So. 05.04.2026 Die österlichen Füße (Pfarrer Hans Lagler)

Festlich versammelte Gottesdienstgemeinde!

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass gerade Füße in der Karwoche und in der Osterzeit eine ganz große Rolle spielen? Sehr gerne lade ich sie daher zu einer besinnlichen Wanderung durch diese heiligen Tage ein.

 

Da gibt es die Palmsonntagsfüße. Sie sind selbstbewusst und kräftig. Sie schreiten dahin von Erfolg zu Erfolg durch die jubelnde Menge. In dieser Leichtfüßigkeit spüren sie gar nicht welch große Last sie tragen.

 

Da gibt es die Gründonnerstagsfüße. Sie sind verlegen und zaghaft. Diese Füße werden öffentlich gewaschen und sie schämen sich ein wenig über ihr Aussehen. Als sie Jesus aber mit Wasser begießt und sie von ihm liebevoll berührt und abgetrocknet werden, fühlen sie sich wohl. Die Zehen bewegen sich als wollten sie Klavier spielen.

 

Da gibt es die Karfreitagsfüße. Sie sind kraftlos und doch stark. Sie tragen Schritt für Schritt die Last der Kreuze des Lebens. Sie zeigen Schrammen und bluten sogar an einigen Stellen. Solche Füße sind am Ende ihrer Kräfte.

 

Da gibt es die Karsamstagsfüße. Sie sind ans Ziel gekommen. Sie dürfen ausruhen und müssen nichts mehr leisten. Sie haben ihr Werk vollbracht. In solchen Füßen ist das Leben eingezeichnet.

 

Die Osterfüße hingegen zeigen ihre Lebendigkeit. Sie sprengen die Ketten des Todes und sind unterwegs zum Licht. Sie gehen mit den Suchenden und begleiten die Hoffenden. Sie springen hinein in das neue Leben.

 

Heute werden uns am Ostersonntag drei große Persönlichkeiten der Bibel mit ihren Füßen vorgestellt. Wir hören von Maria von Magdala die am ersten Tag der Woche frühmorgens in aller Ruhe zum Grab des Herrn unterwegs ist. (Joh 20, 1)

 

Wir erleben zwei Männer. In Gedanken sehen wir den Sprint den Petrus und der Jünger, den Jesus liebte hinlegen, um das diese sensationelle Nachricht mit ihren eigenen Augen überprüfen zu können. Diese namenslose Person ist schneller beim Grab als der erste Papst der Kirche. Während Petrus alles vom Kopf her wissenschaftlich begutachtet, lässt der andere sein Herz sprechen: Er sah und glaubte. (Joh 20, 8)

 

In Maria Magdalena und in Petrus sind jene Menschen gemeint, die von Anfang an Zeuginnen und Zeugen der Botschaft des Evangeliums waren. Sie beobachteten aufmerksam die Füße des Herrn, wie dieser umherzog und gutes tat und alle heilte die in der Gewalt des Teufels waren. (Apg 10, 38)

 

Und dann diese rätselhafte Person die keinen Namen trägt. Sie wird genannt, „der Jünger den Jesus liebte“, oder wortwörtlich übersetzt der mit Jesus freundschaftlich verbunden war. In ihm sieht die Kirche all die unzähligen Personen, die seit der Auferstehung des Herrn bis heute mit Jesus in Berührung gekommen sind. Ihre Füße begleiten das Volk Gottes auf dem Weg durch die Zeit. Sie erledigen voll innerer Freude ihre alltäglichen Aufgaben und in Familie und Beruf, denn sie spüren im Herzen, dass sie von Gott geliebt sind. Ihr unterwegs sein zu den Menschen in Not in ihrer nächsten Umgebung gibt ihrer Liebe zu Jesus Hand und Fuß. Ohne es oft zu merken machen sie so den Glauben lebendig und sichtbar.

 

Wie würden sie anhand dieser Gedanken nun ihre Füße beschreiben? Eilen ihre Füße gerade von Erfolg zu Erfolg wie am Palmsonntag? Werden ihre Füße liebevoll berührt wie am Gründonnerstag? Tragen ihre Beine den Karfreitag in sich weil sie am Ende ihre Kräfte sind? Spüren sie den Karsamstag in ihren Knochen? Füße, die nur ausruhen wollen? Alles darf da sein, denn die Kraft der Auferstehung schenkt neuen Mut und eine innere Leichtigkeit.

 

Diese Osterfüße werden von Jesus in eine unbekannte Zukunft geschickt, die doch von seiner Gegenwart bleibend geprägt wird. Er sagt uns mit großartigen Worten als Zielformulierung: „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern. Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geist. Lehrt sie alles zu befolgen was ich euch aufgetragen haben und seid gewiss: Ich bin bei euch bis zur Vollendung der Welt“ (Mt 28, 19f.) Amen

 

Lesung: Apg 10, 34 – 43 Evangelium: Joh 20, 1- 9