So. 21.12.2025 Glaubenszeugnis – 4. Adventsonntag (Veronika Prüller-Jagenteufel)
Haben Sie schon alle Weihnachtsgeschenke gekauft, verpackt, verschickt? Und alle Wunschzettel geschrieben? Welcher Typ sind Sie: Lassen Sie die anderen wissen, was sie sich wünschen? Oder werden Sie lieber überrascht? Das Wünschen ist ja nicht immer so einfach; da kann man sich fragen: Darf ich mich auf die Großzügigkeit eines anderen verlassen und einfach sagen, was ich gerne hätte? Oder ist das ungehörig, weil es den anderen unter Druck bringt? Und sollten die, die mich kennen, nicht eh schon von selber wissen, worüber ich mich freuen würde? Und vielleicht kennen Sie den Spruch: „Pass auf, was Du Dir wünscht – es könnte in Erfüllung gehen.“ Das ist so eine Aufforderung, sich ehrlich zu fragen: Was will ich wirklich – und ist das, was ich mir jetzt gerade wünsche, auch wirklich gut?
Auch in der heutigen Lesung ist es ums Wünschen bzw. Bitten und um ein Geschenk gegangen. Die Lesung war ja nicht so leicht zu verstehen, weil sie nur einen Ausschnitt aus einer längeren Geschichte bringt. Da war von einem König Ahas, dem König von Jerusalem, die Rede; und der darf sich von Gott etwas wünschen. Dieser König Ahas ist in einer schwierigen politischen Situation. Seine unmittelbaren Nachbarländer wollen ihn zu einer Koalition gegen die Bedrohung durch das mächtige Großreich Assur überreden; Ahas aber überlegt, dass er vielleicht besser davonkommt, wenn er sich mit dem König von Assur arrangiert und sich unter den Schutz dieses Großreiches stellt und seine eigenen Nachbarn im Stich lässt.
Gott bietet in dieser Situation Ahas ein Zeichen an – als Hilfe und Hinweis, wie er sich entscheiden soll. Ein solches Zeichen ist ein Geschenk; darum bitten zu dürfen, ist ein Privileg – das ist ja super, so eine Entscheidungshilfe anrufen zu dürfen; das wünschen wir uns ja auch manchmal: Bitte lieber Gott zeig mir, was ich tun soll … Aber Ahas lehnt ab! Er will nicht um dieses Zeichen bitten. Seine Ablehnung bringt er so vor, dass sie ganz fromm und bescheiden klingt: „Ich will Gott ja nicht unter Druck setzen.“ Aber eigentlich – das geht aus dem Gesamtzusammenhang der Geschichte klar hervor – eigentlich möchte Ahas gar nicht wissen, was Gott von ihm will. Denn er hat sich längst entschieden und spürt zugleich ziemlich genau, dass Gott seine Entscheidung nicht gutheißen wird und von ihm etwas anders gewollt hätte. Das will er nicht auch noch deutlich gesagt kriegen. König Ahas wendet sich also von Gott ab und dem Großreich Assur zu. Er weiß, dass das auch einen Abfall von Gott bedeutet, weil er mit dem Schutz des Großreiches auch dessen Religion übernehmen muss.
In der Lesung war das Aufseufzen Gottes zu hören, ein tiefer Seufzer über seinen untreuen König. Aber Gott bleibt seinem Volk treu und verlässt es nicht; vielmehr gibt er ihnen von sich aus ein Zeichen: Eine junge Frau, eine Jungfrau, wird einen Sohn gebären, der wird Immanuel heißen: Das bedeutet „Gott mit uns“. Ich höre da: Gott gibt seinem Volk für die Zukunft nach dem untreuen König eine neue Chance. Er fängt mit den Seinen wieder ganz neu an – schenkt aus einer Jungfrau heraus einen Hoffnungsträger – einen ganz neuen Anfang. Diese Verheißung sehen wir Christen und Christinnen in der Geburt von Jesus Christus erfüllt. Und so gilt diese Zusage auch für uns heute: Gott bleibt ein Gott mit uns. Egal, wie sehr wir uns verrannt haben. Er gibt uns immer wieder eine neue Chance.
Im Evangelium haben wir dann von Josef gehört; auch der ist in einer schwierigen Situation: Seine Verlobte ist schwanger und das nicht von ihm. Was soll er tun? In einem Traum erkennt er einen klaren Hinweis, worum es geht. Und Josef nimmt dieses Zeichen an und handelt danach. Josef hat ein gutes Gespür für das, was vor Gott recht und richtig ist, und er macht sein Herz auf. Der König Ahas hat auch gespürt, was Gott will, und sich hat sich trotzdem verweigert.
Ich denke, wir können uns aus diesen beiden Bibeltexten heute zweierlei Ermutigung mitnehmen: Erstens: den Mut, dem trauen, was wir in uns als tiefes Wissen in der Seele spüren. Oft ist es ja so, dass auch wir innerlich spüren, was in einer bestimmten Situation von uns gefordert wäre – und manchmal trauen wir uns nicht oder wollen einfach nicht darauf hören; manchmal kommt uns da Angst oder Bequemlichkeit oder Egoismus in die Quere. Und nicht immer sind die Zeichen, die wir spüren, so deutlich wie beim Josef, aber jedes Mal, wenn wir es wagen, dieser Stimme unseres Gewissens, der göttlichen Stimme in uns zu folgen, dann wird sie stärker und klarer. Und wir dürfen ihr vertrauen, denn sie führt uns jedenfalls auf einen guten Weg.
Und zweitens höre ich die Ermutigung, gut zu wünschen: Wir dürfen mit allen unseren Wünschen zu Gott kommen, gerade auch mit den großen Wünschen nach Frieden und nach Gerechtigkeit auf der Welt oder in der eigenen Familie oder der eigenen Seele. Vor allem dürfen wir ohne Scheu Gott immer wieder bitten um Zeichen der Wegweisung und der Orientierung in schwierigen Situationen. Gott seufzt nicht über unsere Wünsche und Bitten, sondern dann, wenn wir uns – oft wider besseres Wissen – von Gott abwenden und gar nicht mehr wissen und gar nicht mehr darüber nachdenken wollen, was vor Gott gut und recht wäre.
Und gut und recht ist, so glaub ich, immer: das Herz öffnen und auf den Gott vertrauen, der als schwaches Kind mitten unter uns ist und der uns besonders in allem Schwachen und Kleinen entgegenkommt. Und ich glaube, es gibt etwas, was dieser Gott sich von uns wünscht – zu Weihnachten und das ganze Jahr: nämlich dass wir ihm die Treue halten und wie der Hl. Josef einfach gütig und hilfsbereit sind.
Lesung: Jes 7,10-14
Evangelium: Mt 1,18-24

