kraft, Ohren, Augen und Hände. Für kleine und große Schritte. Niemand von uns kann die ganze Welt retten. Wir können sehr wohl schauen, wer an unserer Türschwelle sitzt und es braucht, gesehen zu werden.

Mit einem Gedanken aus der Schott Tagesliturgie für den heutigen Tag möchte ich abschließen:

Es ist nicht nur die Armut der Armen, die allen Reichtum fragwürdig macht. Und die Gefahr, in der der Reiche lebt, besteht nicht eigentlich darin, seinen Reichtum zu verlieren, sondern ihn zu behalten, weil der Reiche nichts anderes mehr sehen kann als seinen Reichtum. Die Gefahr ist, dass für den Reichtum Gottes, für seine Liebe und seinen Trost, im Leben des Reichen kein Raum mehr ist.

 

Lesung: Amos 6, 1a.4–7

Evangelium: Lukas 16, 19–31

So. 7.9.2025 Glaube ist Beziehung (Pfarrer Hans Lagler)

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Die christliche Sicht auf das Geheimnis Gottes lässt sich mit drei Wörtern zusammenfassen: Glaube ist Beziehung. Was meine ich damit? Es gilt mit Herz und Verstand die Gegenwart des Schöpfers des Himmels und der Erde zu erkennen und auf seine Liebe zu antworten.

 

Mit dem 1. September haben die christlichen Kirchen den Schöpfungsmonat begonnen. Diese Zeit reicht bis zum Gedenktag des heiligen Franz von Assisi. Es soll uns in dieser Zeit wieder neu bewusst werden, dass gerade im Geheimnis der Natur die Gegenwart Gottes erfahren werden kann. Gott drängt sich dabei nicht auf sondern er wartet, bis wir die Augen unseres Herzens öffnen. Da steht man dann in aller Stille am Hochkogel oder beim Gipfelkreuz des Ötschers und fragt sich wie es heute im Buch der Weisheit steht: Welcher Mensch kann Gottes plan erkennen? (Weish 9, 13)

 

Nutzen Sie bitte den Herbst um Wanderungen zu machen und dabei zu staunen. Unsere herrliche Mostviertler Landschaft lädt herzlich dazu ein. Haben sie auch Liedtexte mit: Auf einem Berggipfel „Großer Gott wir loben dich zu singen“ oder „Du großer Gott wenn ich die Welt betrachte“ berührt jedes Herz.

 

Glaube ist Beziehung. Der Schöpfer des Himmels und der Erde hat es uns leicht gemacht, seine Botschaft zu verstehen. In seinem Sohn Jesus Christus ist er uns nämlich ganz nahe gekommen.

 

Auf meinem Schreibtisch liegt derzeit ein Jesusbild, das mir sehr wichtig ist. Es zeigt den Herrn wie er voller Wertschätzung einen jungen Mann umarmt. Diese Zuneigung bringt er uns allen entgegen und wir sind eingeladen auf seine Nähe zu antworten. Gerne gebe ich dieses Bild durch die Reihen und es liegen auch einige Kopien bei den Kirchenausgängen auf, damit sie es mitnehmen können.

 

Diese Zuneigung ist nicht selbstverständlich. Der Messias möchte durch sein Evangelium und die sieben Sakramente eine Beziehung zu uns aufbauen und uns so seine Nähe erfahren lassen. Bin ich dazu überhaupt bereit mit ihm in Verbindung zu treten ohne dass dies mir vor anderen Leuten peinlich ist?

 

Es gilt daher gerade in guten Zeiten die Nähe des Herrn zu suchen und mit ihm verbunden zu sein. Mit ihm vertraut zu sein ist deshalb so wichtig, weil oft von einer Sekunde auf die andere Momente in unserem Leben hereinbrechen, die uns die Geschehen der Karwoche am eigenen Leib spüren lassen. Dies deutet Jesus an wenn er zu uns sagt: Wer sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann mein Jünger sein. (Lk 14, 26)

 

Die heilige Messe beginnt mit einem Ruf der aus der frühen Kirche stammt. Herr erbarme dich. Dieser Gedanke erinnert uns eigentlich an eine Epoche wo man andauernd um die Gnade des Königs flehen musste. Dies entspricht aber nicht dem biblischen Gottesbild.

 

Ein Priesterkollege verwendet daher immer wieder die Bitte an Jesus: Herr umarme mich, Christus umarme mich. Herr umarme mich. Ich werde in Zukunft die diese Worte immer wieder am Beginn der heiligen Messe verwenden.

 

Wenn wir mitsammen Gottesdienst feiern, kommen wir zu Jesus, mit dem was uns bewegt. Gerade wenn uns die Beziehung zu ihm wichtig ist, dann bitten wir ihn Herr umarme mich, wenn ich Sorgen habe, wenn ich traurig bin oder auch mein Glück mit dir teilen möchte.

 

Glaube ist Beziehung. Auf die Schöpfermacht Gottes gilt es zu antworten durch das Staunen über die Schönheit der Natur.

Glaube ist Beziehung. Jesus kommt dir voll Liebe entgegen und möchte dich umarmen. Dieses schöne Bild zeigt es dir. Amen

Lesung: Weish 9, 13 – 19 Evangelium: Lk 14, 25 – 33

So. 31.8..2025 Dankesworte – Abschied (Kaplan Sojan Thomas)

 

Jeder Anfang ist nie leicht – und ein Abschied ist oft genauso schwer.  Doch das Leben kennt beides: Aufbrechen und Zurücklassen, Beginnen und Abschließen.  Und manchmal ist ein Abschied nicht unsere Wahl – sondern unsere Aufgabe.

 

Im Evangelium nach Lukas hören wir auf dem Berg Tabor, wie Petrus zu Jesus sagt:  „Meister, es ist gut, dass wir hier sind.“ Jesus antwortete ihm nicht – aber in der Stille war alles gesagt.  Auch ich möchte heute noch sagen: Es war gut, dass ich hier war. Und ich füge hinzu: Dein Wille geschehe.

 

Heute fällt es mir nicht leicht, Abschied zu nehmen.  Drei Jahre sind vergangen – schnell, aber tief.  Am 19. Oktober 2022 bin ich hierhergekommen –  wie ein neugeborenes Kind, unsicher, mit wenig Deutsch, in einem für mich fremden Land.  Doch ihr wart für mich da. Steinakirchen wurde für mich wie ein Geburtshaus, ein Kindergarten, ein Zuhause. Ein Ort, an dem ich nicht nur lernen durfte –  

sondern auch lieben und lachen, mit euch feiern, beten, wachsen und Teil eurer Gemeinschaft sein durfte.

 

Petrus fragte einst Jesus: „Du weißt, wir haben alles zurückgelassen und sind dir nachgefolgt. Was werden wir dafür bekommen?“Und Jesus antwortete:  „Jeder, der um meines Namens willen Häuser, Brüder, Schwestern, Vater, Mutter zurücklässt, wird alles hundertfach wieder bekommen.“ Diese Worte habe ich nicht nur gelesen – ich durfte sie erleben.  Hier, in diesen drei Jahren, habe ich so viele Menschen gefunden,  die mir wie Brüder und Schwestern, wie Mütter und Väter geworden sind.  Ich durfte Nähe und Vertrauen erfahren, Freude, Trost und eine ehrliche Gemeinschaft.  Ihr habt mir geholfen, nicht nur die Sprache und Kultur zu verstehen –  sondern auch das Herz dieser Pfarre.

 

Das Pfarrhaus war für mich nicht nur ein Ort zum Wohnen –  es war wirklich ein Zuhause. Ein Haus mit Vater, Mutter und Geschwistern.  Wir haben gemeinsam gebetet, gegessen, gearbeitet und gelacht –  aber nie gestritten.  

 

Lieber Pfarrer, heute möchte ich dir einfach von Herzen Danke sagen. Denn für mich warst du viel mehr als nur Vorgesetzter oder Begleiter.

Im Dienst warst du mein Chef – mit Klarheit, Vertrauen und Geduld.  Im Gebet warst du mir ein Vorbild – fest verwurzelt im Glauben.   Viele Male habe ich dich ganz still vor dem Altar sitzen, verbunden mit Gott, gesehen.  Im Alltag warst du wie ein Bruder – humorvoll, ehrlich, offen.  Und ja – wenn wir eingeladen waren und du vielleicht ein Glas Wein zu viel hattest,  dann war ich dein verlässlicher Chauffeur. In der Küche, am Tisch – da waren wir manchmal wie zwei Buben,  die miteinander lachen, scherzen und das Leben teilen.  Aber am tiefsten berührt hat mich,  dass du für mich wie ein Vater warst –  besonders in Momenten, in denen ich krank oder traurig war.  Du warst einfach da. Still, stark, verlässlich. Danke, Herr Pfarrer, für alles, was du für mich warst:  Lehrer, Begleiter, Seelsorger, Freund, Vater.

Jesus hat uns Maria als Mutter gegeben. Und auch hier durfte ich eine Maria als Mutter erleben.  Liebe Maria, Seit dem ersten Tag hast du mich wie einen Sohn aufgenommen.  Du hast gespürt, was ich brauche –  hast für mich gekocht, geputzt, dich um alles gekümmert.  Still, treu und mit einem offenen Herzen.  Maria – du kennst mich, wie ich bin.  Und genau so hast du mich angenommen.  Dafür kann ich nur sagen:  Vergelt’s Gott. Danke – von ganzem Herzen.

 

Danke, liebe Hemma, Thomas und Robert  Ihr wart meine Stärke – meine Flügel.  Ihr habt mich getragen, ermutigt, gestützt.  Danke, dass ihr an meiner Seite wart – mit Herz, mit Verstand, mit Vertrauen.  Ohne viele Worte – aber mit großer Wirkung.  Danke euch von Herzen.

 

Ein ganz besonderer Dank gilt Menschen,  die mich auf meinem Weg hier intensiv begleitet und unterstützt haben:

Meine Deutschkenntnisse konnte ich wesentlich verbessern   dank Herrn Dr. Leo Schadenhofer aus Reinsberg und Frau Ginna Ingrid.  Ihre Geduld, ihre Zeit und ihr Einsatz haben mir Sicherheit und Mut gegeben.

 

Dass ich heute auch mit dem Auto unterwegs sein kann,  

verdanke ich Herrn Willi Kreutner und Herrn Franz Eppsteiner.  Mit eurer Hilfe konnte ich den Führerschein bestehen.  Danke für eure Geduld, eure Zeit, das ihr mir geschenkt habt.

 

Ein herzliches Vergelt’s Gott auch an Frau Grete Strauß,  die mich am Anfang mit  Geduld  in den liturgischen Dienst eingeführt und begleitet hat.

 

Ein besonderer Dank gilt auch Pitzel Poldhi und Zep. Als ich wegen Nierensteinen zweimal ins Spital nach St. Pölten musste, wart ihr einfach da – den ganzen Tag, draußen wartet, still und treu.  Diese Nähe, diese Freundschaft war für mich unvorstellbar – und unvergesslich. Solche Momente kann man nicht mit Worten beschreiben –  nur mit tiefem Dank im Herzen.

 

Danke an die Ministrantinnen und Ministranten – die Messner den PfarrgemeindeRat, die Religiöslehrerinnen und die Pfarrjugend – ihr wart immer freundlich, hilfsbereit und fröhlich.  Ich danke euch für viele lebendige Begegnungen  und euer Dasein. Ein großer Dank gilt den Vorbeterinnen und Vorbetern,  die mich besonders bei Begräbnissen verlässlich unterstützt haben.

 

Liebe Sportfreunde, es war mir eine große Freude, jeden Donnerstag im Winter mit euch Sport zu treiben.  Das Alter spielte keine Rolle – der Spaß, die Bewegung und das Miteinander standen im Vordergrund.  Einige von euch sind heute hier – das freut mich sehr.  Danke euch allen für die schöne gemeinsame Zeit und die Freundschaft!

Glosman Pöldhi und Rosi Glais– ihr wart für mich ganz besondere Freundinnen.  Nach der 10-Uhr-Messe war es fast wie ein kleines Ritual: Rosi und ich – wir haben uns immer getroffen, gesprochen und gelacht.  Danke, meine lieben Freundinnen, für eure Nähe, euer offenes Herz. Ihr habt mir sehr viel bedeutet – und werdet immer einen Platz in meinem Herzen haben.

Danke an alle, die heute die Agape vorbereitet haben –  

für eure Zeit, euren Einsatz und die liebevolle Gestaltung.  

 

Danke an die Landlpfeifer und den Herren Josef Resch für die musikalische Begleitung dieser Abschiedsmesse.  

 

Ich bin für all diese Menschen – und für euch alle – von Herzen dankbar.  Ich danke euch allen:  für jede Begegnung, jedes Lächeln, jede Geduld, jede Form von Unterstützung.  Danke an die Familien, die Kinder, die Jugendlichen, die Älteren –  einfach an alle, die mit mir diesen Weg gegangen sind.  Eure Liebe zur Pfarre und zur Kirche ist beeindruckend und faszinierend.  Sie hat  mir gezeigt,  was gelebter Glaube und echte Gemeinschaft bedeuten. Ich durfte vieles lernen – in der Sprache, im Glauben, im Leben.  Aber das Wichtigste war:  Ich durfte erfahren, was es heißt, angenommen und getragen zu werden.  Ich war hier nie ein Fremder, nie ein Ausländer –  sondern ein Teil eurer Familie.  Danke für euer Herz. 

 

Gestern bin ich noch einmal meine letzte Runde um den Friedhof gegangen.  An einem Grabstein las ich einen Satz, der mich tief berührt hat:  „Das Leben ist begrenzt – doch die Erinnerung ist unendlich.“

Wie wahr.  Heute endet mein Weg in Steinakirchen –  aber nicht das, was uns verbindet.  Was wir einander an Liebe, Zeit, Glaube und Nähe geschenkt haben,  das bleibt – in unseren Herzen,  im gemeinsamen Gebet,  im stillen Erinnern. Jetzt ist die Zeit gekommen, weiterzugehen. Doch ein Stück Steinakirchen nehme ich mit in meinem Herzen –  und ich hoffe, auch ein kleines Stück von mir bleibt bei euch. Ich gehe mit einem dankbaren Herzen –  reich beschenkt durch so viele Begegnungen und Erfahrungen,  voller Erinnerungen, die ich nie vergessen werde.

Und ich lade euch alle herzlich ein:  Besucht mich einmal in Prinzersdorf –  ich würde mich sehr freuen, euch wiederzusehen!  Ihr seid jederzeit willkommen. Gott segne euch alle –  und begleitet mich bitte weiterhin im Gebet.

Nochmals Dankeschön – und Vergelt’s Gott für alles!

So. 24.08.2025 Gott ist mit euch (Pfarrer Hans Lagler)

Es ist ein besonderes Gefühl in Jerusalem durch die Altstadt zu gehen, denn man kann dort Menschen aus aller Welt treffen. Diese Erfahrung gab es schon im Zeitalter der Bibel. Denken Sie bitte an das Pfingstereignis wo unterschiedlichste Menschen aus verschiedenen Völkern als Zeugen erwähnt werden. Diese Lesung aus der Apostelgeschichte kann meiner Meinung nach als „Lektorenmatura“ bezeichnet werden, denn wer ohne Schwierigkeiten die Namen der antiken Länder Phrygien und Pamphylien einwandfrei aussprechen kann, hat die Prüfung mit Auszeichnung bestanden. (Apg 2, 10)

 

Diese Vielfalt der Nationen wird im heutigen Sonntagsevangelium sichtbar: „Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen.“ (Lk 13, 29) Hier wird ein Bild des Propheten Jesaja aufgegriffen; nämlich die Wallfahrt der Völker nach Jerusalem. (Jes 66,20)

 

An anderer Stelle beschreibt die die Heilige Schrift den Grund, warum die Welt in Bewegung gerät: „In jener Zeit werden 10 Männer aus verschiedenen Völkern einen Mann aus Juda an seinem Gewand festhalten und sagen: Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört: Gott ist mit euch! (Sach 9,23)

 

In den christlichen Kirchen und bei unseren älteren Glaubensgeschwistern dem Volk Israel haben viele Generationen Heimat im Glauben gefunden. Diese Beständigkeit gibt Halt und Orientierung, denn wir haben gehört Gott ist mit euch.

 

Aktuell gibt es rund 1,4 Milliarden katholische Christen. Diese große Zahl bringt es leider mit sich, dass so ein großer Apparat träge und behäbig wirkt. In dieser weltumspannenden Gemeinschaft wird es leider immer wieder negative Entwicklungen geben.

 

Für mich persönlich ist aber dieser Rückhalt in der katholischen Kirche sehr

wichtig, auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin, was in Vergangenheit und Gegenwart passiert. Das ist mit einer Großfamilie vergleichbar, die nur gemeinsam viel erreichen kann, wenn sich die Mitglieder in versöhnter Verschiedenheit und mit Respekt begegnen.

 

In den Vereinigten Staaten zeigt sich eine interessante Entwicklung: Wenn jemand mit seiner Kirchengemeinde oder seinem Pfarrer nicht mehr zufrieden ist, beginnt er oder sie selber zu predigen und gründet mit ein paar Getreuen eine neue Gemeinde. Es haben sich daher im Laufe der Jahre viele christliche Freikirchen und Sekten gebildet, die sich dann als viel besser als die Großkirchen halten. So entstehen Gruppen, die in der ersten Zeit voller Leben sind. Es wird aber auch sehr viel Energie verschwendet um sich gegenseitig zu bekämpfen und die Unterschiede herausstreichen. Nach ein paar Jahren geht aber solchen Predigern die Luft aus und die Leute verlaufen sich.

 

Dazu ein kleiner Sprachwitz: Ein selbsternannter Pfarrer bekommt Besuch von einigen seiner Gemeindemitgliedern, die sich über seine faden Predigten beschweren. Der Sprecher meldet sich zu Wort: „Herr Pfarrer, wir bitten sie mehr Feuer in ihre Predigten zu geben!“ Da ergänzt ein weiterer Abgesandter: “Oder noch besser, geben sie mehr Predigten ins Feuer!”

 

Dieser Rückhalt in der konkreten Pfarrgemeinde und in der römisch-katholischen Weltkirche wird immer im Hochgebet der heiligen Messe angedeutet, wenn für den Papst, die Bischöfe, die Priester, Diakone und für alle Frauen und Männer, die in unserer Glaubensgemeinschaft Verantwortung tragen gebetet wird.

 

Die Beständigkeit im Glauben erscheint als Wesensmerkmal von uns als Christinnen und Christen. Die Art und Weise wie wir unseren Glauben leben und feiern, soll Menschen aus Ost und West, von Nord und Süd ansprechen, damit die Welt erkennen kann: Gott ist mit euch.

Lesung: Jes 66, 18 – 21 Evangelium: Lk 13, 22 – 30

So. 17.08.2025 Empfange das Evangelium Christi (Pfarrer Hans Lagler)

Zu den verschiedenen Diensten eines Diakons zählt es bei einem Gottesdienst das Evangelium verkünden zu dürfen. Selbst wenn hochrangige kirchliche Amtsträger der Liturgie vorstehen, gilt folgende Regel: Ist ein Diakon anwesend, hat er das Ehrenrecht der Feiergemeinde die Worte des Evangeliums vorzutragen.

 

Beim Fest der Diakonenweihe gibt es folgenden eindrucksvollen Ritus: Der Bischof übergibt dem Neugeweihten das Evangelienbuch und sagt dabei: „Empfange das Evangelium Christi, zu seiner Verkündigung bist du bestellt. Was du liest, ergreife im Glauben. Was du glaubt, das verkünde; was du verkündest erfülle im Leben.“

 

Für mich persönlich ist es eine große Freude, wenn ich das Evangelium verkünden darf, doch manchmal muss man Bibelstellen vorlesen, die einem doch irgendwie schwer über die Lippen gehen.

 

Bis vor wenigen Jahren zählte das heutige Sonntagsevangelium dazu. Gerne wiederhole ich die Worte, die mir viele Jahre Schwierigkeiten machten. Jesus betont: Ich bin gekommen um Feuer auf die Erde zu werfen und dann der eigenartige Vers: Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung. (Lk 12,49.51) Dieser Konflikt wird dann in einer Familienaufstellung konkretisiert. Diese Verse waren für mich schwer verdaulich.

 

Es noch gar nicht lange her da veränderte das Auftreten der Coronapandemie unser Land ganz gewaltig. Die unterschiedlichen Antworten der Medizin und der politischen Parteien halfen mir dieses herausfordernde heutige Sonntagsevangelium besser zu verstehen. Auf einmal ist von einem Tag auf den anderen eine Spaltung der Gesellschaft in diesen Fragestellungen quer durch alle Familien gegangen.

 

Urplötzlich schien damals auf einmal das aktuelle Evangelium wahr geworden zu sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus wohnen,

wird Zwietracht herrschen. Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei. Dieser Konflikt wird mit der Aufzählung der unterschiedlichen Mitglieder einer Familie unterstrichen. (Lk 12,52)

 

In der Zeit als der Evangelist Lukus sein Buch über Jesus schrieb, beherrschte eine sehr energisch geführte Diskussion die damalige Gesellschaft: Ist dieser einfache Wanderprediger aus Nazareth der sehnsüchtig erwartete Messias, der Erlöser der Welt, oder nicht? Dieser Streit spaltete die jüdischen Hausgemeinschaften.

 

Im Grunde muss jede und jeder von uns darauf ebenfalls eine Antwort finden. Wer ist dieser Jesus für mich? Kann auch ich hoffentlich wie der Apostel Petrus voll Herzklopfen im Blick auf den Herrn sagen: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes? (Mt 16,16) Geht auch mir das Wort dieser klugen Frau namens Martha von Betanien über die Lippen: Ja, Herr ich glaube, du bist der Messias, der Sohn Gottes der in die Welt kommen soll? (Joh 11,27)

 

Die biblischen Schriften des Neuen Testamentes sind im Licht der Ostererfahrungen und der Pfingstereignisse geschrieben worden. Der Verfasser des Hebräerbriefes denkt über den menschgewordenen Gottessohn nach und kommt zu einer großartigen Erkenntnis: „Lasst uns auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens. Er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt.

(Hebr 12,2)“

 

Manche Bibelstellen sind mit den Ohren der Gegenwart schwer zu verstehen. Die Aufgabe der Kirche insgesamt und besonders der Diakone ist es, die Welt von heute mit den bewegenden Worten des Evangeliums zu konfrontieren. Es gibt immer wieder Erfahrungen die den oft schwierigen Worten des Erlösers eine neue Leuchtkraft geben. Dies macht für mich das Buch der Bücher so spannend.

Fr. 15.08.2025 Der Glaube ist uns geschenkt (Pfarrer Hans Lagler)

Liebe Marienverehrer!

 

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Von der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“ darf man wirklich nicht erwarten, dass sie der Sichtweise des Christentums Kirche nahesteht. Sie bezeichnet sich als linksliberal und ihre Aussagen reiben sich leider zu oft an der KI – damit meine ich die Katholische Intelligenz.

 

Umso mehr lässt ein Artikel aufhorchen, der mit der Schlagzeile „Marias Botschaft“ in der Weihnachtsnummer die Titelseite ausfüllte. Hier konnte man lesen, dass zum Beispiel diese einfache Frau aus Nazaraeth jene Person ist, welche in der Menschheitsgeschichte am meisten portraitiert wurde. Es gibt also von keiner anderen Frau so viele Bilder wie von der Gottesmutter. Das war für mich neu und schenkte mir die Erfahrung, dass imgrunde große Stars aus Hollywood oder Persönlichkeiten aus der Welt der Reichen und der Schönen verblassen neben ihr.

 

Diese Schilderung ist eine Folge des heutigen Evangeliums vom Hochfest Maria Himmelfahrt. Maria stimmt das Magnificat an und betont dabei selbstbewusst – siehe von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. (Lk 1,48)

 

Zu diesem Lobpreis Mariens nahmen sich die größten Dichter unseres Planeten an und widmeten ihr Gedichte. Es darf uns daher nicht wundern, dass sich eine Sängerin die jetzt auch schon in die Jahre gekommen ist Madonna nennt. Die Klimaaktivistin Greta Thunberg, , ließ gerne Fotos von sich machen, die irgendwie doch bewusst auf die Gottesmutter hinwiesen.

 

Dann kommt in diesem Artikel ein Satz, der mich nachdenklich stimmt: „Das Schicksal Mariens erhält einen Trost, der im aktuellen

Klimastreik fehlt, dass die Rettung aus allen Problemen nicht nur etwas Erkämpftes oder Erzwungenes sei, sondern etwas Geschenktes ist.“

 

Da braucht man eine kirchenferne Zeitung um dies wieder neu zu erkennen. Die Nähe Gottes in Jesus Christus ist also nicht etwas Erkämpftes oder Errungenes, sondern ein Geschenk. Maria unterstützt mit ihrem Ja diesen Weg des Schöpfers des Himmels und der Erde zu uns Menschen. So wie das Geheimnis des Lebens haben wir auch das Geschenk des Glaubens erhalten. Beides gilt es zu hegen und zu pflegen, denn wir tragen Glaube und Leben in zerbrechlichen Gefäßen.

 

In der Lesung aus der Offenbarung des Johannes ist diese Erfahrung grundgelegt: Jetzt ist er da der rettende Sieg, die Macht und die Herrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten! (Offb 12,10) Dieser Ostersieg des Herrn ist aber wie gesagt nicht von der Menschheit errungenes oder erzwungenes sondern ein Geschenk.

 

Die Schlussfolgerung des Artikels könnte aus einer Predigt einer Maiandacht stammen: Die Welt wird gesund durch marianische Menschen, welche das Harte und Zarte, die Herzensdimension und die Kampfesdimension vereinen.

 

Ein Leben in ausdauernder Beharrlichkeit und doch in liebevoller Zärtlichkeit wird uns in der Gottesmutter vor Augen gestellt. Aus diesem Grund hat die Marienverehrung einen wichtigen Platz im Christentum der katholischen Dimension. Wir können viel von ihr lernen. Die Freundschaft mit ihr schenkt uns Freude im Herzen und ihr Schicksal gibt uns Kraft die Herausforderungen unseres Alltags gut zu meistern.

 

Diese Haltung soll uns nicht nur am Fest Maria Himmelfahrt wichtig sein sondern jeden Tag des Jahres prägen, denn der christliche Glaube ist nicht einfach etwas errungenes oder Erzwungenes sondern ein Geschenk des Himmels. Amen

 

Lesung: Offb 11,19;12,1 – 6a Evangelium: Lk 1, 39 – 56

 

Sa. 9.08.2025 Glaubenszeugnis (Margarete Strauß)

Schwestern und Brüder im Glauben

 

Herr, ich glaube , Herr ich hoffe, Herr, von Herzen lieb ich dich. Dieser Liedtext beinhaltet alles, was uns die heutige Lesung aus dem Hebräerbrief sagen möchte, es wurde uns eine Lehrstunde in Glaubenskunde erteilt.

 

„Glaube aber ist: Grundlage dessen, was man erhofft, ein Zutagetreten von Tatsachen, die man nicht sieht.“

Wir bezeichnen uns selbst als Gläubige aber halten wir inne um nachzudenken, was es für unser Leben bedeutet, wenn wir sagen: Ja, ich glaube.

Unser Glaube ist ein Bekenntnis zu Gott, zu unserer Religion.

Wenn wir unseren Glauben ernst nehmen, wird er zur Richtschnur zum Maßstab in unserem täglichen Leben. Es geht um unsere Verbindung zu Gott. Habe ich einen guten oder weniger guten Draht zu ihm? Es geht immer um den richtigen Weg zu ihm. Stehe ich mit Gott in Verbindung durch mein Gebet, meine Worte, durch meine Gedanken, durch meine Handlungen, durch meine Gewohnheiten – wovon lasse ich mich leiten in meinem Leben? Ist mein Glaube wirklich eine Richtschnur für mich und meine Handlungen, für meine Worte? Hilft uns unser Glaube, die richtigen Entscheidungen zu treffen?

Glauben steht immer mit Menschen in Verbindung, die ihn uns vorgelebt haben, von denen wir gehört haben, welche Glaubenserfahrungen sie machten. Glaube wird von Generation zu Generation weitergeben. Glaube ist auch geprägt von einer Sehnsucht nach Gott.

 

Eine Verbindung zu Gott zu haben, bedeutet für mich, ihm zu vertrauen. Sie alle kennen das Sprichwort:“der Glaube kann Berge versetzen“. Ich frage mich, ist mein, ist unser Vertrauen zu Gott so groß, dass dieses Sprichwort zutrifft?

Haben sie in ihrem Leben bereits so eine Erfahrung gemacht? Ich durfte dies während einer schweren Krankheit vor 2 Jahren erfahren.

 

Glaube aber ist: Grundlage dessen, was man erhofft.

Unsere Hoffnungen gründen meist auf sehr menschlichen Erwartungen und nicht auf unseren Glauben.

Was sind momentan ihre stärksten Hoffnungen – hoffen sie auf ETWAS?

Ist es die Hoffnung, auf die Heilung eines geliebten Menschen?

Ist es die Hoffnung, das ein Kind die Prüfung besteht?

Ist es die Hoffnung auf eine Gehaltserhöhung?

Ist es die Hoffnung, dass zukünftige Generationen von Pandemien verschont werden?

 

Eine christliche Hoffnung ist der Glaube an die Auferstehung.

Es werden uns heute in der Lesung viele Beispiele angeführt, die auf den Glauben begründet sind.

Wenn wir in diesem Zusammenhang an Abraham denken, so ist er aufgrund des Glaubens in ein neues Land gezogen.

Aufgrund des Glaubens, empfing Sara, die als unfruchtbar galt, im hohen Alter noch Isaak.

Aufgrund des Glaubens wollte Abraham den Isaak hingegeben, als er auf die Probe gestellt wurde.

Spüren sie den Unterschied zu unseren Hoffnungen in der heutigen Zeit und den Hoffnungen, die aufgrund des Glaubens erfolgten?

Sind ihre Hoffnungen auf den Glauben begründet oder sind es unsere menschlichen Erwartungen?

Ich weiß heute eines: ich muss mein Leben nicht alleine bewältigen, Gott lebt es mit. Wenn ich glücklich bin, freut sich Gott mit mir. Wenn ich leide, leidet er mit mir. Er gibt mir Kraft, mich den Herausforderungen des Lebens zu stellen und sie zu meistern.

 

Fragen wir uns:

Wie tief ist mein Glaube, dass ich meine Hoffnungen als „Ich glaube“ aussprechen kann?

Ist der Glaube die Grundlage meines Lebens?

Bin ich auf dem richtigen Weg in meinem Leben?

 

Quellennachweis: Ideenwerkstatt Gottesdienste, 5/2022, Verlag Herder, Freiburg

So. 03.08.2025 18. Sonntag im Jahreskreis (Kaplan Sojan Thomas)

Die Sommerzeit neigt sich dem Ende zu. Viele Menschen genießen die letzten Sommertage mit vielen Aktivitäten. Doch nehmen sie sich auch Zeit, auf Gottes Wort zu hören oder über ihr Leben nachzudenken? Die Lesungen dieses Sonntags laden uns ein, genau das zu tun. Sie sprechen über ein Thema, das uns alle betrifft: die Vergänglichkeit des Lebens und die Frage, was im Leben wirklich zählt.

“ Was bleibt am Ende von all unserer Mühe, von Arbeit, Besitz, Erfolgen? Alles, was wir im Leben anhäufen, müssen wir zurücklassen. Und wir wissen nicht, was danach mit unseren Dingen passiert. Diese Gedanken können traurig machen. Sie können uns sogar den Schlaf rauben. Auch in der Nacht drehen sich viele Gedanken um Sorgen, Ängsten und Befürchtungen:

Reicht mein Geld? Was wird aus meiner Familie? Wie lange kann ich gesund bleiben? Wer wird sich später um mich kümmern? Die Bibel verdrängt diese Sorgen nicht. Aber sie zeigt einen anderen Weg, wie wir mit ihnen umgehen können.

Der Apostel Paulus sagt im Kolosserbrief: „Richtet euren Sinn auf das, was oben ist, nicht auf das Irdische.“ Das heißt nicht, dass wir das Leben auf dieser Welt gering achten sollen. Aber wir sollen uns nicht von Geld, Besitz oder Erfolg bestimmen lassen. Vieles, was in der Welt wichtig erscheint, ist in Gottes Augen bedeutungslos. Das Ziel ist: innerlich frei zu werden.

 

Im heutigen Evangelium spricht Jesus ein Gleichnis, das uns mitten ins Herz trifft. Ein Mann hat eine reiche Ernte. So groß, dass seine bisherigen Scheunen nicht mehr ausreichen. Er denkt: „Ich reiße sie ab und baue größere – dann habe ich Ruhe, Sicherheit, Vorrat für viele Jahre!“

Doch Gott sagt: „Du Narr! „Noch in dieser Nacht wird dein Leben von dir zurückgefordert.“

 

Was war das Problem dieses Mannes?

Nicht der Reichtum an sich. Sondern, dass er nur für sich sammelt. Dass sein Herz verschlossen bleibt – für Gott und für den Nächsten.

 

Er baut Scheunen, statt Brücken.

Er hortet, statt zu teilen.

Er denkt ans Lagern, nicht ans Leben.

 

Liebe Gemeinde,

Wie oft geht es auch uns so?

Wir sammeln – Dinge, Sicherheiten, Anerkennung.

Aber wie weit ist dabei unser Herz?

 

Jesus lädt uns ein, nicht größere Scheunen zu bauen – sondern die Mauern unseres Herzens zu öffnen:

– Für das Gute.

– Für die Liebe.

– Für die Menschen neben mir.

Denn: Was wir teilen, wird nicht weniger – es wird mehr.

Was wir geben, bleibt. Was wir aus Liebe tun, überdauert den Tod.

 

Vielleicht fragt Jesus dich und mich heute:

– Wem hast du zuletzt dein Herz geöffnet?

– Wo hast du deine „innere Scheune“ zu voll gepackt – mit Sorgen, Egoismus, Misstrauen?

– Wo darf dein Herz weiter werden – für Gott, für andere, für dich selbst?

 

Liebe Schwestern und Brüder,

bauen wir keine neuen Scheunen – bauen wir einen Raum im Herzen, wo Liebe wohnt, wo Gott willkommen ist,

wo Platz ist für den Nächsten. Denn nicht was wir besitzen, sondern was wir verschenken, macht unser Leben reich. Amen.

So. 13.07.2025 Glaubenszeugnis (Gunter Prüller-Jagenteufel)

Die Erzählung vom Barmherzigen Samariter ist wohl eines der bekanntesten Gleichnisse der Bibel – der „barmherzige Samariter“ ist sprichwörtlich geworden, selbst außerhalb des engeren kirchlichen Kontexts; denken wir z.B. an den Arbeiter-Samariterbund. Aber gerade das, was einem altbekannt erscheint, ist es oft wert, dass man noch einmal genauer hinschaut. Und so ist das auch heute: Wenn ich die Erzählung vom barmherzigen Samariter auf mich wirken lasse, wenn ich mich hineindenke, dann zeigt sich immer wieder Neues und Überraschendes.

Der Erzählrahmen

Ein Gesetzeslehrer – also ein in Religionsfragen gebildeter Mensch – möchte prüfen, ob Jesus, der Wanderprediger von Auswärts, auch wirklich rechtgläubig ist. Und er stellt die Frage aller Fragen, hier geht es also ums Eingemachte: Was muss ich tun, um von Gott das ewige Leben zu bekommen?

Und Jesus fragt zurück, was man denn in der jüdischen Bibel – unserem Alten Testament – so findet. Worauf der Gesetzeslehrer mit dem auch uns bekannten Doppelgebot antwortet: Gottesliebe und Nächstenliebe. – Na also, da sind wir uns einig, macht Jesus unausgesprochen deutlich. Jetzt müssten wir alle nur noch danach handeln.

Die Szene könnte hier auch schon wieder zu Ende sein. Jesus macht klar, dass er ganz auf dem Boden des jüdischen Glaubens und seiner Gebote steht, und alle sind sich einig, was das bedeutet: Gott zu lieben „mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzer Kraft“ und „die Nächsten wie sich selbst“.

Der springende Punkt: Wer ist mein Nächster?

Aber jetzt kommt die große Rückfrage: „Wer ist mein Nächster?“ Das ist nicht rein theoretisch in einer Zeit, wo immer häufiger zu hören ist, dass die Nächstenliebe nicht „grenzenlos“ sein kann. Die müsste zuerst den „Unsrigen“ gelten – den Österreichern, den Deutschen, den US-Amerikanern usw. – und erst in zweiter Linie den „anderen“ – wer auch immer das dann gerade ist: Menschen aus anderen Ländern, mit anderer Kultur, mit anderer Religion etc.

Nun, es stimmt, ich kann nicht alle Menschen lieben, zumindest nicht ich allein. Aber wenn es für die Liebe eine bestimmte Abstufung geben sollte, welche wäre das denn?

Das ist also die Frage des Gesetzeslehrers: Wer ist mein Nächster? Wo kann ich die Grenze ziehen? Wo muss ich die Grenze ziehen?

Die Antwort: Ein Gleichnis

Und Jesus antwortet mit einer Geschichte: Da ist ein Reisender überfallen worden.

Die Notlage – und das sollte uns bewusst sein – fällt nicht vom Himmel. Die Not ist von Menschen herbeigeführt: die Räuber. Die Not unserer Welt ist nicht Strafe Gottes oder blinder Zufall, sie ist teils von Menschen verursacht, teils von Menschen nicht rechtzeitig verhindert

worden – so oder so sind wir Menschen mit verantwortlich – und so liegt es auch an uns Menschen, Not zu lindern und zu beseitigen.

Dann begegnen uns zwei sehr fromme, religiöse Menschen: ein Priester und ein Levit. Die sehen den Überfallenen, haben aber Wichtigeres zu tun. Sie konzentrieren sich auf den Gottesdienst im Tempel, wo sie ja auch bestimmte Aufgaben haben. Dass Gott ihnen in den Armen und Notleidenden begegnen könnte, haben sie wohl vergessen. Und oft geht es ja auch mir so: Ich habe so viel Wichtiges und Dringendes zu tun, dass ich gar nicht sehe, dass jemand mich gerade dringend braucht.

Und dann kommt der „Mann aus Samarien“. Ein Ausländer. Ein Anders-Gläubiger. Einer, mit dem man als frommer Mensch nichts zu tun haben will. Würde Jesus uns heute das Gleichnis erzählen, würde er vielleicht sagen: Ein Mann aus Syrien oder Afghanistan.

Der hat Mitleid – vielleicht ja gerade deshalb, weil er selbst täglich spürt, was es bedeutet, nicht angesehen zu sein, keine Unterstützung zu bekommen. Das Bewusstsein, selbst zu den an den Rand gedrängten und Gemiedenen zu gehören, spielt eine nicht unbedeutende Rolle in dieser Erzählung. Zur konkreten Hilfe in einer Notlage sind oft die bereit, die selbst wissen, wie es ist, wenn man sie braucht, aber nicht bekommt, weil man „anders“ ist.

Wie drückt sich nun das Mitleid des Samariters aus? Nicht im Jammern und Klagen; das hilft gar nichts. Aber auch nicht darin, dass er die Räuber verfolgt und sie ins Gefängnis bringt. Das wäre zwar schon auch wichtig und wenn die Zeit daran ist, sollte das auch getan werden. Aber im hier und jetzt nützt das nichts.

Hier geht es vielmehr darum, konkret zu helfen: die Wunden zu verbinden, für den zu sorgen, der sich nicht selbst helfen kann. Das kann dann durchaus auch heißen, die weitere Hilfe denen zu übergeben, die das auch gut können. Hier dem Wirten, dem der Samariter, das nötige Geld gibt, damit für den Überfallenen gesorgt ist, während er selber sich wieder seinen eigenen Aufgaben widmet.

Handeln, so wie Gott

In all dem erweist sich die „barmherzige Liebe“ – eine Eigenschaft, die bei Evangelisten Lukas übrigens sehr deutlich auf die Liebe Gottes verweist: „Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes“, so sagt er ganz am Anfang seines Evangeliums, ist Christus zu uns gekommen. Und so ist es auch nicht überraschend, dass seit frühester Zeit Jesus selbst mit dem Samariter identifiziert wird. Jesus selbst ist der Samariter, wir sind die Not leidende Menschheit, und er rettet uns. Praktische Nächstenliebe heißt also vor allem: Ich handle so an Dir, wie Gott an mir.

Das ist, denke ich, ein wichtiger Gedanke: Was uns das Sprichwort sagt: „Wie Du mir, so ich Dir“, das kann zwar zu einem guten Miteinander führen, aber eben auch zu einem sehr bösen, wenn wir einander alles heimzahlen, was uns andere antun. „Wie Gott mir, so ich Dir“, das ist etwas ganz Anderes: Das ist die dauernde Bereitschaft, Gutes zu tun. Und wo es Konflikte und Schuld gibt, ist es die Bereitschaft zu Vergebung und Versöhnung.

Und die Moral von der Geschicht‘ …

Die zentrale Pointe der Erzählung kommt aber ganz am Ende: Jesus stellt die Frage: „Wer von diesen dreien meinst du, ist dem der Nächste geworden, der von den Räubern überfallen

wurde?“ Damit wird die Fragerichtung des Anfangs total auf den Kopf gestellt. Dem Gesetzeslehrer geht es um eine Grenzziehung: Wer sind meine Nächsten? Gemeint ist hier: Wem muss ich mich zuwenden, wem nicht mehr? Diese Frage wird von Jesus radikal umgekehrt: Nicht ich habe zu bestimmen, wer meine Nächsten sind; ganz im Gegenteil: Die Frage ist, wem ich zum Nächsten werde oder nicht, indem ich liebevoll und barmherzig handle. Die Initiative dazu liegt bei mir. Und das Kriterium der Nächstenliebe ist nicht die Religion, nicht das Volk, nicht die Sprachgruppe, sondern allein die Frage: Wer braucht mich?

Die bekannte österreichische Schriftstellerin Marie v. Ebner-Eschenbach hat einen treffenden Satz geprägt: „‚Man kann nicht allen helfen!‘ sagt der Engherzige und – hilft keinem.“ – Ich könnte aber auch gerade das Gegenteil denken: „Dir kann ich jetzt helfen – zumindest ein Stück weit!“ Wenn das viele tun, dann wird auch vielen geholfen. Und weil das viele tun, in unserer Gemeinde Steinakirchen und auch weltweit, deshalb wird auch vielen geholfen.

Ich kann dazu eine wahre Geschichte erzählen, die ich erst vorgestern bei uns im Dorf erlebt habe. Da sollten ein paar Kälber auf die Weide geführt werden, angehängt am Traktor sollten sie gehen, so wie man das in unserer Gegend so macht. Nur ein Kalb wollte nicht und nicht dem Traktor folgen. Bockiger als ein Esel hat es sich gewehrt. Und ein Nachbar, der das gesehen hat, hat nicht lang überlegt, hat Most und Speck auf dem Tisch stehen lassen, ist hingegangen, hat das Kalb losgebunden und ist mit dem Kalb zu Fuß hinterher. Ganz alltäglich und auch nicht übermäßig schwer – aber gar nicht selbstverständlich. Ein kleiner Dienst kann zur großen Hilfe werden.

Und so gilt der Satz Jesu mir und dir: „Geh, und handle genauso!“

Lk 10,25–37

So. 6.07.2025 14. Sonntag im Jahreskreis (PAss Hemma Putschögl)

Jesus sendet 72 Jünger aus. Neben den 12 Aposteln, die in der Heiligen Schrift auch namentlich genannt werden, sind die 72 Jünger ganz wichtig. Jesus setzt nicht nur auf einen engen Kreis um sich herum, sondern auf sogenannte „Multiplikatoren“. Sie sollen das Evangelium in die ganze Welt tragen.

 

Was fällt auf?

· Jesus hat sie ausgesucht. Er sucht Menschen, denen er eine ganze Reihe von Anweisungen gibt und denen er zutraut, dass sie – mit Hilfe von Gott, dem „Herrn der Ernte“, wie Jesus ihn in diesem Evangelium bezeichnet – diese Aufgabe meistern.

 

· Jesus ruft sie nicht zusammen, sondern er sendet sie aus. Das heißt diese Jünger glauben schon an das was Jesus verkündet und sie sollen es weitertragen. Hinaus aus der Komfortzone, ja natürlich ist es einfach seinen Glauben zu leben, wenn man unter Gleichgesinnten ist. Aber genau da schickt Jesus sie weg.

 

· Jesus sendet sie zu zweit aus. Keiner der Jünger ist alleine unterwegs, sie haben jemanden, mit dem sie reden, weinen, lachen, sich motivieren und austauschen können. Als Einzelkämpfer:in kann es manchmal sehr schnell gehen, dass man frustriert und kraftlos ist. Geteiltes Leid ist halbes Leid und geteilte Freude ist doppelte Freude!

 

· Nachfolge, so wie es Jesus in dieser Bibelstelle sagt, bedeutet nicht nur glauben, sondern auch zu gehen, unterwegs zu sein, den nächsten Schritt zu wagen. Und dabei das Vertrauen zu haben, dass Gott an meiner Seite ist.

Was kann Nachfolge heute für uns bedeuten? Wir werden uns ja vermutlich nicht ohne Geld, ohne Vorräte, ohne Schuhe auf den Weg in die nächste Stadt machen, um in einem fremden Haus zu Arbeiten und zu Wohnen.

Ich lade euch ein, nachzudenken: Wer sind diese Menschen, zu denen Jesus dich sendet? Vielleicht ist es deine Familie, deine Kinder, Enkelkinder, Eltern, Großeltern. Oder an deinem Arbeitsplatz, ein Kollege, eine Kollegin wo du vielleicht mitbekommen hast, dass ihn/sie etwas beschäftigt. Oder die Nachbarin, die nie Besuch bekommt. Meistens fällt einem selbst gleich jemand ein, bei dem man sich längst schon einmal melden wollte oder übersehen hat, die letzte WhatsApp Nachricht zu beantworten.

Du brauchst kein perfekter Christ, keine perfekte Christin zu sein (das schafft übrigens niemand) – du brauchst nur bereit sein zu gehen. Und ich möchte dich heute dazu ermutigen, einen Schritt zu machen hin zu dem Menschen, der dir vorher in den Sinn gekommen ist. Wir werden am Ende jeder Heiligen Messe gesendet. „Gehet hin in Frieden“ wird uns zugesprochen und aufgetragen. Und heute bekommst du von mir noch einen zusätzlichen Auftrag: Mach ganz bewusst diesen Schritt hin zu dem Menschen, zu dem dich Jesus heute schickt.

 

Die 72 Jünger sind nicht nur Befehlsempfänger und Weitergeber. Sie haben Jesus persönlich kennengelernt. Sie sind seine Freunde geworden und leben aus dieser Beziehung. Und das wünsche ich dir. Dass du eine Freundin, ein Freund von Jesus wirst und aus dieser Beziehung lebst und das auch andere Menschen spüren lässt.

 

Nachfolge bedeutet: gehen, wo Jesus uns hinsendet. Freundschaft bedeutet: bleiben, wo Jesus uns begegnet.

Evangelium: Lukas 10, 1–9