Di. 14.10.2025 Begräbnispredigt für Frau Anna Hofmarcher (Pfarrer Hans Lagler)
Geschätzter Herr Hofmarcher!
Geschätzte Kinder, Schwiegerkinder, Enkel und Urenkel!
Liebe Verwandte, Patenkinder, Freunde, Bekannte und Nachbarn der Verstorbenen!
Geschätzte Ortsgemeinschaft von Knolling!
Schwestern und Brüder in Christus!
Das Jahr 2025 neigt sich dem Ende zu. Nur mehr wenige Wochen trennen uns vom Jahreswechsel. Die Felder sind leer geworden. Die Ernte des Jahres ist wieder eingebracht. In unsere Kirche wurde als Zeichen des Dankes an Gott die Erntekrone herein getragen. Jetzt hängt sie für uns alle gut sichtbar nach Steinakirchner Brauch hier in der Mitte unseres Gotteshauses.
Ein erfülltes Leben ist zu Ende gegangen. Die Ernte eines Lebens wurde eingebracht. In unsere Kirche wurde als Zeichen des Dankes an Gott der Sarg mit all dem was an Frau Hofmarcher sterblich ist, herein gestellt. Jetzt steht er auf einem Ehrenplatz in der Mitte unseres Gotteshauses.
Erntekrone und Sarg – Zeichen einer wertvollen Zeit, die zu Ende gegangen ist. Wer schon einmal beim Flechten einer Erntekrone mitgeholfen hat, der oder die weiß, dass diese Arbeit sehr mühevoll ist. Die verschiedenen Getreidesorten müssen rechtzeitig abgeschnitten werden. Es braucht geschickte Hände, welche die Ähren kunstvoll zusammenbinden. Nach stundenlanger Tätigkeit entsteht eine wunderschöne Krone. Jedes Jahr schaut diese Krone ein wenig anders aus. Die Ortsgemeinschaft von Zarnsdorf hat heuer zum 10. Mal dieses einmalige Kunstwerk geschaffen.
Ist nicht die Lebensgeschichte unserer Verstorbenen ebenfalls so eine kunstvolle Krone? Da wurden viele Menschen und Zeitspannen im Laufe seines Lebens eingeflochten.
Frau Hofmarcher wurde sozusagen am Vorabend des Zweiten Weltkrieges am 2. Dezember 1938 am Haus Keaberg geboren. Ihre Eltern hießen Anna und Josef Essletzbichler. Drei Tage nach ihrer Geburt erhielt sie in der Pfarrkirche Gaming das Sakrament der Taufe. Ein großer Tag ihrer Kindheit war der 13.
Mai 1948, denn da konnte ihre Firmung gefeiert werden. Nach der Schulzeit arbeitete sie in der elterlichen Landwirtschaft.
Bei einer Hochzeit in Lunz hat sie ihren zukünftigen Gatten Johann kennen gelernt. Am 1. Mai 1961 wurde hier in dieser Kirche die Hochzeit gefeiert. Eine große Familie mit 12 Kindern erblickte das Licht der Welt. Neben den Schwiegerkindern gehören jetzt auch 27 Enkelkinder und 12 Urenkel zur Familie. Sie wurde bei dieser großen Aufgabe von ihrem Gatten und ihrer Schwiegermutter unterstützt.
Blicken wir nochmals auf die Erntekrone. Die verschiedenen Bögen münden wiederum in der Mitte und werden durch ein Kreuz verbunden. Das Kreuz ist zugleich das Zeichen des Sieges über den Tod. Jesus ist auferstanden. Er lebt. Er hat den Tod besiegt. Er ist die Auferstehung und das Leben. (Joh 11, 25)
Ich denke, die verschiedenen Lebensbögen unserer Verstorbenen, sammeln sich ebenfalls im Kreuz. Da waren die schwere Kindheit in der Kriegszeit, die viele Arbeit in der Landwirtschaft und die Sorge um ihre große Familie. Namens der Pfarrgemeinde danke ich ihr für die treue Mitfeier der Gottesdienste. Der Sonntag war für sie immer eine willkommene Abwechslung in ihrem Alltag. In diesem Jahr verdunkelten große gesundheitliche Sorgen ihren Lebenshimmel. In dieser Zeit der Krankheit wurde sie von ihrem Gatten und der großen Familie liebevoll umsorgt. Gestärkt mit dem Sakrament der Krankensalbung ist sie nun im 87. Lebensjahr von Gott abberufen worden.
Die Ernte dieses Jahres wurde eingebracht. Als Zeichen der Dankbarkeit an Gott schwebt die Erntekrone in der Mitte.
Die Ernte eines Lebens wurde eingebracht. Der Sarg mit all dem was an unserer Verstorbenen sterblich ist, steht hier in der Mitte. Gott möge nun Frau Hofmarcher mit der Freude des ewigen Lebens beschenken. Amen
Lesung: Röm 12,10 – 18 Evangelium: Joh 11, 17 – 25

