Mo. 24.11.2025 Begräbnispredigt für Frau Hedwig Bruckner (Pfarrer Hans Lagler)

Geschätzte Trauerfamilien!

Liebe Kinder, Schwiegerkinder, Enkel, Urenkel und Ururenkel!

Geschätzte Verwandte, Patenkinder, Freunde, Bekannte und Nachbarn der Verstorbenen!

Liebe Mitglieder der Senioren von Wang!

Geschätzte Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst! Schwestern und Brüder in Christus!

 

Mutter Teresa von Kalkutta gab nur sehr selten Interviews. Sie fand die Reporter lästig und Fotos von ihr zu machen war ihr unangenehm. Einem italienischen Journalisten war es aber doch möglich diese großartige Persönlichkeit einige Tage begleiten zu dürfen.

 

Am Tag vor seiner Abreise nahm sich Mutter Teresa sogar eine Stunde Zeit um mit ihm ausführlich zu sprechen. Der Reporter fragte sie: „Mutter Teresa, haben sie eigentlich Angst vor dem Tod?“ Die kleine zierliche Ordensfrau schaute ihm einige Momente still in die Augen und stellte eine Gegenfrage: “Junger Mann, wo wohnen sie?” “In Mailand”, kam als Antwort. “Und wann kehren sie von Indien nach Italien zurück?” “Ich hoffe, dass ich heute Nacht noch abreisen kann. Ich freue mich auf meine Frau und meine zwei Kinder, die schon auf mich warten.”

 

Mutter Teresa war wieder ein paar Augenblicke ganz ruhig und dann sprach sie: “Wissen sie, wenn ich einmal sterbe, werde ich mich genau so freuen wie sie heute, denn ich weiß ich komme nach Hause. Ich werde Jesus begegnen und in Gottes ewigen Frieden geborgen sein. Ich werde im Paradies viele Menschen, die ich liebe, wieder sehen. Tausende sind in meinen Armen gestorben und sie alle warten auf mich. Welch eine Freude, ja welch ein Fest wird dies sein. So möchte ich ihnen einfach sagen: Ich erwarte freudig den Tag meines Todes, weil ich dann endlich nach Hause komme.” Der Reporter schloss sein Notizbuch und flog nachdenklich in seine Heimat zurück.

 

Ich erwarte freudig den Tag meines Todes, weil ich dann endlich nach Hause komme. Diesen starken Gedanken von Mutter Teresa möchte ich gerne in den Mittelpunkt dieser Begräbnispredigt stellen und ihn mit der Lebensgeschichte von Frau Bruckner verbinden.

 

Sie wurde am 22. Juli 1939 im Haus Windischberg in Brettl geboren. Sie war das sechste Kind ihrer Eltern Franziska und Franz Teufel. Einen Tage später konnte in der Pfarrkirche Gaming das Fest der Taufe gefeiert werden.

 

Als kleines Mädchen erlebte sie die schwere Zeit des Zweiten Weltkrieges. Ein großer Tag ihrer Kindheit war der 1. Juni 1947, denn da konnte in Gresten ihre Erstkommunion gefeiert werden. Die Basilika am Sonntagberg ist ihre Firmungskirche.

 

Nach der Schulzeit in Gresten und dem Besuch einer Fortbildungsschule für die Arbeit in der Landwirtschaft war sie im Elternhaus beschäftigt. Sie lernte ihren Gatten Johannes Bruckner kennen, den sie hier in unserer Pfarrkirche von Steinakirchen am 23. April 1963 heiratete. Nun wurde das Haus Plankenlehen am Lonitzberg ihre neue Heimat. Dieser Hof ist durch die Hanglage mühsamer zu bewirtschaften als viele andere Betriebe in der Pfarre. Dr. Friedrich Schragl schreibt, dass euer Haus zum ersten Mal schon im Jahr 1347 urkundlich erwähnt wird. Das junge Ehepaar schenkte sechs Kindern das Leben. Heute gehören neben den Schwiegerkindern auch 15 Enkel und 21 Urenkel und 1 Ururenkel zur Familie.

 

Die Jahre vergingen in der Sorge um ihre große Familie und ihren landwirtschaftlichen Betrieb. Lesen, Stricken und sticken waren ihre Hobbies. Nach dem Tod ihres Gatten im Jahre 1999 machte sie den Führerschein um so auch selbständig unterwegs sein zu können.

 

Namens der Pfarrgemeinde danke ich ihr für die treue Mitfeier der heiligen Messe am Sonntag. Mit ihrer Tochter Marianne war sie da immer unterwegs. Frau Bruckner nahm auch an großen Wallfahrten teil. Sie führten sie nach Lourdes, Rom, ins Heilige Land und nach Medjugorje.

 

Die letzten Monate waren jetzt mühsam für Frau Bruckner. Ein Vergelts Gott allen die sie in dieser besonderen Zeit

gepflegt, betreut und besucht haben. . Nun ist sie im 87. Lebensjahr nach einem arbeitsreichen und sorgenvollen Leben – gestärkt mit den Sakramenten der Kirche – von Gott abberufen worden.

 

Ein Wort des Herrn ging nun in Erfüllung. “Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt, ich werde euch Ruhe verschaffen.” (Mt 11,29) Die Verbundenheit mit Jesus im Gebet schenkt inneren Frieden hier auf dieser Welt und wenn die Zeit dafür reif ist die ewige Ruhe. Diesen himmlischen Frieden wünschen wir ihr.

 

„Ich erwarte freudig den Tag meines Todes, weil ich dann endlich nach Hause komme“, so denkt Mutter Teresa über dieses große Geheimnis des Sterbens nach. In der Hoffnung, dass nun Frau Bruckner in der himmlischen Heimat geborgen ist, legen wir ihr langes Leben in die Hände Gottes. Amen

 

Lesung: Jes 40, 6 – 8 Ich habe dich in meine Hand geschrieben

Evangelium: Mt 11, 29 ff. Kommt alle zu mir die euch plagt