Fr. 13.02.2026 Begräbnispredigt für Frau Maria Teufl (Pfarrer Hans Lagler)

Geschätzte Trauerfamilien!

Liebe Verwandte, Nachbarn, Freunde und Bekannte der Verstorbenen!

Geschätzte Mitglieder des Fördervereines des Roten Kreuzes in Steinakirchen!

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Einmal kam der Tod über den Fluss, wo die Welt beginnt, so beginnt eine uralte Geschichte. Dort lebte ein armer Hirte, der eine Herde Gänse hütete. “Du weißt wer ich bin?”, fragte der Tod. “Ich weiß, du bist der Tod. Ich habe dich auf der anderen Seite des Flusses oft gesehen”, entgegnete der Hirte.

 

“Du weißt, dass ich hier bin um dich zu holen, um dich auf die andere Seite mitzunehmen?” “Ich weiß, aber das wird noch lange sein,” beteuerte der Gänsehirt. “Oder es wird nicht mehr lange sein. Sag, fürchtest du dich nicht?” sprach der Tod. “ Nein”, sagte der Hirt, “ich habe immer über den Fluss geschaut, seit ich hier bin, ich weiß ich wie es dort sein wird.” Gibt es nichts was du mitnehmen möchtest?“, wollte der Tod wissen. “Nichts, denn ich habe nichts.” Dann werde ich jetzt weitergehen und dich auf dem Rückweg holen. Brauchst du noch etwas, wünschst du dir noch was?”, fragte der Tod.

 

“Brauche nichts, hab alles”, meinte der Hirte. “Ich hab eine Hose und ein Hemd, und ein Paar Winterschuhe und eine Mütze. Ich kann Flöte spielen und das macht mich froh. Leider verstehen meine Gänse nicht viel von Musik.”

 

Als dann der Tod nach langer Zeit wiederkam, gingen viele hinter ihm her, die er über den Fluss der Zeit führen wollte. Einer schrie laut aus der Menge und jammerte: “Noch drei Jahre, nur noch drei Jahre hätte ich gebraucht und ich hätte noch fünf Häuser mehr besessen. So ein Unglück so ein verdammtes.” Er konnte sich mit seinem Tod nicht abfinden.

 

 

Als sie nun an den Fluss kamen, wo die Welt aufhört, saß dort der Hirt. Und als ihm der Tod die Hand auf die Schulter legte, stand er auf ging mit ihm ohne zu zögern über den Fluss, denn er hatte in seinem Leben Zeit genug hinüberzuschauen. Was mit den Gänsen geschah? Ein neuer Hirte kam.

 

Wenn wir auf die Lebensgeschichte von Frau Teufl blicken, dann stellen wir fest, dass wir heute von einer Frau Abschied nehmen müssen, der eine lange Zeit auf dieser Welt geschenkt wurde. Aber nun ist diese lange Zeit in Gott vollendet.

 

Blicken wir nun gemeinsam auf ihre bewegte Biographie zurück. Sie wurde am 5. Jänner 1940 im Hause Schaufler in Ochsenbach geboren. Der erste Weg ihres Lebens führte sie drei Tage später zum Sakrament der Taufe in unsere Pfarrkirche. Heute sind wir in unserem Gotteshaus versammelt um Frau Teufl auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Es liegen 86 Jahre dazwischen die von der Sorge um ihre Familie und ihrer Liebe zur Schneiderei geprägt waren.

 

Als Kind erlebte sie die Sorgen des Zweiten Weltkrieges. Ein großer Tag ihrer Glaubensgeschichte war der 9. Mai 1950 denn da konnte sie ihre Firmung feiern. In jungen Jahren kam sie in das Haus Knötzelbauer in den Dienst und sie war dann im Gasthaus Aigner in Steinakirchen tätig.

 

Sie lernte Herrn Franz Teufl aus Zarnsdorf kennen, den sie am 27. Juni 1964 in Maria Taferl heiratete. Zwei Kinder erblickten das Licht der Welt: Karl und Eva. Heute gehören auch drei Enkel und vier Urenkel zur Familie. Das Ehepaar baute unter großen Mühen in Felberach ein Haus.

 

Frau Teufl hat ein besonderes Talent; das war die Schneiderei. Für die Nachbarn und die Familie Gewand zu ändern oder zu nähen machten ihr große Freude.

 

1985 hatte sie gemeinsam mit Frau Anna Leyrer die Ministrantengewänder der Pfarre Steinakirchen geschneidert. Heute haben unsere Ministranten diese Gewänder an, da jetzt aber nur mehr an Tagen wie Palmsonntag

verwendet werden, wo wirklich alle Ministranten gemeinsam bei einer Feier dabei sind. Vor einigen Jahren wurden die Kinder und Jugendlichen mit neuen Gewändern ausgestattet. Puppengewänder stellte sie besonders gerne her. Beim Flohmarkt des Fördervereines des Roten Kreuzes war sie ebenfalls aktiv.

 

Der Rückhalt im christlichen Glauben zählte zu ihren Haltegriffen im Leben. Die Mitfeier der heiligen Messe in unserer Pfarrkirche war ihr ein großes Anliegen. Als das Gehen immer beschwerlicher wurde, bekam sie die hl. Kommunion zu ihrer Kirchenbank und später ins Haus gebracht. Da leuchteten ihre Augen.

 

Nach dem Tod ihres Gatten und dem Sterben ihres Sohnes Karl wurde es ruhiger um Frau Teufl, da sie selber nicht mehr so gesund war. Mit Unterstützung von Enkelin Tanja, dem Hilfswerk, der Familie Eder vom Elternhaus und einer 24-Stunden Betreuung. Die letzten Monate ihres Lebens verbrachte sie im Pflegeheim Scheibbs. Herzlichen Dank allen, die Frau Teufl in dieser Zeit besucht und betreut haben.

 

Nun kam für Frau Teufl der Tag, wo der Tod seine Hand um ihre Schulter legte und sie über den großen Fluss führte. Der heilige Franz von Assisi nennt den Tod sogar Bruder Tod, weil er den Tag des Sterbens in seinem Leben oft überdacht hat.

 

Für uns Christen ist der Tod kein Schreckgespenst, sondern Wendepunkt im Leben. Wir werden am Tag des Todes hineingeboren in das ewige Leben und befreit von allen irdischen Sorgen. Der Erzengel Michael, der ja auf unserem Hochaltarbild dargestellt ist, führt uns über den Fluss der Zeit hinein in die Ewigkeit. In dieser christlichen Hoffnung nehmen wir von Frau Teufl Abschied. Gott möge sie mit der Freude des ewigen Lebens beschenken. Amen.

Lesung: Jes Sir 42, 15 – 21 Evangelium: Mt 11, 25 – 30