So. 29.12.2024 Glaubenszeugnis – Fest der Hl. Familie (Margarete Strauß)
Schwestern und Brüder im Glauben
Jesus wird vermisst auf der Heimreise.
Wenn jemand in unserer Zeit vermisst wird, so können wir eine Vermisstenanzeige mit einer Personenbeschreibung bei der Polizei anzeigen und die Medien informieren uns über die abgängige Person.
Jedoch zur Zeit Jesu, gab es diese Nachrichten noch nicht. Man musste selber die Suche starten, musste Verwandte und Freunde fragen, die ihn kannten.
Ich kann mir vorstellen, dass diese Tage des Suchens für Maria und Josef eine Zeit der Ungewissheit waren.
Die Fragen: Wo sollen wir suchen? Wo steckt er? Was tut er alleine? Werden wir ihn wieder finden? Wie ist es ihm ergangen?
Sie gingen den Weg zurück nach Jerusalem dann nach 3 Tagen endlich die Erlösung von ihren Qualen: sie finden ihn im Tempel.
Die Frage von Maria, seiner Mutter: „Kind, warum hast du uns das angetan? Dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht“
Und er antwortet seelenruhig: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“
Jesus war kein gewöhnliches Kind, er fühlte sich wohl bei den Gelehrten…
es war die Zeit der Pubertät, des Lernens, der Vorbereitung auf das Erwachsen werden. Es war die Zeit des Reifens für sein Leben.
In den altertümlichen Kulturen spielte der Zeitpunkt der Pubertät eine wichtige Rolle, denn es ist die Zeit am Übergang von der Kindheit zum Erwachsenen und der war mit der Zeugungs- und Gebärfähigkeit vollendet. Die Kinder lernten, worauf es beim Erwachsensein ankommt. Die Mädchen lernten ihre Aufgaben von den Frauen, die Knaben von den Männern. Den jungen Menschen wurde damals am biologischen Übergang viel zugetraut, die sie als Rolle von Frau und Mann lernen mussten.
Und Jesus? Von wem lernte er? Er lernte von seinem Vater, von Gott. Das ist der Kern der Geschichte.
Wenn wir heute unsere Jugendlichen betrachten, so wird diese Zeit von den Eltern als die schwierigste im Leben eines jungen Menschen angesehen. Es ist die Zeit zwischen 10 und 20, die Hochphase wird zwischen 12 und 16 Jahren angegeben. Es ist die Zeit der Widersprüche , die Zeit des Nicht verstanden werden, es ist die Zeit des Aufbruchs in die Eigenständigkeit ins Erwachsenenleben. Die Jugendlichen lernen sich von ihren Familien abzunabeln, sie haben den unbändigen Drang, ihre Entscheidungen alleine zu treffen, sie lassen sich wie wir sagen: „nichts mehr sagen“, sie meinen die Auswirkungen ihrer Entscheidungen können sie allein tragen.
Zugleich aber sollten sie wissen: dass sie für ihre Fehler, die sie machen, nicht allein gelassen werden…dass noch immer die Eltern da sind für sie, dass sie ihnen beistehen.
Man könnte es mit den letzten Tagen im Paradies vergleichen, wenn sie von der verbotenen Frucht essen, dass sie nicht hinausgeworfen werden.
Ich denke da an meinen Enkelsohn, der einen Fehler nach dem anderen macht: er weiß, in seiner Schule ist das Laufen am Gang verboten… er tut es – oder er denkt, in Englisch brauche ich keine Aufgaben machen, ich bin perfekt…
Schauen wir jedoch mit liebevollen Blick unsere Jugendlichen an, lassen wir sie den eigenen Weg gehen oder zeigen wir ihnen den Weg, wenn sie sich verirren, wenn sie ihre Grenzen überschreiten? Zeigen wir ihnen die Liebe und das Vertrauen in der Familie, dass sie nicht allein gelassen werden, wenn die Probleme zu groß werden.
Ich weiß, Jugendliche zu begleiten ist eine Herausforderung. Die jungen Menschen müssen wie Jesus ihren eigenen Weg finden und gehen, sie brauchen die Sicherheit, dass die Familie ihnen Halt gibt, dass sie Gemeinschaft erfahren. Jede und jeder soll wissen, dass er, dass sie – jederzeit willkommen sind, egal mit welcher Frisur, oder mit welchem Wortschatz sie uns begegnen… denn wenn eines aus dieser wilden Zeit bleibt, ist es das Wissen, dass jemand für sie da war, das bleibt in der Erinnerung an diese Jahre. Zu wissen dass es eine Tür gibt, die niemand zuschlägt, die offen bleibt.
Dies gilt auch für die Erwachsenen unter uns…es ist die Gewissheit, da ist eine Tür die immer offen bleibt, es ist die Tür zu Gott.
Fragen wir uns:
Wie habe ich diese wilden Jahre meiner Jugend empfunden?
Von wem lernte ich in dieser Zeit des Erwachsenwerdens?
Bringe ich in der Familie Verständnis für die jungen Menschen auf?
Für wen in der Familie bin ich eine Tür, die offen bleibt?
Stille



