Di. 31.12.2024 Predigt Jahresschluss 2024 …..und ganz bestimmt im nächsten neuen Jahr (Pfarrer H. Lagler)
Festlich versammelte Gottesdienstgemeinde!
Schwestern und Brüder in Christus!
Es ist gerade rund ein Menschenleben her, da schrieb am 19. Dezember 1944 – also vor genau 80 Jahren – ein junger evangelischer Pastor aus dem Gefängnis in Berlin einen Brief an seine Verlobte. Was war passiert? Der sehr talentierte Priester hatte eine Predigt gehalten und folgenden Satz gesagt: „Wenn sich ein Führer nicht an die überlieferten Gesetze unseres Landes und die Menschenrechte hält, dann ist kein Führer, sondern ein Verführer.“
Die Rede ist von Dietrich Bonhöffer. Er wird dann wenige Wochen vor Kriegsende am 9. April 1945 auf persönlichen Befehl des Führers ermordet. Bleiben wir aber bei diesem Brief an seine Verlobte. Eine Hochzeit war nicht mehr möglich Ich zitiere: Gerne schreibe ich dir ein paar Verse, die mir in den letzten Abenden einfielen. Es ist dies ein Weihnachtsgruß an dich, deine Eltern und Geschwister.
Dann folgt eines der innigsten und bekanntesten Gebete der Christenheit: Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Da sitzt jemand in der Todeszelle und kann solche Gedanken formulieren. Bönhöffer freut sich täglich auf die Glocken einer nahen Kirche. Dieses Läuten wird für ihn zum Zeichen der Anwesenheit Gottes auch in dunkler Zeit und so fühlt er sich von guten Mächten wunderbar geborgen.
Wir dürfen wieder ein gemeinsames Jahr abschließen und sind beisammen um Licht und Schatten dieser vergangenen 366 Tage der Güte und Barmherzigkeit Gottes anzuvertrauen. Ein Vergelts Gott allen, die 2024 im Bereich der Pfarre Verantwortung getragen haben und ihre Talente einbringen. Damit die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer/Innen gut begleitet werden, braucht es hauptamtliche Kräfte. Mit unserem Pfarrsekretär Thomas Pflügl, Pastoralassistentin Hemma, Diakon Robert, Haushälterin Maria Hödl, Kaplan Sojan und mir sind sechs Personen bei der Diözese St. Pölten angestellt. Heute möchte ich einmal bewusst der Pfarrbevölkerung danken, dass sie dies mit ihrem Kirchenbeitrag ermöglichen. Alle, die sich mit Personalkosten auskennen, wissen, dass dies im Budget eines Betriebes einen sehr großen Betrag ausmacht.
Was wird uns 2025 erwarten? Papst Franziskus hat es als heiliges Jahr ausgerufen. Viele Menschen aus aller Welt werden daher nach Rom kommen. Persönlich bin ich gleichen Meinung wie ein Studienkollege, der folgenden Gedankengang hat: Er fährt immer mit seiner Pfarre ein Jahr später zu religiösen Orten wo ein Jubiläum gefeiert wird, denn da ist alles wunderbar renoviert und es sind viel weniger Leute dort.
In der Pfarre wird es eine personelle Veränderung geben. Kaplan Sojan wird mit Herbst in eine andere Pfarre kommen und wir erhalten wahrscheinlich wieder einen neuen Priester aus Indien. Lieber Sojan, ich denke, jede Pfarre kann sich freuen, dich als Seelsorger zu bekommen. In deiner liebenswürdigen Art bist du uns allen ans Herz gewachsen.
Ein Bischofsbesuch ist geplant, denn die Kirche in Wang wird 50 Jahre jung. Bischof Alois Schwarz wird daher im September zu einem Festgottesdienst erwartet.
Schön langsam kommt ein ganz großes Jubiläum auf uns zu: Die Pfarre Steinakirchen wird 1050 Jahre alt. Die Gründungsurkunde wurde zwar 976 vom heiligen Wolfgang von Regensburg ausgestellt, aber erst am 12. Oktober 979 vom Kaiser unterschrieben und so erhielt sie die Gültigkeit. Pfarrer Otto Gatterbauer machte in den 70-er Jahren einen sehr gelungenen Schachzug. Er spürte, dass seine Kräfte nachließen und verlegte daher das 1000 Jahr-Jubiläum sogar auf 1975. Es wurden aber 1929 oder 1879 große Feiern organisiert. Aus diesem Grund haben wir uns im Pfarrgemeinderatsvorstand entschlossen das Jahr 2029 als Jubeljahr zu nehmen.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz bestimmt an jedem neuen Tag. Dieser Gedanke des evangelischen Pastors Dietrich Bonhöffer gilt für die lange Geschichte unserer Pfarre, für ihn persönlich aber auch für uns alle ganz persönlich. Möge dieses innige Gottvertrauen auch unseren Alltag im Jahr 2025 prägen. Amen

