So. 01.02.2026 Nehmt Gottes Melodie in euch auf (Pfarrer Hans Lagler)

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Sie haben ihren fixen Platz bei den heiligen Messen am Allerheiligentag, denn schon ein Gedanke reicht aus, um damit ein ganzes Leben zu füllen. Die Rede ist von den Seligpreisungen. Diese neun Verse der Bibel, die immer mit dem Wort „Selig“ beginnen sind der Auftakt zur großartigen Bergpredigt des Herrn. (Mt 5, 1 – 12)

 

Jesus stellt damit seine Botschaft vor. Es ist sein Programm, für das er lebt. Es ist sein Evangelium für das er sogar zu sterben bereit ist. Es ist seine Vision die durch seine Auferstehung von Gott dem Vater eindrucksvoll bestätigt wird.

 

Schon um das Jahr 110 findet der heilige Ignatius von Antiochien ein großartiges Bildwort für diesen anspruchsvollen Lebensstil der Christen. Er schreibt in einem Brief: Nehmt Gottes Melodie in euch auf!

 

Wir alle haben unsere Lieblingslieder. Es sind Gesänge, die wir immer wieder hören und die sich als Ohrwurm in unserem Gehirn verankert haben. Da braucht es die Wiederholung, damit die Musik uns vertraut wird und auch bleibt. So ist es mit dem christlichen Glauben. Diese Melodie Gottes möchte unser Leben mit der Welt von heute in Berührung bringen, damit mancher Missklang stiller wird oder gar verschwindet. Das ist unser konkreter Auftrag, denn wir tragen füreinander Verantwortung. Auf dieser Weise sind wir ein Ton in Gottes Melodie.

 

Wenn Menschen nach Gerechtigkeit dürsten und hungern, dann dürfen wir nicht wegschauen. (Mt 5,6) Das persönliche Gebet und die Mitfeier der heiligen Messe geben uns die Kraft diese leisen zaghaften Melodien zu hören. Da wird im beruflichen Leben ein Lehrling immer

lächerlich gemacht, weil er seine Arbeit noch nicht richtig macht. Hier gilt es wachsam zu sein und mutig einzugreifen, wenn es notwendig ist. Nehmt Gottes Melodie in euch auf.

 

Dort tauscht man in gemütlicher Runde manche Neuigkeiten aus der Nachbarschaft aus. Leider wird nur das negative erzählt. Das Gerade wird vielleicht auch noch mit zusätzlichen lieblosen Kommentaren verstärkt. Da braucht es Anwälte des Lebens, welche in die Diskussion neue Standpunkte einbringen. Nehmt Gottes Melodie in euch auf.

 

Diese Melodie Gottes hat sozusagen einen kleinen Kopf. Sie dringt wie Wasser überall ein, wenn sie wo eine offene Stelle findet. Wie sehr dieser Gesang des Himmels einen Menschen verändern kann, wird uns an der Person des Apostels Paulus dargestellt. Er, der zuerst die Christen verfolgt hat und sich rühmte für die Steinigung des Diakons Stephanus verantwortlich gewesen zu sein (Apg 7,58) wird auf dem Weg nach Damaskus vom hohen Ross geworfen. (Apg 9)

 

Als er auf der Nase liegt, vernimmt Paulus die Stimme des Herrn: Warum verfolgst du mich? (Apg 9,4) Aus dem Verfolger der Christen wird der Völkerapostel, der die Botschaft des Evangeliums wie Saatkörner in vielen Ländern ausstreut. Paulus erkennt, dass Gott das Schwache, das Niedrige, ja sogar das Verachtete für sich verwendet und großes damit bewirkt. (1 Kor 1, 28)

 

Meiner Meinung nach brauchen aktuell prominente Persönlichkeiten, die wichtige Länder regieren, dringend unser Gebet, damit der Geist der Seligpreisungen ihre Einstellung verändert. Sie gleichen trotzigen Kinder in einer Schulklasse, die meinen zu wenig Aufmerksamkeit zu bekommen. Sie sind einfach schlimm, damit sich die Umgebung mit ihnen beschäftigt. Liebe Herren im Moskauer Kreml und im Weißen Haus und überall auf der ganzen Welt – Nehmt Gottes Melodie in euch auf.

 

Heute werden wir wieder neu mit dem Geist der Seligpreisungen vertraut gemacht. Hören wir gut zu, denn dieser leise Gesang des Himmels kann die Welt verändern. Amen

Lesung: 1 Kor 1, 26 – 31 Evangelium: Mt 5, 1 – 12 a