Mo. 8.12.2025 Gott führt sein Volk auf dem Weg durch die Zeit (Pfarrer Hans Lagler)
Festlich versammelte Gottesdienstgemeinde!
Schwestern und Brüder in Christus!
Heute vor genau 60 Jahren, also am 8. Dezember 1965, blickte die ganze Welt nach Rom. Mit einer feierlichen Messe ging an diesem Tag das Zweite Vatikanische Konzil zu Ende. 2400 Bischöfe aus allen Kontinenten nahmen an dieser Schlussveranstaltung teil.
Was war passiert? 1959 hatte der schon schwer kranke Papst Johannes XXIII angekündigt, dass er alle Bischöfe der Welt zu Besprechungen nach Rom einladen möchte. Die Behörden des Vatikans hatten schnell die Dokumente vorbereitet und man meinte in ein paar Wochen sei dieses Ereignis auch schon wieder vorüber.
Diese Versammlung begann mit einem gewaltigen Schock. Die Bischöfe der Weltkirche lehnten die vorbereiteten Papiere ab und verlangten eine Neufassung. Jetzt kam die Stunde der Theologen, denn jeder Bischof konnte sich zu diesen Beratungen einen Experten mitnehmen, der in Fragen des Glaubens neue Gedanken einbringen konnte.
Bei dieser Abschlussmesse am 8. Dezember 1965 wurden alle Beschlüsse veröffentlicht und es traten Neuerungen in Kraft, welche das kirchliche Leben vor Ort gewaltig verändern sollten.
Bis zu diesem Tag wurden beispielsweise alle heiligen Messen auf der ganzen Welt in lateinischer Sprache gefeiert. Nur die Lieder waren in der Volkssprache. Jetzt war es möglich alle Gottesdienste in der Landessprache zu feiern. Es mussten daher alle kirchlichen Bücher neu geschrieben werden. Mit 1. Adventsonntag 1969 war es dann so weit, dass dieser Beschluss Wirklichkeit wurde.
Ein weiterer Schritt war die Zusammenarbeit aller christlichen Kirchen. Die Einheit der Christenheit war ja durch die Jahrhunderte zerfallen. Katholische, evangelische oder orthodoxe Kirchen standen sich als Feinde gegenüber.
Bis dahin gab es in der katholischen Priesterausbildung einen Gegenstand der hieß: Kontroverstheologie. Man lehrte den Studenten immer den Unterschied zwischen den christlichen Gemeinschaften und betonte den Herrschaftsanspruch des Papstes in Rom über die ganze Christenheit. Auf einmal trat das ganze Gegenteil in Kraft: Diese sichtbare Einheit der gesamten Kirche ist nicht mehr der Papst sondern Jesus Christus selber. Auf ihn gilt es zu schauen und man betonte die Gemeinsamkeiten der Kirchen und die Gleichrangigkeit vor Gott.
Als sichtbares Zeichen wurde der Kirchenbann vom Jahr 1054 aufgehoben. Damals warfen sich der Papst in Rom und der Patriarch von Konstantinopel vor, dass der andere nicht mehr christlich denkt und sprachen sich gegenseitig den Glauben ab. Es kam zu einer Umarmung von Papst Paul VI mit dem höchsten Vertreter der Patriarchen und viele Bischöfe weinten bei diesem historischen Moment.
Papst Paul VI stellte sich unerwartet mit einem kostbaren Geschenk ein. Er übergab die Kopfreliquie des heiligen Apostels Andreas. Sie wurde bei einem Kreuzzug im Mittelalter gestohlen und nach Rom mitgenommen. Der Heilige Vater gab sie nach 800 Jahren wieder zurück. Wie sich der Papst in Rom nämlich als Nachfolger des Apostel Petrus bezeichnet, so hat der Patriarch von Konstantinopel den Apostel Andreas als seinen Ausgangspunkt. Diese Kopfreliquie war dafür das sichtbare Zeichen und kam wieder zurück. Jetzt weinten die Bischöfe der Ostkirchen.
Aber auch auf mit dem Blick auf Welt gab es eine große Veränderung. Bis dahin war es das Bestreben, dass ein katholischer Christ mit der modernen Welt nicht in Berührung kommen durfte, denn überall lauerte die Sünde. Auch hier kam es zu einer Kehrwende. Einer der wichtigsten Sätze dieser bischöflichen Versammlung lautet: Freude
und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi!“
Heute durfte ich mit Ihnen einen kleinen Ausflug in die Kirchengeschichte machen, denn vor genau 60 Jahren am Hochfest Maria Empfängnis am 8. Dezember 1965 ging das Zweite Vatikanische Konzil zu Ende. Zahlreiche Beschlüsse sind wegweisend und stellen dankbar fest, dass Gott selber es ist, der sein Volk auf dem Weg durch die Zeit führt. Amen
Lesung: Eph 1, 3 – 6 Evangelium: Lk 1, 26 – 38

