Mi. 12.11.2025 Begräbnispredigt für Manfred Dorninger (Pfarrer Hans Lagler)
Geschätzte Frau Dorninger, liebe Rosemarie!
Liebe Kinder, Schwiegertochter und Enkel!
Geschätzte Geschwister, Verwandte, Patenkinder, Nachbarn, Arbeitskollegen, Freunde und Bekannte des Verstorbenen!
Schwestern und Brüder in Christus!
Für meinen Dienst als Priester durfte ich nach meinem Theologiestudium sozusagen bei Pfarrer Franz Kronister in Purgstall in die Lehre gehen. Das ist jetzt schon viele Jahre her. In dieser Zeit man schrieb das Jahr 1996 wurde – wie vor zwei Jahren – die Purgstaller Pfarrkirche außen renoviert. Am Kirchturm musste das Turmkreuz neu vergoldet werden. Bei diesen Arbeiten nahm man das historische Turmkreuz herunter.
Nach alten kirchlichen Brauch werden in einer Turmkreuzkugel Dokumente und Münzen aus der Zeit der letzten Renovierung des Kreuzes verwahrt. Es war daher ein spannender Augenblick als diese schon sehr schadhafte Kugel aufgeschnitten wurde. Bei diesem historischen Moment durfte ich dabei sein. Es fanden sich zahlreiche Dokumente und kleine Gegenstände, die von den Leuten bei der letzten Renovierung dieses Kreuzes, die über 150 Jahre zurücklag, hinein gegeben wurden. Ein so ein kleines Dokument möchte ich vorlesen, denn diese Zeilen sind der Grund, warum ich dieses Erlebnis schildern wollte. Auf einem Zettel stand:
Juliana Gruber spendet diese Münze im 18. Jahr meines Zeltens auf dem Hause Nr. 5 im inneren Markt. Eine sehr interessante Formulierung: Im 18. Jahr meines Zeltens auf dem Haus Nr. 5. Wenn wir über diese Formulierung nachdenken, dann merken wir, dass diese Frau Recht hat. Wir zelten nur in unseren Häusern und Wohnungen. Einmal kommt der Tag wo wir alles zurücklassen müssen.
Dieser Zettel und diese Münze wurden wieder gut verwahrt. Mit allen anderen kleinen Dokumenten aus Renovierungsjahren vergangener Jahrhunderte und mit neuen Gegenständen aus dem Jahr 1996 kamen sie wieder hinauf in die neue Turmkreuzkugel von Purgstall.
Wir zelten nur in unseren Häusern und Wohnungen. Das wird uns immer neu bewusst, wenn wir so wie heute von einem lieben Menschen Abschied nehmen müssen.
Der hl. Paulus verwendet in seinen Briefen diesen Vergleich des Zeltes um auf die Vergänglichkeit unseres Lebens hinzuweisen. “Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, dann haben wir eine Wohnung von Gott, ein nicht von Menschenhand errichtet ewiges Haus im Himmel.” (2 Kor 5, 1) Er hat das Leben der Schafhirten im Hinterkopf, die mit ihren Herden durch das Land ziehen und in einfachen Zelten übernachteten. Der heilige Paulus war ja von Beruf Zeltmacher.
Paulus beschreibt mit diesem Vergleich einen wichtigen Gedanken unseres christlichen Glaubens. Unser Leben ist einmalig. Unser Leben wird einmal an die Grenze des Todes gelangen. Dann wird das irdische Leben in das ewige Leben in der Herrlichkeit Gottes gewandelt. Als Evangelium für die Begräbnismesse hörten wir die ersten Verse des Johannesevangeliums, in der Fachsprache der Theologie Johannesprolog genannt. „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. (Joh 1, 14) Ganz genau aus dem griechischen übersetzt heißt es: Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gezeltet. Wie schon mehrmals gesagt: Wir zelten sozusagen nur für gewisse Zeit in unseren Häusern und Wohnungen.
In Trauer nehmen wir heute von Herrn Manfred Dorninger Abschied. Er wurde am 13. Dezember 1970 im Krankenhaus Amstetten geboren. Seine Eltern hießen Rosa und Leopold Dorninger. Einer der ersten Wege seines Lebens führte ihn am Stephanitag 1970 in unsere Pfarrkirche zum Sakrament der Taufe. Heute sind wir in unserem Gotteshaus beisammen um ihn auf seinem letzten Weg zu begleiten. Heute wie damals erhellt seine Taufkerze diese Stunde der Trauer und des Abschiedes.
Manfred war der jüngste von 5 Geschwistern. Hier in dieser Kirche konnte am 14. Mai 1983 seine Firmung gefeiert werden. Nach der Schulzeit erlernte er den Beruf eines Zimmerers bei der Firma Gruber in Blindenmarkt. Er war dann im landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern beschäftigt.
Manfred lernte seine zukünftige Frau Rosemarie kennen. Am 11. 11. Um 11.11 konnte 1994 die standesamtliche Hochzeit gefeiert werden. Am 12. April 1994 läuteten für die beiden in unserer Pfarrkirche die Hochzeitsglocken. Zwei Söhne erblickten das Licht der Welt. Heute gehören auch zwei Enkel zur Familie.
Manfred war vielseitig begabt und stellte seine Talente vielen Menschen zu Verfügung. Seine Stimme und sein Lachen waren einzigartig, denn unter Leuten fühlte sich sehr wohl. Leider begleiteten ihn seit rund 1 ½ Jahren große gesundheitliche Sorgen. Sein Aussehen veränderte sich. Es war für mich persönlich heuer im Sommer sehr erschütternd, dass ich ihn bei einer Begegnung nicht gleich erkannte. Erst als du mir lieber Rosemarie einen Hinweis gabst und als ich seine Stimme hörte, erkannte ich ihn, so wie die heilige Maria Magdalena den auferstandenen Herrn erst an seiner Stimme und nicht an seinem Aussehen erkennt.
Ein Vergelts Gott allen, die in dieser schweren Zeit Manfred betreut und besucht haben. Nun ist er wenige Wochen vor seinem 55. Geburtstag gestorben.
Wir zelten nur in unseren Häusern und Wohnungen, so wie Manfred fast 55 Jahre auf seinem Bauernhof in Oedt bei Edelbach. Dieser kleine Zettel in der Turmkreuzkugel von Purgstall beschreibt uns einen wichtigen Gedanken des Lebens. Unser christlicher Glaube denkt diesen Gedanken weiter: Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, dann haben wir eine Wohnung von Gott, ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel. In diesem Vertrauen legen wir das kostbare Leben von Herrn Manfred Dorninger in die Hände Gottes. AMEN
Lesung: 2 Kor 5, 1 Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird
Evangelium: Joh 1, 14 – Und das Wort ist Fleisch geworden!

