So. 16.11.2025 Gott schenkt uns Hoffnung – Elisabethsonntag (Alfred Kaltenbrunner)
Liebe Gottesdienstgemeinde!
Schwestern und Brüder in Christus!
Ganz ehrlich, woran haben Sie gerade gedacht, als Sie die heutigen Schriftstellen gehört haben? Das ist schon eine harte Kost, die uns heute zugemutet wird.
Das Bild der Zukunft ist brutal, beängstigend und lebensfeindlich.
In der Lesung aus dem Buch Maleachi, geschrieben vor rund 2500 Jahren, wird vom vernichtenden Feuer gesprochen und das Evangelium legt sozusagen noch eins drauf. Die Welt zur Zeit Jesu versinkt ja regelrecht in Chaos, Zerstörung, Krieg, Not und Angst. Volk wird sich gegen Volk erheben und es wird gewaltige Erdbeben, Seuchen und Hungersnöte geben. Da ist die Rede von Hand angelegen, Verfolgung und Gefängnis und wenn dann sogar die eigenen Verwandten zur Gefahr werden, zeigt das alles andere als ein hoffnungsfrohes positives Bild der Zukunft.
Der Ausschnitt des heutigen Evangeliums stammt aus der sogenannten Endzeitrede Jesu und ist im Lukasevangelium unmittelbar vor seinem Leiden und Sterben eingebettet. Lukas hat diesen Abschnitt viele Jahre nach dem Leben Jesu aus dem Blickwinkel der bereits stattgefundenen Zerstörung Jerusalems und des Tempels sowie der Verfolgung der ersten Christen aufgeschrieben.
Heute, 2000 Jahre später, ist es im Grunde genommen gar nicht viel anders. Wenn wir täglich die Nachrichten hören oder online abrufen erscheinen die Schriftstellen aktueller denn je. Volk kämpft gegen Volk, Erdbeben, Seuchen, Hungersnöte. Trotz aller Aufgeklärtheit, technischen Hilfsmittel und modernen Möglichkeiten herrscht in vielen Teilen der Erde Krieg, Terror, Gewalt, Hunger, Leid, Not und Ausgrenzung von Bevölkerungsgruppen.
Ein noch nie dagewesenes allgemeines Aufrüsten auch in Europa und in Österreich, aufgeheizte Stimmung zwischen politischen Parteien und Bevölkerungsgruppen schüren Angst und Sorge um die Zukunft.
Und so manche Anführer und Parteien nutzen dieses triste Bild der Zukunft sehr geschickt, um einen Einfluss und Zuspruch der Bevölkerung zu erhalten. Und dabei geht es den vermeintlich auftretenden Rettern oft selbst nur um Macht um die eigenen Interessen durchsetzen zu können.
„Gebt acht, dass man euch nicht irreführt“ und „lauft ihnen nicht nach“, heißt auch heute die Antwort Jesu für uns. (Lk 21, 8)
Das Bild der Zukunft erscheint brutal, beängstigend und lebensfeindlich.
Doch bei aller Härte und Lebensfeindlichkeit geht es in der Kernbotschaft der heutigen Bibelstellen nicht um Angst und Sorge vor der Zukunft, sondern um die Zusage Gottes, dass er uns nicht allein lässt. Er gibt uns die Perspektive der Hoffnung.
Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Hoffnung auf die Sonne der Gerechtigkeit, wie in der Lesung angeklungen (Mal 3,20). Wie die Sonne ihre Strahlen auf die ganze Welt richtet, so soll gleichsam die Hoffnung auf Gerechtigkeit und Frieden auf die ganze Erde strahlen.
Es ist eine Hoffnung, die uns Mut gibt und uns aktiv werden lässt.
Am heutigen Welttag der Armen werden auch wir, wie damals das Volk Israel, ermahnt in rechter Weise zu leben und im Leid, der Angst und der Not der Mitmenschen verfügbar zu sein. Durch unseren respektvollen und menschlichen Umgang untereinander wird die Hoffnung Gottes erfahrbar. „Gott braucht uns nicht perfekt, sondern verfügbar“, hat der neu ernannte Wiener Erzbischof in seinem ersten Interview treffend gesagt.
Zahlreiche Heilige des Himmels geben uns dafür ein Beispiel.
Wie die Heilige Elisabeth von Thüringen sich vor 800 Jahren um die benachteiligten Menschen ihrer Zeit gekümmert hat, so kümmern sich auch heute viele Menschen in verschiedenen Organisationen oder auch allein, oft im Stillen und ohne Dank um ausgegrenzte, benachteiligte und arme Menschen.
Das ist der konkrete Auftrag aus dem Evangelium für dich und mich heute. Jede und jeder von uns kann durch seine oder Ihre Verfügbarkeit zur Hoffnungsträgerin / zum Hoffnungsträger für andere werden.
Sie fragen sich vielleicht was kann ich tun? Vielleicht erinnern Sie sich noch an die neuen Werke der Barmherzigkeit.
Du gehörst dazu. Ich höre dir zu. Ich rede gut über dich. Ich gehe ein Stück mit dir. Ich teile mit dir. Ich besuche dich. Ich bete für dich.
Es muss nichts Großes sein, das wir tun, ein Besuch, eine Einladung, eine kleine Aufmerksamkeit, eine Hilfe im Alltag, ein gutes Wort, einen Einkauf, einen Anruf, Verständnis füreinander, ein Essen, Mitnahme mit dem Auto oder eine finanzielle Unterstützung und so weiter. Die Liste könnte noch unendlich verlängert werden.
Das Bild der Zukunft erscheint auf den ersten Blick brutal, beängstigend und lebensfeindlich. Die Bibelstellen von heute wollen uns gleichsam wachrütteln und zeigen uns keine heile, perfekte Welt. Doch im Kern wird uns allen die Hoffnung mitgeben.
Unser konkreter Beitrag für eine hoffungsvolle und gerechte Welt, unser Beitrag zur Sonne der Gerechtigkeit, unsere Verfügbarkeit ist heute von dir und mir gefragt.
AMEN.
Lesung: Mal 3,19-20b
Evangelium: Lk 21, 5-19



