Di. 11.11.2025 Begräbnispredigt für Herrn Roman Etlinger (Pfarrer Hans Lagler)

Geschätzte Trauerfamilien! Liebe Verwandte, Freunde, Bekannte und Nachbarn!

Geschätzte Mitglieder der Senioren Steinakirchen und der Gebetsgemeinschaft der Legion Mariens!

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Es gibt Geschichten, die klingen so einfach und haben doch eine ganz tiefe Botschaft. Als Beispiel möchte ich gerne eine Fabel an den Beginn dieser Begräbnispredigt stellen:

 

Am Rand eines Schuttplatzes wuchs eine Sonnenblume. Sie war die einzige Blume weit und breit. Diese Sonnenblume träumte in der Nacht von ihren Geschwistern in den Gärten, die viel größer und schöner wurden. Eines Tages kam ein grauer Vogel, ein Spatz, zur Blume und piepste: “Du bist für mich die schönste Sonnenblume, die ich je gesehen habe.” Der Vogel besuchte nun die Blume jeden Tag und ihre Blüte leuchtete strahlend gelb in den Himmel.

 

Einige Wochen später blieb aber der Spatz zwei Tage aus. Die Sonnenblume machte sich große Sorgen. Als sie am nächsten Morgen aufwachte, lag der Spatz am Boden. “Bist du tot kleiner Freund”, fragte die Sonnenblume schüchtern? Langsam öffnete der Spatz seine Augen.

 

“Nein, aber ich habe schon seit Tagen nichts mehr zum Fressen gefunden. Jetzt ist meine Kraft zu Ende. Ich bin gekommen um bei dir zu sterben”, flüsterte der Vogel. “Nein, nein”, rief die Sonnenblume, “warte einen Moment”. Sie neigte ihre schwere Blüte nach unten, und schon fielen einige dunkle Kerne auf den Boden. “Pick sie auf und du wirst wieder zu Kräften kommen”, sprach die Blume. Mit großer Anstrengung pickte der Spatz die Körner auf und schlief erschöpft ein.

 

Tags darauf fühlte er sich wieder stark und kräftig. Er wollte sich bei der Sonnenblume bedanken, doch die Blüte war über Nacht verdorrt. “Was ist mit dir Blume”, fragte der Vogel. “Meine Zeit ist zu Ende. Weißt du, ich dachte immer, dass ich umsonst auf diesem Schuttplatz stehe. Ich hätte ohne dich den Lebensmut verloren. Danke, dass du zu mir gekommen bist. Schau es liegen noch viele Kerne auf dem Boden. Vielleicht werden im nächsten Jahr hier viele Sonnenblumen aufgehen”, flüsterte die Blume. “Das wird sicherlich so sein”, meinte der Spatz und flog traurig und doch voller Hoffnung weiter.

 

Diese Fabel beschreibt für mich ganz treffend das Leben von Herrn Etlinger. Seine Lebenszeit ist nun wie eine Sonnenblume reif geworden für die ewige Ernte. Wir alle spürten in den letzten Jahren wie langsam seine Kräfte immer mehr nachließen.

 

Blicken wir in Dankbarkeit auf die lange Lebensgeschichte von Herrn Etlinger zurück. Er wurde am 18. 1. 1929 in Altenhof geboren. Der Name seines Elternhauses prägte sein ganzes Leben, denn als der Knötzelbauern-Roman war er weit und breit bekannt. Seine Eltern hießen Anna und Karl Etlinger.

 

Der erste Weg seines Lebens führte ihn drei Tage nach seiner Geburt hier in unsere Pfarrkirche zum Sakrament der Taufe. Er erhielt die Taufnamen Roman Gottfried. Damals war er die jüngste Person in unserer großen Pfarre Steinakirchen.

 

Heute sind wir in seinem von ihm so geliebten Gotteshaus beisammen um von ihm – nun als ältester Mann der Pfarre Abschied zu nehmen. Es liegen fast 97 Jahre dazwischen die er am Haus Knötzelbauer verbrachte. Diese lange Zeit war von der Mitarbeit in der Landwirtschaft, sein Interesse für die Technik – Roman besaß schon ganz früh einen Fotoapparat und vom Rückhalt im christlichen Glauben geprägt. Ein großer Tag seiner Kindheit war der 27. Juni 1939, denn sozusagen am Vorabend des Zweiten Weltkrieges erhielt er das Sakrament der Firmung.

 

Herr Etlinger war ein Mann mit klaren Vorstellungen. Seine Meinung zu ändern, fiel ihm sehr schwer. Um seine Ideen zu verwirklichen, konnte er manchmal stur sein. Um seine Ziele zu erreichen ist er viel zu Fuß gegangen oder mit dem Rad gefahren.

 

Namens der Pfarre danke ich ihm für die treue Mitfeier der Gottesdienste. Er war auch Mitglied bei der Gebetsgemeinschaft der Legion Mariens. Bei den Monatswallfahrten war er immer der erste, der sich angemeldet hatte. Generell machten ihm Wallfahrten eine große Freude und so besuchte er Lourdes, Rom, Fatima und das Heilige Land. Immer wieder ging er zu Fuß auf den Sonntagberg.

 

So vergingen die Jahre und Jahrzehnte im Leben von Herrn Etlinger. Wenige Wochen vor seinem 97. Geburtstag ist er nun gestärkt mit den Sakramenten der Kirche von Gott abberufen worden.

 

Als Christen haben wir die Glaubensgewissheit, dass uns im Tod das Leben gewandelt, aber nicht genommen wird. So halten wir unserem gütigen Gott die lange Lebensgeschichte von Knötzelbauern-Roman entgegen und bitten: Guter Gott, beschenke ihn nun mit der Freude des ewigen Lebens. Amen

Lesung: Röm 6, 3 – 6 Evangelium: Joh 6, 51 – 58