So. 6.07.2025 14. Sonntag im Jahreskreis (PAss Hemma Putschögl)

Jesus sendet 72 Jünger aus. Neben den 12 Aposteln, die in der Heiligen Schrift auch namentlich genannt werden, sind die 72 Jünger ganz wichtig. Jesus setzt nicht nur auf einen engen Kreis um sich herum, sondern auf sogenannte „Multiplikatoren“. Sie sollen das Evangelium in die ganze Welt tragen.

 

Was fällt auf?

· Jesus hat sie ausgesucht. Er sucht Menschen, denen er eine ganze Reihe von Anweisungen gibt und denen er zutraut, dass sie – mit Hilfe von Gott, dem „Herrn der Ernte“, wie Jesus ihn in diesem Evangelium bezeichnet – diese Aufgabe meistern.

 

· Jesus ruft sie nicht zusammen, sondern er sendet sie aus. Das heißt diese Jünger glauben schon an das was Jesus verkündet und sie sollen es weitertragen. Hinaus aus der Komfortzone, ja natürlich ist es einfach seinen Glauben zu leben, wenn man unter Gleichgesinnten ist. Aber genau da schickt Jesus sie weg.

 

· Jesus sendet sie zu zweit aus. Keiner der Jünger ist alleine unterwegs, sie haben jemanden, mit dem sie reden, weinen, lachen, sich motivieren und austauschen können. Als Einzelkämpfer:in kann es manchmal sehr schnell gehen, dass man frustriert und kraftlos ist. Geteiltes Leid ist halbes Leid und geteilte Freude ist doppelte Freude!

 

· Nachfolge, so wie es Jesus in dieser Bibelstelle sagt, bedeutet nicht nur glauben, sondern auch zu gehen, unterwegs zu sein, den nächsten Schritt zu wagen. Und dabei das Vertrauen zu haben, dass Gott an meiner Seite ist.

Was kann Nachfolge heute für uns bedeuten? Wir werden uns ja vermutlich nicht ohne Geld, ohne Vorräte, ohne Schuhe auf den Weg in die nächste Stadt machen, um in einem fremden Haus zu Arbeiten und zu Wohnen.

Ich lade euch ein, nachzudenken: Wer sind diese Menschen, zu denen Jesus dich sendet? Vielleicht ist es deine Familie, deine Kinder, Enkelkinder, Eltern, Großeltern. Oder an deinem Arbeitsplatz, ein Kollege, eine Kollegin wo du vielleicht mitbekommen hast, dass ihn/sie etwas beschäftigt. Oder die Nachbarin, die nie Besuch bekommt. Meistens fällt einem selbst gleich jemand ein, bei dem man sich längst schon einmal melden wollte oder übersehen hat, die letzte WhatsApp Nachricht zu beantworten.

Du brauchst kein perfekter Christ, keine perfekte Christin zu sein (das schafft übrigens niemand) – du brauchst nur bereit sein zu gehen. Und ich möchte dich heute dazu ermutigen, einen Schritt zu machen hin zu dem Menschen, der dir vorher in den Sinn gekommen ist. Wir werden am Ende jeder Heiligen Messe gesendet. „Gehet hin in Frieden“ wird uns zugesprochen und aufgetragen. Und heute bekommst du von mir noch einen zusätzlichen Auftrag: Mach ganz bewusst diesen Schritt hin zu dem Menschen, zu dem dich Jesus heute schickt.

 

Die 72 Jünger sind nicht nur Befehlsempfänger und Weitergeber. Sie haben Jesus persönlich kennengelernt. Sie sind seine Freunde geworden und leben aus dieser Beziehung. Und das wünsche ich dir. Dass du eine Freundin, ein Freund von Jesus wirst und aus dieser Beziehung lebst und das auch andere Menschen spüren lässt.

 

Nachfolge bedeutet: gehen, wo Jesus uns hinsendet. Freundschaft bedeutet: bleiben, wo Jesus uns begegnet.

Evangelium: Lukas 10, 1–9