Mi. 26.11.2025 Begräbnispredigt für Herrn Franz Knapp (Pfarrer Hans Lagler)
Geschätzte Frau Knapp! Liebe Gerti!
Liebe Kinder, Schwiegerkinder und Enkel!
Geschätzte Verwandte, Patenkinder, Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen, Schulkameraden und Bekannte des Verstorbenen!
Liebe Ortsgemeinschaft von Wolfpassing!
Schwestern und Brüder in Christus!
Ein König hatte jahrzehntelang sein Reich regiert und war nun alt geworden. Er wollte einen seiner beiden Söhne als Nachfolger ernennen. Da er beide gleich gern hatte, stellte er ihnen eine Aufgabe. Der Landesfürst sagte zu ihnen: “Ich schicke euch jeweils in ein Dorf. Ihr habt einen Monat Zeit um Spuren zu hinterlassen. Nach Ablauf dieser Zeit werde ich euch in den beiden Orten besuchen um eure Spuren zu besichtigen.” Die zwei jungen Männer packten ihre Sachen und gingen auf die Reise zu den für sie bestimmten Ansiedlungen.
Der ältere Sprössling schickte schon am nächsten Morgen einen Diener zu seinem Vater und ließ ihm sagen: “Vater, du kannst schon kommen und dir meine Spuren ansehen.” Als der alte König in dem Dorf ankam, sah er brennende Häuser und tote Menschen auf den Straßen liegen. Es gab nur Spuren der Verwüstung zu sehen.
Als der vereinbarte Monat vorüber war, kam der Vater in das Dorf des jüngeren Sohnes. Die Leute saßen am Marktplatz, Musik und Kinderlachen war zu hören. Der alte König entdeckte seinen Sohn inmitten von vielen Leuten. Die Ortsbewohner liefen auf den betagten Herrscher zu und erzählten ihm freudestrahlend wie sich der junge Prinz um sie bemüht hatte. Alle hatten diesen prominenten Gast von Herzen lieb gewonnen. Der jüngere Sohn hatte Spuren der Liebe und der Wertschätzung in den Herzen der Menschen hinterlassen. Nun wusste der alte König wer sein Nachfolger werden sollte.
Dieses Märchen aus Afrika soll uns eine Hilfe sein um das Leben von Herrn Knapp besser zu verstehen. Er war so wie dieser jüngere Sohn, der sich um die Menschen sorgte, mit denen er im Alltag seines Lebens zu tun hatte.
Franz wurde mitten im Zweiten Weltkrieg geboren. Sein erster Weg führte ihn 10 Tage nach seiner Geburt zum Sakrament der Taufe hier in unsere Pfarrkirche, die am 2. Dezember 1943 gefeiert wurde. Heute sind wir in unserem Gotteshaus beisammen um Franz auf seinem letzten Weg zu begleiten. Es liegen 82 Jahre dazwischen die von der Sorge um seine Familie und seinem Beruf als Bauarbeiter geprägt waren. Ein großer Tag seiner Kindheit war der 31. Mai 1955, denn da konnte er seine Firmung feiern.
Hier in dieser Kirche heiratete er am 16. Februar 1974 seine Frau Gertrude, seine Gertl wie er dich immer nannte. Über sein Leben wird ja noch in einer eigenen Ansprache berichtet.
Herr Knapp war mit vielen Talenten beschenkt. Als Handwerker war er überall ein gefragter Mann. Übrigens stammt dieser alltägliche Begriff Talent aus dem Matthäusevangelium. Es war damals eine Gewichtseinheit. Den Dienern wurden unterschiedliche Talenten Silbergeld anvertraut. (Mt 25, 14 ff.)
In Trauer aber auch in Dankbarkeit sind wir heute um die Urne von Herrn Franz Knapp versammelt. Wir alle tragen seine Spuren der Liebe und der Wertschätzung in unseren Herzen. Der dreifaltige Gott möge ihn nun mit der Freude des ewigen Lebens beschenken. Amen
Lesung: Jes 40, 6 – 8 Evangelium: Mt 25, 14 -17


