Fr. 10.10.2025 Begräbnispredigt für Herrn Karl Holzapfel (Pfarrer Hans Lagler)

Geschätzte Frau Holzapfel! Liebe Trauerfamilie!

Geschätzte Geschwister, Verwandte, Freunde, Bekannte und Nachbarn!

Liebe Mitglieder des Kunstvereines Amstetten!

Geschätzte Lehrerkolleginnen und Kollegen von Studienrat Holzapfel! Liebe Maturakollegen, Schülerinnen und Schüler!

Geschätzte Ortsgemeinschaft von Wolfpassing!

Hochwürdiger Herr Pfarrer Franz Sinhuber aus Gresten, du bist ja auch ein Maturakollege des Verstorbenen!

Schwestern und Brüder in Christus!

 

Jeder Tag im Kalender hat seine besondere Bedeutung. Im kirchlichen Denken sind damit Heiligengestalten verbunden. Wir sind einladen diese Persönlichkeiten an unseren Namenstagen zu ehren.

 

Heute am 10. Oktober ist der heilige Franz Borgia eingetragen. Er genießt in seinem Heimatland Spanien und in Italien eine besondere Verehrung. Ein schauriges Erlebnis, welches sein Leben gewaltig veränderte, möchte ich an den Beginn dieser Begräbnispredigt stellen:

 

Als junger Offizier war es seine Aufgabe die Kaiserin auf ihren Reisen durch Spanien zu begleiten und für ihre Sicherheit zu sorgen. Franz Borgia machte dieser Dienst große Freude, denn er war von der Schönheit der Herrscherin fasziniert. Plötzlich erkrankte die Kaiserin und starb mitten im spanischen Hochsommer. Da Mitglieder des Herrscherhauses nur in Madrid beigesetzt werden durften, brachte der Offizier den Leichnam in die Hauptstadt zurück.

 

Franz Borgia ließ auf der Rückreise nach einigen Tagen nochmals den Sarg öffnen, denn er wollte zum letzten Mal die Schönheit der Kaiserin bewundern. Dieser Anblick erschreckte ihn sehr, denn er wurde bewusst mit der Vergänglichkeit des Lebens konfrontiert. Sic transit gloria mundi. So vergeht der Ruhm der Welt.

 

 

Dieses gruselige Erlebnis bewog Franz Borgia seine Lebenspläne zu ändern. Er stellte seine Talente in den Dienst der Kirche und trat in den

Jesuitenorden ein. Als begabter Ordensmann war er in Portugal und Italien tätig und starb im Jahre 1571 in Rom. Sein Gedenktag im Heiligenkalender ist heute der 10. Oktober.

 

 

Mit der Vergänglichkeit des Lebens konfrontiert zu werden scheuen viele Menschen der Gegenwart zurück. Alle die mit Herrn Professor Holzapfel näher in Verbindung waren, erlebten, wie in den letzten Wochen und Monaten seine körperlichen Kräfte nachließen. Nun ist er uns gestärkt mit den Sakramenten der Kirche im 78. Lebensjahr in die Ewigkeit vorausgegangen.

 

Herr Studienrat Karl Holzapfel wurde am 13. Dezember 1948 in Wolfpassing geboren. Seine Eltern hießen Maria und Karl Holzapfel. Der erste Weg seines Weges führte ihn 8 Tage später zum Sakrament der Taufe in die Steinakirchner Pfarrkirche. Heute sind wir in diesem Gotteshaus beisammen um Karl auf seinem letzten Weg zu begleiten. Es liegen 77 Jahre dazwischen die von der Sorge um seine Familie und der Liebe zu Kunst und Musik geprägt waren. Er war mit vielen Talenten beschenkt.

 

Herr Holzapfel ist mit seinen Geschwistern in Fünfhaus aufgewachsen. Nach der Volksschule in Steinakirchen absolvierte er das Stiftsgymnasium Melk. Ein großer Tag seiner Kindheit war der 21. Mai 1958, denn da konnte er hier in dieser Kirche seine Firmung feiern.

 

Nach der Matura erfolgte die Ausbildung zum Volks- und Hauptschullehrer. Zusätzlich absolvierte er die Prüfung zum Musikschullehrer für Gitarre. Er lernte seine Gattin Ursula kennen die er am 20. August 1971 in Wien heiratete. Ein Sohn erblickte das Licht der Welt.

 

Im Laufe der Jahre hat Professor Holzapfel Generationen von Schülerinnen, Schülern und Studenten an der Hauptschule Purgstall, am Bundesgymnasium Wieselburg und am Pädagogischen Institut in Baden unterrichtet und so sein Fachwissen und die Liebe zur Musik und zur Kunst weitergegeben. Sein Engagement in diesem Bereich wurde mit dem Titel Studienrat gewürdigt. In der Lehrerfortbildung war er ein gefragter Referent.

Es vergingen die Jahre und Jahrzehnte. Zu Beginn 2025 machten sich dunkle Wolken am Lebenshimmel von Herrn Professor Holzapfel bemerkbar. Eine unheilbare Krankheit wurde festgestellt.

 

In dieser Zeit entdeckte er für sich wieder neu als Trost und die Stärkung die Mitfeier der heiligen Messe am Sonntag. In jungen Jahren hatte er hier in Steinakirchen in musikalischer Weise viele Gottesdienste mitgestaltet. Vergelts Gott dafür.

 

Jedes Begräbnis erinnert uns an die Vergänglichkeit unseres irdischen Lebens. Der heilige Franz Borgia hat dies durch seine Neugier ganz intensiv erfahren. Wer in letzter Zeit Herrn Professor Holzapfel begegnete, spürte wie seine schwere Krankheit ihn veränderte. Als Christen geht unser Blick über den Tod hinaus. Gott, der barmherzige Vater, möge ihn nun mit der Freude des ewigen Lebens beschenken. Amen

 

Lesung: Phil 3, 20 – 21 Evangelium: Mt 25, 14 – 23