Do. 25.12.2025 Wenn aus Weinnacht – eine Weihnacht wird (Pfarrer Hans Lagler)

Festlich versammelte Gottesdienstgemeinde!

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst!

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Nun ist es wieder da das Fest alle Feste – Weihnachten steht am Kalender. Diese Nacht, die durch die Geburt des Herrn im Stall von Bethlehem geweiht ist, berührt die Herzen der Menschen. Die Faszination dieser besonderen Tage strahlt in den Augen der Kinder.

 

Mit den Erfahrungen des Jahres 2025 gehen wir alle wieder zur Krippe. Für manche von uns sind die vergangenen zwölf Monate eine großartige Zeit gewesen. Vielleicht hat jemand heuer die Partnerin/den Partner fürs Leben gefunden, ist Papa oder Mama, Oma oder Opa geworden. Es wurden Lehrabschlussprüfungen gemeistert und erfolgreich Maturaarbeiten geschrieben oder runde Geburtstage gefeiert; all das lässt uns mit innerer Zuversicht zur Krippe gehen.

 

Leider gibt es auch das Gegenteil. Wie viele Menschen stehen heuer traurig vor dem Jesuskind, weil ein Platz am Tisch der Familie leer geworden ist, oder gesundheitliche Sorgen die Freude rauben.

 

Meiner Meinung nach ist beim Wort Weihnachten ist dieses stumme h so wichtig. Aber lassen wir es mal weg, dann entstehen Sichtweisen die uns mit der Realität des Lebens noch enger in Berührung bringen.

 

Für zahlreiche Personen ist die Weihnacht eine Weinnacht. Sie brauchen viele Taschentücher. Da wird auf einmal das Alleinsein zur Einsamkeit. Da werde ich an liebe Menschen erinnert, die gerade in diesen Tagen besonders fehlen. Die Trauer ist die Schwester der Liebe. Wenn heuer über ihre Wangen Tränen fließen, dann kann dies der Anfang der Heilung sein. Jesus ich bringe dir meine Sorgen. Sie sind sozusagen meine Geschenke an dich.

 

Für zahlreiche Personen ist die Weihnacht eine Weinnacht. Gluck Gluck. Wenn der religiöse Charakter des Festes immer mehr in den Hintergrund tritt, dann sind auf einmal andere Maßstäbe da. Natürlich sind an solchen Festtagen besondere Speisen wichtig, aber das gute Essen soll die Freude über die Geburt des Herrn ausdrücken und festigen. Wird Weihnachten nur auf ein besonderes feines Abendessen mit Bescherung reduziert, dann trocknet unsere Seele aus. Alkohol kann diesen Hunger nach wahrer Liebe und echter Wertschätzung nicht stillen.

 

Schon vor über 300 Jahren hat zu diesem Thema der Wiener Hofprediger Abraham a Santa Clara eine bewegende Predigt gehalten. Er verbindet das Lebensgefühl der Barockzeit mit der Feierkultur seiner Zeit und zeigt die Gegensätze auf. Ich darf ihn zitieren und zum Verständnis zuerst darauf hinweisen, dass bis 1969 das Fest des Apostels Thomas am 21. Dezember gefeiert wurde.

 

Stellen sie sich diesen Prediger vor, wie er von der Kanzel wettert:

+ Am Thomastag sollst du die Seiten Christi verehren, und du gehst lieber mit deinen Saufgesellen auf die Seiten.

+ Vor allem sollst du mit sonderen Eifer die Festtage der Geburt Christi zubringen, aber für dich wird die Weihnacht zur Weinnacht. Bei dir ist wahr wo man zu Pfingsten die Apostel bezichtigt, sie sind vom süssen Wein betrunken.

+ Am Fronleichnamstag gehst du Vormittag bei der Prozession mit und nachmittags prozessierst du mit dem Wirt wieviel Gläser du wirklich getrunken hast.

 

Ich liebe die barocke Sprache dieses Priesters und seinen deftigen Humor.

 

Weihnachten – wie würden Sie ganz ehrlich für sich diesen Begriff heuer schreiben? Ist es für Sie diese geweihte Nacht, in der Jesus zur Welt kommt? Ist es für Sie eine Weinnacht, weil Sie viele Sorgen quälen, die gerade jetzt ihr Herz traurig machen? Ist es für sie eine Weinnacht gluck gluck, wo nur Essen und Trinken wichtig sind, aber das gemeinsame Gebet und das Kind in der Krippe keinen Platz mehr haben?

 

Wenn wir die Botschaft des Evangeliums ernst nehmen, dann wird der Herr in diese unsere Welt hineingeboren. Seine verborgene Gegenwart macht jede Weinnacht der Taschentücher und jede gluck-gluck-Weinnacht zur wahren Weihnacht, denn Jesus ist immer bei uns bis zur Vollendung der Welt. Das Kind in der Krippe ist dafür ein wichtiger Hinweis. Amen

Lesung: Jes 52, 7 – 10 Evangelium: Lk 2, 15 -20