Fr. 16.8.2024 Begräbnispredigt für Herrn Rudolf Biber (Pfarrer Hans Lagler)
Geschätzte Frau Biber! Liebe Eva!
Liebe Kinder, Schwiegerkinder, Enkel, Verwandte, Patenkinder, Bekannte, Freunde, Schulkameraden, Arbeitskollegen und Nachbarn von Herrn Biber!
Geschätzte Mitglieder der Senioren Steinakirchen!
Schwestern und Brüder in Christus!
Der Domplatz von Salzburg ist Jahr für Jahr im Sommer die eindrucksvolle Kulisse für den Jedermann. Vor über 100 Jahren schrieb der Dichter Hugo von Hoffmannsthal dieses beeindruckende Theaterstück. Der plötzlich bevorstehende Tod eines reichen Mannes namens Jedermann steht im Mittelpunkt des Spieles. Noch so tolle Inszenierungen dürfen aber die Grundbotschaft nicht verdunkeln. Es geht um die Zerbrechlichkeit des irdischen Lebens und die Begegnung mit Gott, wo Jedermann für seine Jahrzehnte auf Erden Rechenschaft ablegen muss. Alle, die dieses geistliche Spiel schon gesehen haben, setzen dann irgendwie innerlich berührt ihren Alltag fort, denn der Tod ist für Jedermann und Jederfrau tod-sicher.
Wir Menschen des 21. Jahrhunderts sind Weltmeister im Verdrängen. Krankheit, Leiden und den Tod wollen wir aus unserer Mitte verbannen. In der Welt der modernen Medien sind meistens nur junge, dynamische und erfolgreiche Menschen gefragt und zu sehen. Alles andere wird einfach verschwiegen und nicht beachtet so nach dem Motto “Die im Dunkeln sieht man nicht”.
Es ist aber ein großer Gewinn sich immer wieder mit der Endlichkeit des irdischen Lebens zu befassen, nicht nur in den Tagen um Allerheiligen und Allerseelen oder wenn der Aschermittwoch am Kalender steht. Der gezielte Blick auf unsere Sterblichkeit hilft uns Tag für Tag bewusster zu leben und für jede Stunde dankbar zu sein. Gestern haben wir das Hochfest Maria Himmelfahrt gefeiert. Irgendwann kommt auch die Stunde unserer persönlichen Himmelfahrt wenn unser irdisches Leben in das ewige gewandelt wird.
Wir sind heute beisammen um von Herrn Rudolf Biber Abschied zu nehmen. Sein plötzlicher Tod macht uns alle betroffen. Rudi wurde 30. März 1954 in Waidhofen an der Ybbs geboren. Dort empfing er eine Woche später am 6. April das Sakrament der Taufe. Seine Eltern hießen Franziska und Michael Biber.
Mit seinem Bruder Michael ist er am Haus Faschinggraben bei Maria Seesal in der Pfarre Ybbsitz aufgewachsen. Dort besuchte er in Waldamt die Schule. Es waren damals alle Kinder der acht Schulstufen in einer Klasse.
Ein großer Tag seiner Kindheit war der 26. Mai 1963, denn da konnte am Sonntagberg Firmung gefeiert werden. Nach der Schulzeit in Hohenlehen und dem Bundesheer begann er bei der Firma Tatzreiter als LKW-Fahrer. 42 Dienstjahre sollten folgen.
Rudi lernte seine Gattin Eva kennen. Am 6. Juli 1979 läuteten im kleinen Wallfahrtsort Maria Seesal die Hochzeitsglocken. Im Laufe der Jahre kamen die Kinder Kerstin, Alexander und Jochen auf die Welt. Heute gehören neben den Schwiegerkindern auch vier Enkel zur Familie. Es wurde das Haus in Edla übernommen und umgebaut.
Jesus bringt im Blick auf das Leben eines Menschen einen interessanten Vergleich. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. (Lk 6, 44) Wenn ein Obstbaum rund 70 Jahresringe zählt, dann ist sein Stamm fest geworden und in der breiten Krone dieses Baumes wachsen gute Früchte. Wir dürfen heute diese Früchte ernten und Herrn Biber danken, was er in seinem Leben an guten bewirken konnte.
Ein paar solcher Früchte darf ich aufzählen: Rudi war Elektriker, Fachmann für Satellitenfernsehen und Glasfaser, montierte Photovoltaikanlagen, liebte Faschingsverkleidungen, war über 100 mal Blutspender, Fotograf, arbeitete in der Pension bei einer Gerüstfirma und im Straßenbau, war Freund unserer Blasmusik, Plakatierer, unterstütze dich liebe Eva bei deiner wichtigen Aufgabe der Kirchenreinigung, und und und. Die Weihnachtsbeleuchtung seines Hauses war ihm sehr wichtig und dafür verwendete er viele viele Stunden.
Leider hat aber der einzigartige Lebensstil von Rudi seiner Frau und seiner Familie auch Sorgen bereitet. Aus dies soll in dieser Abschiedsstunde Platz haben.
Der Tod hat plötzlich wie beim Jedermann in Salzburg an die Lebenstür von Herrn Biber geklopft. Die vielfältige Ernte seines Lebens – diese zahlreichen Früchte – legen wir heute voller Trauer aber auch in Dankbarkeit Gott in die Hände. Amen
Lesung: Röm 12, 10 – 18 Evangelium: Lk 6, 43 – 45

