Fr. 24.1.2025 Begräbnispredigt für Fr. Hildegard Hörhan (Pfarrer Hans Lagler)

Thema:     Wir sind unterwegs um Jesus zu finden.

 

Geschätzte Verwandte, Patenkinder, Nachbarn, Freunde und Bekannte der Verstorbenen!

Schwestern und Brüder in Christus!

In unserer Pfarrkirche klingt noch das Weihnachtsfest nach. Die Christbäume schmücken unser Gotteshaus und die Weihnachtskrippe ist bis zum Lichtmesstag am 2. Februar aufgestellt. Dort sehen wir auch die heiligen drei Könige, von den jetzt im Evangelium die Rede war.

 

Die Weisen aus dem Morgenland sind unterwegs um einen neugeborenen König zu suchen. Sie nehmen viel Mühe auf sich, denn sie haben seinen Stern aufgehen sehen. Die heiligen drei Könige sind lange unterwegs um Jesus zu finden. Sie haben viel erlebt, bis sie zum Ziel kommen. Ist das nicht auch ein Bild für das Leben unserer Verstorbenen?

 

Frau Hörhan wurde am 16. März 1933 im Haus Bichl in Felberach geboren. Ihre Eltern Maria und Leopold Bayerl schenkten ihr das Leben. Der erste Weg ihres Lebens führte sie vier Tage später am 20. März zum Sakrament der Taufe in unsere Pfarrkirche. Heute sind wir in unserem Gotteshaus zu ihrem letzten Weg beisammen. Es liegen über 91 Jahre dazwischen.

Nach der Schulzeit arbeitete sie am Postamt in Erlauf. Da fuhr sie täglich mit dem Rad hin und her. Hilde lernte Herrn Alois Hörhan kennen, den sie am 15. November 1959 hier in unserer Pfarrkirche heiratete. Die beiden überlegten wie es mit ihnen weiter gehen konnte. Es ging sozusagen über Wien ein Stern auf und so zogen sie in die große Stadt um dort ihr Glück zu versuchen.

 

Ali führte ein Kaffeehaus und Hilde arbeitete auf der Post. So vergingen die Jahre. Die Verbindung zu ihrer Mostviertler Heimat war dem Ehepaar Hörhan immer wichtig und so begannen sie schön langsam in Lehmhäusl ein Haus zu bauen. Als beide um 1990 in Pension gingen, kehrten sie auf Dauer wieder nach Steinakirchen zurück und nahmen aktiv am gesellschaftlichen und kirchlichen Leben teil. Persönlich erinnere ich mich gerne an gemütliche Stunden im Gasthaus Aigner.

 

Übrigens bei meinem letzten Besuch bei Hilde begann sie in Wehmut davon zu erzählen. Fast alle sind schon von unserem Stammtisch gestorben, meinte sie, ja im hohen Alter bleibt man fast alleine über.

 

Nach dem Tod ihres Gatten Alois wurde es ruhiger um Hilde. Sie kam nur mehr selten aus dem Haus und gesundheitliche Probleme machten sich immer mehr bemerkbar. Die letzten Jahre wurde sie im Pflegeheim Scheibbs betreut. Nun ist sie gestärkt mit den Sakramenten der Kirche im 92. Lebensjahr von Gott abberufen worden.

 

Wie die Sterndeuter sind wir alle unterwegs um Jesus zu suchen und das Geheimnis Gottes zu entdecken. Wo können wir ihn heute finden? Wir finden ihn in jedem Menschen, der uns begegnet. Was ihr den geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan, so sagt er uns (Mt 25,40) Jesus stellt sich mit allen Menschen gleich. Ich war krank und ihr habt mich besucht, Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen. Ich war obdachlos und ihr habt mich aufgenommen.

 

Wir finden ihn in der heiligen Schrift. Wenn uns eine Stelle aus dem Evangelium vorgelesen wird, sind wir wie die Apostel bei Jesus und dürfen ihn hören. Wenn wir selber in der Bibel lesen, sind wir auf seinen Spuren unterwegs. Das ist Nahrung für die Seele.

 

Wir können ihn im Brot des Lebens, in der hl. Kommunion finden. Im Abendmahlssaal gibt Jesus seinen Getreuen den Auftrag: Tut dies zu meinem Gedächtnis. Jesus lädt seine Freunde ein immer wieder mit ihm Mahlgemeinschaft zu halten. Das feiern wir bei jeder heiligen Messe.

 

Wie die Sterndeuter sind wir alle unterwegs um Jesus zu suchen und das Geheimnis Gottes zu entdecken. Jetzt auf dieser Welt können wir nur seine verborgenen Spuren erkennen, aber nach unserem Tod werden wir seine Gegenwart auf unbeschreibliche Weise erleben. In diesem österlichen Vertrauen legen wir das lange Leben von Frau Hörhan in die Hände Gottes. Amen

Lesung:    Jes 40, 6 – 10                             Evangelium: Mt 2, 1 – 12