Mi. 29.01.2025 Begräbnispredigt für Fr. Gertrude Zeller (Pfarrer Hans Lagler)
Geschätzter Herr Zeller! Liebe Trauerfamilie!
Geschätzte Verwandte, Nachbarn, Freunde, Schulkameraden und Bekannte der Verstorbenen!
Liebe Ortsgemeinschaft von Loising!
Schwestern und Brüder in Christus!
Es ist für jeden Menschen, ob religiös oder nicht religiös, eine große Herausforderung, wenn man auf die Schwelle des Todes zugeht. Als Christ und vertraue ich darauf, dass all das was uns nach dem Tod erwartet, unsere kühnsten Vorstellungen übertreffen wird.
Es geschah – so berichtet eine Fabel – da erfuhr ein junges Paar vom Arzt, dass sie Eltern von Zwillingen werden. Da begannen die Kinder miteinander zu sprechen: “Sag, ist es nicht großartig, dass wir ins Dasein gerufen wurden und dass wir leben?” sagte auf einmal der eine zum anderen.
Als aber die Wochen und Monate im Mutterleib vergingen, merkten sie mit der Zeit wie sie sich verändert haben: “Was soll das heißen?”, fragte der eine. “Das heißt”, antwortete ihm der andere “dass unser Aufenthalt in dieser Welt bald seinem Ende zugeht. “Aber ich will gar nicht gehen” erwiderte der andere, “ich möchte für immer hier bleiben. “Wir haben keine andere Wahl”, entgegnete der andere, “aber vielleicht gibt es ein Leben nach der Geburt.”
“Wie könnte dies sein?” fragte zweifelnd der erste. “Und außerdem haben vor uns schon andere den Mutterschoß verlassen und niemand von ihnen ist zurückgekommen und hat uns gesagt, dass es ein Leben nach der Geburt gibt. Nein, dies ist das Ende! Ohne Nabelschnur können wir nicht leben”
So fiel der eine von ihnen in einen tiefen Kummer und meinte: “Wenn die Empfängnis mit der Geburt endet, welchen Sinn hat dann das Leben hier im Mutterschoß. Es ist sinnlos, womöglich gibt es gar keine Mutter hinter allen. “Hast du unsere Mutter je gesehen?” fragte der eine. “Womöglich lebt sie nur in unserer Vorstellung. Wir haben sie uns erdacht, weil wir dadurch unser Leben besser bewältigen können.”
Und so waren die letzten Tage im Schoß der Mutter erfüllt von vielen Fragen und großer Angst. Schließlich kam der Moment der Geburt. Als die Zwillinge ihre Welt verlassen hatten, öffneten sie ihre Augen. Sie weinten, aber was sie dann erlebten übertraf ihre kühnsten Träume.”
Wenn man einem ungeborenen Kind im Mutterleib erzählen könnte, du wirst in wenigen Wochen die Sonne sehen, deinen Vater und deine Mutter kennen lernen, die Stimmen von Menschen hören und vieles mehr. Ob uns dieses Kind das glauben würde? Da im Denken der Kirche der Tod oft als zweite Geburt, als das Hineingeboren werden ins ewige Leben beschrieben wird, kommt diesem Gedanken eine große Bedeutung zu.
Frau Gertrude Zeller wurde am 23. Mai 1948 im Haus Hofstatt in der Zehetgrub, Pfarre Steinakirchen geboren. Ihre Eltern Karoline und Josef Watschka schenkten ihr das Leben. Eine Woche später wurde sie am 1. Juni hier in unserer Pfarrkirche getauft. Die Osterkerze leuchtet auch heute wie damals am Tauftag und möchte mit ihrem Licht, diese dunkle Stunde des Abschieds mit österlicher Hoffnung erhellen.
Mit ihrer Schwester Ludmilla wuchs sie heran. Ein großer Tag ihrer Kindheit war der 21. Mai 1958, denn da erhielt sie hier in unserem Gotteshaus das Sakrament der Firmung.
Nach der Schulzeit arbeitete sie in der Landwirtschaft ihrer Familie und half auch bei den Nachbarn immer wieder aus. Sie lernte ihren zukünftigen Gatten Franz Zeller kennen. Hier in dieser Kirche konnte am 16. November 1968 Hochzeit gefeiert werden. Sohn Rudolf kam auf die Welt. Heute trauern mit ihm seine Gattin Petra und die drei Enkelkinder um ihre Mama und Oma. Die Jahre vergingen in der Sorge um die Landwirtschaft und um die Enkelkinder.
Namens der Pfarrgemeinde darf ich Frau Zeller ganz herzlich für die treue Mitfeier der heiligen Messe am Sonntag danken. Die Sonntagskultur bedeutete ihr sehr viel, denn nach dem Gottesdienst war eine gemütliche Zeit im Gasthaus Riegler ein weiterer Höhepunkt im Ablauf der Woche.
In den letzten Jahren machten ihr gesundheitliche Probleme zu schaffen. Heute Vormittag wurde ich zu einer schwerkranken Person unserer Pfarrgemeinde zum Versehgang gerufen. Die Frau konnte mitbeten und endete beim „Gegrüßet seist du Maria“ mit dem Gebetsabschluss der bis 1969 üblich war. Bis zu dieser Zeit hieß es „gebenedeit unter den Weibern“ und „unseres Absterbens Amen“. Jetzt beten wir „jetzt und in der Stunde unseres Todes“ Amen.
Da habe ich die Frau Zeller gedacht, denn in der Veränderung dieser Formulierung liegt ein neuer Sinn. Aktuell wird die Todesstunde bewusst im Gebet begleitet, aber ist nicht das Leben gerade wenn wir auf die letzten Jahren von Frau Zeller ein jahrelanges Absterben? Langsam verlor sie viele selbstverständliche Fähigkeiten: Das Gehen, das Sprechen, das Essen …. Alles wurde mit der Zeit sehr sehr mühevoll und ging dann gänzlich verloren.
In dieser schweren Zeit wurde sie von ihrem Gatten, der Familie und der 24-Stunden Betreuung liebevoll umsorgt. Gestärkt mit den Sakramenten der Kirche konnte sie nun friedlich einschlafen. Ihre Karwoche ist vorüber der Ostersonntag ihres Lebens ist gekommen.
Blicken wir nochmals auf die Zwillinge im Mutterleib. Der eine war ein Zweifler und der andere blickte mutig in die Zukunft. Licht und Schatten der Biographie von Frau Zeller vertrauen wir heute nochmals der Güte und Barmherzigkeit Gottes an. Der Schöpfer des Himmels und der Erde möge sie mit der Freude des ewigen Lebens beschenken. Amen
Lesung: sucht Familie aus Evangelium: Joh 11, 21 – 27

