Sa. 26.10.2025 Nationalfeiertag – So wahr mir Gott helfe! (Pfarrer Hans Lagler)
Schwestern und Brüder in Christus!
Vor einigen Wochen wurde in unserem Bundesland Niederösterreich ein neuer Landesrat angelobt. Bei diesem wichtigen politischen Termin ließ mich ein kleines aber wichtiges Wort aufhorchen:
Der Politiker aus dem Mostviertel beendete seine Gelöbnisformel mit der leider viel zu seltenen verwendeten Formulierung „so wahr mir Gott helfe“.
Mit dem Beistand des Himmels eine neue Aufgabe zu beginnen ist im Grunde eine uralte Erfahrung. Dies klingt in der Bibel sehr oft an und lässt uns mit jeder Art von Verantwortung sorgsam umgehen. „Der Herr hat euch die Herrschaft übertragen, er, der eure Taten prüft und eure Pläne durchforscht, heißt es im Buch der Weisheit. (Weish 6,3)
Wenn Jesus große Entscheidungen treffen musste, hat er sich immer wieder vorher an Orten der Stille zurückgezogen. Nach solchen besinnlichen Zeiten des Gebetes konnte er beispielsweise aus dem Kreis der vielen Jünger die 12 Apostel auswählen. (Lk 6,12)
Gut überlegt, heißt aber nicht perfekt zu sein, doch in diesem Augenblick war die Entscheidung richtig. Der Herr hat sich auch einen Judas Iskariot ausgesucht, einen Mann der ihn später verraten sollte. Es kann sich Jahrzehnte später der Beschluss einer ganzen Regierung als falsch herausstellen, aber im Augenblick von damals war es vielleicht die einzig richtige Entscheidung.
Lassen sich mich dies mit einer Notiz aus dem Protokollbuch des Steinakirchner Pfarrkirchenrates näher darstellen. Um die Pfarre besser zu verstehen, habe ich mir im Laufe der Jahre alle Beschlüsse durchgelesen. Da wird vor einigen Jahrzehnten die Anschaffung eines in anderen Pfarren schon üblichen Sargwagens für Begräbnisse ablehnt. Die Begründung: Die Pfarrangehörigen sollen auch in Zukunft wie seit Jahrhunderten auf den Schultern der Träger zum Gottesacker gebracht werden. Heutzutage ist ein Sargwagen selbstverständlich. Übrigens manche Sargträger wünschen sich da einen Wagen mit Elektromotor da der Haberg für einige immer höher wird.
In der Lesung für den heutigen Sonntag erhalten wir Einblick in das Seelenleben des Apostels Paulus. Er schreibt an seinen Schüler Timotheus einen berührenden Brief. Der Völkerapostel vertraute auf dieses „so wir Gott helfe“, denn er hatte mit seinen Freunden und Vertrauen eine bittere Erfahrung gemacht. „Bei meiner ersten Verteidigung ist niemand für mich eingetreten, alle haben mich in Stich gelassen. (2 Tim 4, 16), aber der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft.“
Ich denke für alle Verantwortungsträger/Innen ist es wichtig auf die Gottesbeziehung zu achten, gerade wenn man um Entscheidungen ringen muss. Dies ist der Mehrwert des Glaubens. Wurde bei einer Sitzung ein Beschluss gefasst, kann es sein, dass bei einem späteren Misserfolg die Obfrau/der Obmann alleine dasteht. Da tut es gut wenn man Gott sein Leid klagen kann. Eine lebendige Gottesbeziehung bewahrt generell in guten Zeiten vor Überheblichkeit und gibt die Kraft bei Stürmen leichter durchzuhalten.
Jesus macht uns heute auf eine zeitlose Erfahrung aufmerksam. Da gibt es Leuten, die alles besser wissen. Sie sind von ihren eigenen Maßstäben überzeugt und verachten dadurch die anderen. Der Messias hat die verblüffende Fähigkeit den Ernst der Lage sofort zu durchschauen. Er stellt die Menschen aber nicht an den Pranger, sondern gibt ihnen mit einer von ihm von einer Sekunde auf die andere erfundenen Geschichte, die Möglichkeit über sich nachzudenken.
Da begegnen uns ein Pharisäer und ein Zöllner. Jesus schildert die Gebete der beiden Männer, die einen großen Unterschied aufweisen. Der eine sieht nur sich selber und der andere richtet seine Hoffnung auf Gott. (Lk 18, 9 – 14)
Mit dem Beistand Gottes seine Arbeit zu tun, ist für mich ein Stück Lebensqualität. Diese Sichtweise ermöglicht mir Gott für manche Erfolge zu danken und zugleich Misserfolge leichter zu verkraften, weil ich sie ihm Gebet anvertraue mich so davon löse.
Gehen wir unseren Weg weiter und stellen wir unsere Talente unserem Land zur Verfügung. Sie und ich dürfen dies tun, so wahr mir Gott helfe. Amen.
Lesung: 2 Tim 4, 6 – 8. 16-18 Evangelium: Lk 18, 9-14

